Beitrag im Newsletter Nr. 23 vom 18.11.2021

Erfahrungen aus der Civic Ideas Factory

Laura Montanaro & Selia Boumessid

Inhalt

Junge Menschen mit internationaler Geschichte unterstützen
Interview mit Nilay Unan
Interview mit Julián Ferrín
Interview mit Sandra Bilson
Redaktion

Junge Menschen mit internationaler Geschichte unterstützen

Die Civic Ideas Factory ist eine Projektschmiede, die die Ideen junger Menschen mit internationaler Geschichte (herkunftsübergreifend mit Schwerpunkt Iran und Afghanistan) zu bürgerschaftlichem Engagement und Ehrenamt fachlich und materiell unterstützt. Jugendliche und junge Erwachsene bis 30 Jahren können sich mit einer ersten Idee bewerben und haben anschließend die Möglichkeit, unterschiedliche Schulungen, beispielsweise in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und Antragsstellung, zu erhalten. Nach der Teilnahme an den Seminaren können sich die Teilnehmenden mit einem kurzen Projektantrag auf eine Mikrofinanzierung bewerben und eine Förderung von bis zu 500 € zu erhalten.

Im Mai 2021 hat die Civic Ideas Factory das erste Mal stattgefunden. Das Projektteam hat mit drei der Teilnehmenden über ihre Erfahrungen gesprochen:

Interview mit Nilay Unan

Nilay ist 20 Jahre alt und hat sich bei der Civic Ideas Factory mit der Idee beworben, einen Safe Place von jungen Menschen für junge Menschen mit internationaler Geschichte zu erschaffen und Chancenungleichheit im Bildungssystem hierdurch entgegen zu wirken. Das Projekt läuft über die gemeinnützige Organisation Deutsch Afrika-Kompass e.V. Nilay hat selbst eigene Migrationserfahrung, studiert auf Lehramt und möchte sich aktiv für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen.

Mehr Informationen über Deutsch Afrika-Kompass e.V.

Liebe Nilay, danke, dass du dir Zeit genommen hast für ein kurzes Interview. Zuerst einmal würden wir gerne wissen: Wie bist du überhaupt zum Engagement gekommen?

Alle von uns können einen Beitrag dazu leisten, dass sich unsere Gesellschaft zu einem gerechteren und toleranteren Ort entwickelt. Sich füreinander einzusetzen und gegenseitig zu unterstützen ist meiner Meinung nach das, was eine soziale Gesellschaft ausmacht. Mit meinem Engagement kann ich nicht nur anderen Menschen helfen, indem ich mein Wissen teile, sondern zugleich ebenso viel von meinen Mitmenschen lernen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Ich engagiere mich im Bereich der Flüchtlings- und Migrationshilfe und setze mich für Bildungsgerechtigkeit ein. Das Schöne am Engagement ist, dass man sich gegenseitig bereichert. Wir lernen miteinander, voneinander und insbesondere füreinander. Ich treffe stets auf individuelle Persönlichkeiten mit eigenen Vorstellungen und Ideen, sodass man lernt, die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Hattest du Herausforderungen, dich ehrenamtlich zu engagieren? Wenn ja, welche waren das? Herausforderungen sehe ich immer als Chancen an, da man an diesen wächst und sich weiterentwickelt. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich gesellschaftlich zu engagieren, da man nicht nur mehr über seine Mitmenschen, sondern auch gleichzeitig eine Menge über sich selbst lernt. Bisher habe ich nur positive Erfahrungen in meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten gesammelt. Manchmal ist es schwierig, Ehrenamt und Uni zeitlich zu koordinieren, doch wenn man Freude an seinen Aufgaben hat, fällt es einem deutlich leichter.

Was war deine Motivation, um an der Civic Ideas Factory teilzunehmen und inwiefern hat dich die Civic Ideas Factory mit deiner Projektidee weitergebracht?

Als ich das erste Mal von der Civic Ideas Factory gehört habe, wusste ich sofort, dass ich unbedingt daran teilnehmen möchte. Die Planung eines gesellschaftlichen Projektes ist an viele Herausforderungen gebunden, gerade wenn man noch nicht viele Erfahrungen im Bereich Projektmanagement sammeln konnte. Der Weg von der Projektidee bis zu ihrer Realisierung ist lang, zeitaufwendig, aber unglaublich wertvoll und bereichernd. Die Civic Ideas Factory hat mir einen Überblick über die wichtigsten Aufgabenfelder verschafft und mich zugleich mit anderen jungen, engagierten Menschen vernetzt. Habt den Mut an eure Projektidee zu glauben und bewerbt euch für die Civic Ideas Factory, um auch eure Projektidee erfolgreich umsetzen zu können!

Was sind derzeitige Herausforderungen in deinem Projekt?

Seit August 2021 befindet sich mein Projekt in der Umsetzungsphase. Es steckt viel Arbeit dahinter und man muss sich bewusst darüber sein, dass man als Koordinator*in eine große Verantwortung übernimmt. Sich ein Team zusammenzustellen, das mit Leidenschaft und Engagement an dem Projekt arbeitet und hinter der Projektidee steht, ist gar nicht so leicht, aber unglaublich wichtig, damit das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann.

Interview mit Julián Ferrín

Julián ist 29 Jahre alt und hat sich mit der Idee beworben, die venezolanische Krise in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, den Dialog zu fördern und die venezolanische Diaspora besser zu vernetzen. Er möchte damit seine Verbindung zu seiner Heimat (Venezuela) aufrechterhalten und sich für Menschen in Venezuela und in Deutschland engagieren.

Lieber Julián, danke, dass du dir Zeit genommen hast für ein kurzes Interview. Zuerst einmal würden wir gerne von dir wissen, wie du zum Engagement gekommen bist?

Ich habe mich seit der Kindheit ehrenamtlich engagiert. Als ich nach Deutschland kam, musste ich erstmal mehrere Ebenen im privaten Leben priorisieren. Nachdem dies geschehen war, konnte ich meinen Master studieren und hatte dann auch wieder mehr Zeit, mich ehrenamtlich zu engagieren. Über eine Freundin kam ich in den Verein Pro Venezuela e.V., in dem wir mit venezolanischen Migrant*innen und Geflüchteten arbeiten und über die Situation in Venezuela in der deutschen Öffentlichkeit aufmerksam machen. Seit ca. einem Jahr sitze ich als stellvertretender Vorsitzende im Vereinsvorstand.

Hattest du Herausforderungen, dich ehrenamtlich zu engagieren? Wenn ja, welche waren das?

Eine große Herausforderung stellt (noch) die globale Pandemie dar, die ein großes Umdenken im bürgerlichen und ehrenamtlichen Engagement erforderte. Als kleiner Verein hat man außerdem wenige Mittel, um technologisch auf Videokonferenzen umschalten zu können oder damals in Präsenz gehaltene Veranstaltungen wie Mitgliederversammlungen oder sonstige Events auf Online-Plattformen umzustellen. Als bundesweit tätiger Verein wurden sogar alltägliche Sachen wie das einfache Unterschreiben von Unterlagen beim Notar innerhalb des Vorstandes zu einer echten logistischen Herausforderung.

Was war deine Motivation, um an der Civic Ideas Factory teilzunehmen und inwiefern hat dich die Civic Ideas Factory mit deiner Projektidee weitergebracht?

Ich fand es sehr reizend, dass uns jungen Engagierten solche Workshops zum Erlernen und zur Förderung von Fähigkeiten und Skills, die uns besser helfen sollen, unserer Mission gerecht zu werden, angeboten wurden. Die Vielfalt des CIF-Programms hat mir sehr geholfen, in verschiedenen Bereichen wie z.B. Antragstellungen bei Behörden, die Zielsetzungen und Durchführung von Aktivitäten oder auch Methoden der Rhetorik und Moderation zu erlernen und mehr über die Erfahrungen anderer Engagierter zu erfahren. Die gesammelten Erfahrungen werden meine zukünftigen Projekte definitiv besser machen!

Was sind derzeitige Herausforderungen in deinem Projekt?

Zunächst streben wir als Verein im Moment den Gemeinnützigkeitsstatus an, um eine größere Wirkung in der Gesellschaft haben zu können. Hierzu sind die rechtlichen Vorschriften eine wichtige Herausforderung, der wir uns aber entschlossen stellen. Außerdem wurden einige unserer aktiven Mitglieder*innen leider relativ stark von der Pandemie betroffen. Dies hat unsere Aktivitäten in manchen Regionen Deutschlands beeinträchtigt. Aus diesem Grund mussten wir z.B. die aktive Betreuung venezolanischer Asylbewerber*innen in Sachsen einschränken. Außerdem bleibt der technologische Wandel, der durch Corona beschleunigt wurde, eine wichtige Herausforderung für uns als Verein, denn wir mussten unsere digitale Präsenz stärken

Interview mit Sandra Bilson

Sandra Bilson ist 24 Jahre alt und hat sich gemeinsam im Team der »Almans of Color« beworben. Die Idee ist, dass sie Menschen zu Wort kommen lassen wollen, die in der Gesellschaft unterrepräsentiert sind. Sie wollen, dass sich Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft und BIPOC* (Black, Indigenous and People of Color) durch ihre Geschichten und Themen annähern und wollen hierdurch ein Bewusstsein für die Vielfalt von unterschiedlichen Lebensperspektiven schaffen.

Liebe Sandra, danke, dass du dir die Zeit genommen hast für ein kurzes Interview. Zuerst einmal würden wir gerne von dir wissen: Wie bist du überhaupt zum Engagement gekommen?

26 % der in Deutschland lebenden Menschen haben Migrationsgeschichte. Dies spiegelt sich jedoch medial nicht wieder – weder auf Podien noch in Talk-Formaten. Meine Motivation hinter dem Engagement war es, etwas zu bewegen und diesem Problem entgegenzuwirken. Ich wollte die Veränderung hervorbringen, die ich mir für mein jüngeres Ich gewünscht hätte. Zudem wollte ich unter dem Motto #Embrace #Encourage #Empower mit meinem Projekt (Diversity-Talk-Reihe) und dem Ehrenamt die Perspektiven, Erfolgsgeschichten und Lebensgeschichten von marginalisierten Gruppen medial repräsentieren und dazu beitragen, dass die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt hörbar und sichtbar gemacht wird. Zudem möchte ich einen Raum des Austausches, Dialoges und der interkulturellen Begegnung schaffen. Durch das Engagement wollte ich neue praktische Erfahrungen in der Content-Erstellung sammeln, soziale Verantwortung übernehmen, neue Fertigkeiten erwerben und meine Wissbegierde dazu nutzen, um gesellschaftliche und mediale Aspekte mitzugestalten.

Hattest du Herausforderungen, dich ehrenamtlich zu engagieren? Wenn ja, welche waren das?

Ich hatte kleine Herausforderungen. Eine Herausforderung war die Balance zwischen Engagement, Beruf und Studium zu finden. Engagement kann, gerade wenn es eine Herzensangelegenheit ist, viel Zeit in Anspruch nehmen. Eine andere Herausforderung lag darin, Gleichgesinnte zu treffen, die den Drang hatten, das gesellschaftliche Problem, welches man mit dem eigenen Projekt lösen möchte, zu unterstützen. Glücklicherweise leben wir in einer Welt, in der wir uns auch über soziale Netzwerke vernetzen und austauschen können. Meine Social Media Präsenz sowie das Erarbeiten von kreativen Lösungsansätzen haben mir dabei geholfen, Teammitglieder*innen zu finden, die sich engagieren möchten, indem sie die Zukunft der Medien mitgestalten wollen.

Was war deine Motivation, um an der Civic Ideas Factory teilzunehmen und inwiefern hat dich die Civic Ideas Factory mit deiner Projektidee weitergebracht?

Meine Motivation hinter der Teilnahme an der Civic Ideas Factory war, mein Projekt vorzustellen, mich zu vernetzen und mir neue Skills anzueignen, die für die Projektumsetzung hilfreich sind. Ob Projektmanagement, Moderation, Projektbeantragung oder PR- und Öffentlichkeitsarbeit – ich habe eine Menge Wissen vertiefen können und neue Erkenntnisse sammeln können und dafür bin ich mehr als dankbar. Die Teilnahme an der Civic Ideas Factory war für mich ermutigend, zukunftsorientiert und bereichernd. Wir waren mit den Projektleiterinnen von Anfang an auf einer Wellenlänge und konnten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und Unsicherheiten klären. Auch die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden haben wir als sehr angenehm empfunden. Die gemeinsame Zusammenarbeit hat dazu beigetragen, dass wir uns gegenseitig dabei unterstützen konnten unsere Projekte zu konzipieren, zu planen sowie umzusetzen. Das Feedback der Teilnehmenden war konstruktiv und hat unseren Horizont erweitert.

Was sind derzeitige Herausforderungen in deinem Projekt?

Die derzeitige Herausforderung liegt darin, eine gute Kostenschätzung für die Projektumsetzung zu gestalten, da einige Zeit noch unklar war, ob das Projekt in Präsenz, digital oder in einem Hybrid-Format stattfinden wird. Damit geht einher, dass jede Veranstaltung unterschiedliche technische Anforderungen mit sich bringt. Dennoch verhalf uns diese Erkenntnis dabei, in der Planung des Projekts voranzukommen.


Beitrag im Newsletter Nr. 23 vom 18.11.2021
Für den Inhalt sind die Autor*innen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Die Interviews wurden vom STAEpolSEL*-Projektteam Laura Montanaro, Iranische Gemeinde in Deutschland (IGD), und Selia Boumessid, BBE, geführt.

Kontakt: laura.montanaro@iranischegemeinde.de | selia.boumessid@b-b-e.de


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