Beitrag im Newsletter Nr. 6 vom 24.3.2022

Die Bedeutung von inklusivem Engagement

Stefan Sandner / Alexander Westheide

Inhalt

Starke inklusive Gesellschaft ist die Grundlage für den Zusammenhalt
Veränderungen im Engagement nötig
Junge Menschen wollen Inklusion, wissen aber zu wenig darüber, wie Inklusion gelingen kann
Immer mehr Menschen fordern Mitbestimmung
Veränderung im Freiwilligen Engagement ist auch eine Notwendigkeit
Veränderungen inklusiv denken
Endnoten
Autoren
Redaktion

Starke inklusive Gesellschaft ist die Grundlage für den Zusammenhalt

In einer inklusiven Gesellschaft sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, von Anfang an gleichberechtigt überall dabei zu sein. Denn jeder Mensch hat Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen, die er einbringen kann. Und je mehr Menschen unsere Gesellschaft mitgestalten, desto mehr erleben sich die Menschen als Teil der Gemeinschaft. So entsteht eine starke Zivilgesellschaft. Und diese starke inklusive Gesellschaft ist die Grundlage für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Veränderungen im Engagement nötig

Damit diese inklusive Gesellschaft Wirklichkeit wird, muss sich noch einiges verändern. Da passt es sehr gut, dass freiwillig engagierte Menschen Veränderung wollen. Sie setzen sich dafür ein, dass unsere Gesellschaft besser und lebenswerter wird. Doch auch das freiwillige Engagement braucht Veränderung. Wir müssen unsere Sichtweise ändern. Denn Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen, die nur wenig Geld haben, können und wollen sich auch engagieren. Sie wollen genauso dabei sein, wenn wir unsere Umwelt schützen, anderen Menschen helfen oder Politik mitgestalten. Das freiwillige Engagement muss dafür sorgen, dass sich alle Menschen gleichberechtigt engagieren können.

Junge Menschen wollen Inklusion, wissen aber zu wenig darüber, wie Inklusion gelingen kann

Besonders junge Menschen wollen sich für eine inklusive und gerechte Gesellschaft engagieren. Das zeigt die Studie »Jugend und inklusives Engagement« der Aktion Mensch. Doch auch für junge Menschen heißt das oft, dass sie zum Beispiel Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen helfen wollen. Dass Inklusion aber bedeutet, dass Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen selbstverständlich mitbestimmen und selbst entscheiden, ist den jungen Menschen oft nicht klar. Hier kann freiwilliges Engagement sehr viel erreichen: Junge Menschen, die eine inklusive und gerechte Gesellschaft wollen, brauchen nur das nötige Wissen dafür. Sie sollten lernen, wie Partizipation funktioniert: Wie können alle Menschen gleichberechtigt gemeinsam daran arbeiten, die Gesellschaft zu verändern? Wie kann man alle Menschen durch freiwilliges Engagement stärken? Wie sorgen alle dafür, dass jede Stimme zählt und auch gehört wird? Was bedeutet Barrierefreiheit?

Wenn junge Menschen im freiwilligen Engagement lernen, was Inklusion bedeutet, so verbreiten sie es weiter in andere Bereiche: zum Beispiel Schule, Ausbildung, Beruf, Politik, Sport. Freiwilliges inklusives Engagement ist enorm wichtig, um eine inklusive Gesellschaft zu erreichen.

Immer mehr Menschen fordern Mitbestimmung

Besonders in der Politik hat sich beim Thema Mitbestimmung in den letzten Jahren sehr viel getan. Bevor zum Beispiel ein neues Einkaufszentrum oder eine Straße gebaut werden soll, befragen Politiker*innen die Bürger*innen. Dieser Trend hin zu mehr Beteiligung wird auch in anderen Bereichen immer wichtiger: Weibliche Turnerinnen wollen zum Beispiel selbst entscheiden, Sportkleidung zu tragen, die nicht so eng und kurz ist. Menschen mit Behinderung, Frauen oder Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe setzen sich für Gleichberechtigung ein. Fachärzt*innen oder Träger von Einrichtungen zum Beispiel der Behindertenhilfe fragen immer öfter nach der Meinung der Betroffenen. Denn die Expert*innen merken immer öfter: Die Meinung, die Wünsche und das Wissen dieser Menschen ist wertvoll und wichtig.  

Immer mehr Menschen wollen also mitbestimmen. Und mehr Mitbestimmung in immer mehr Bereichen ist eine sehr gute Entwicklung. Doch auch hier ist es wichtig, an alle Menschen zu denken. Gehörlose Menschen brauchen Informationen in Deutscher Gebärdensprache. Ältere und jüngere Menschen und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte benötigen Einfache Sprache. Auch Menschen, die nur wenig Geld haben, müssen mitbestimmen und mitgestalten können. Sie haben vielleicht keinen Computer oder Internetzugang und können sich kein Busticket leisten. Wer eine gerechte und gleichberechtige Mitbestimmung will, der muss an Barrierefreiheit für alle Menschen denken.

Veränderung im Freiwilligen Engagement ist auch eine Notwendigkeit

Unsere Welt verändert sich ständig und so muss sich auch das freiwillige Engagement verändern: Immer mehr Freiwillige wollen sich nicht dauerhaft und zu festen Zeiten engagieren. Das heißt, sie wollen freier entscheiden, wann und wie sie sich freiwillig engagieren wollen. Einige wollen sich zum Beispiel nur online engagieren, andere nur jeden dritten Samstag im Monat, wieder andere wollen nur bei bestimmten Projekten mitmachen. Immer mehr Unternehmen wollen ihr Wissen im freiwilligen Engagement einbringen. Einige Unternehmen geben ihren Mitarbeiter*innen frei, damit sie sich freiwillig engagieren können.

Es entstehen laufend neue Themen im Engagement: Lebensmittelrettung, Hilfe für geflüchtete Menschen, Digitale Bürgerrechte. Und auch die Aufgaben im Engagement verändern sich. So können sich heute auch Freiwillige engagieren, wenn sie Social-Media-Arbeit, Datenanalyse oder digitale Aufklärung als Aufgabe übernehmen. Außerdem leben in unserer Gesellschaft immer mehr ältere Menschen und es kommen immer weniger junge Menschen nach. Vielen Organisationen fehlen Menschen, die sich engagieren. So brauchen soziale Dienste dringend freiwillig Engagierte, ohne die sie ihre Dienste nicht anbieten können.

Veränderungen inklusiv denken

Es ist also noch viel zu tun, wenn wir ein inklusives und modernes Engagement wollen. Doch die Herausforderungen können gleichzeitig auch gute Möglichkeiten sein. Natürlich kostet es Geld, wenn zum Beispiel eine Freiwilligenagentur barrierefrei umgebaut wird. Und natürlich ist es anstrengend zu lernen, was Inklusion und Barrierefreiheit bedeuten. Doch es gibt viel mehr Vorteile als Nachteile: Je inklusiver und barrierefreier freiwilliges Engagement ist, desto mehr Menschen können sich engagieren: Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen, die aus anderen Ländern kommen, junge und ältere Menschen, Menschen, die nur wenig Geld haben. Gemischte Teams in Unternehmen arbeiten erfolgreicher. Warum sollte das nicht auch im freiwilligen Engagement so sein? Und für einige Herausforderungen gibt es auch Unterstützung. So bietet zum Beispiel die Aktion Mensch finanzielle Förderung, Informationen und auch Kooperation an. Die Aktion Mensch Stiftung hat zum Beispiel ein Projekt der bagfa gefördert, wie Freiwilligenagenturen inklusiver werden können. Auf der Internetseite der bagfa sind viele Informationen zu den Themen Behinderung, Inklusion, Barrierefreiheit und inklusives Engagement kostenlos verfügbar[1]. Auch das BBE möchte Schritt für Schritt inklusiver werden, wobei die Aktion Mensch sehr gerne unterstützt.

Unsere Welt ändert sich gerade sehr schnell. Eigentlich ist das ein sehr guter Zeitpunkt bei diesen Veränderungen Inklusion immer gleich mitzudenken. Für eine gerechte und starke Gesellschaft brauchen wir alle Menschen. Und all diese Menschen haben unterschiedliches Wissen, Können, unterschiedliche Fähigkeiten und Erfahrungen. Sie alle können dieses Wissen und Können aber nur einsetzen, wenn unsere Welt inklusiv und barrierefrei ist. Am besten wir fangen heute damit an.


Endnoten

[1] https://bagfa.de/themenwelt-inklusion/


Beitrag im Newsletter Nr. 6 vom 24.3.2022
Für den Inhalt sind die Autor*innen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autoren

Stefan Sandner ist bei der Aktion Mensch e.V. als Leiter Inklusions-Strategie und Innovation tätig.

Alexander Westheide ist Experte für inklusives Engagement bei der Aktion Mensch e.V.


Redaktion

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