BBE Europa-Nachrichten Nr. 3 vom 20.3.2026
Die BBE Europa-Nachrichten zu »Newsletter für Engagement und Partizipation« bieten monatlich Informationen und Hintergrundberichte zu europäischen Fragen der Engagementpolitik und -förderung, Gastbeiträge namhafter Europaexpert*innen sowie Hinweise auf internationale Beteiligungsverfahren.
Aktuelles aus europäischer Engagementpolitik und -debatte
Neue Rahmenvereinbarung für mehr Transparenz und demokratische Legitimität
EU-Freiwilligendienst feiert 30-jähriges Bestehen
Neue EU-Plattform für den Dialog mit der Zivilgesellschaft
Civil Society Week 2026: Menschen, Demokratie, Resilienz
EU-öffentliche Anhörung zu Haushaltsausgaben: Bedeutung für die Zivilgesellschaft
Austausch und Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus
Schwerpunkt: Digitale Verantwortung, Teilhabe und Europa im Wandel
Editorial zum Schwerpunktthema
19. März: Internationaler Tag des digitalen Lernens
EU, Europarat, KI und Rechtsstaatlichkeit
Gulson/Sellar: Künstliche Intelligenz, Demokratisches Handeln, Widerstand und Partizipation neu denken
Code of Conduct Demokratische KI
Digitaler Aufräumtag 2026: Aufräumen für Effizienz, Klimaschutz und digitale Teilhabe
Save the date: 37. Europäischer Abend – Europas digitale Souveränität
Internationale Beteiligungsverfahren
Europäisches Bürgerforum zur Krisenvorsorge
Ideen für die nächste Europäische Bürgerinitiative
Aktuelles aus dem BBE und von europäischen Partnern
BBE-Strategierunde »Europa« im Gespräch zum deutsch-französischen Ansatz für Zivilgesellschaft
Frauen Europas 2026: EBD zeichnet herausragendes Engagement aus
Aufruf zur Bewerbung: Europäische Freiwilligenhauptstadt 2028
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationen
Europakonferenz der Diakonie Deutschland zum Umgang mit Rechtspopulismus in Europa
Europäische Jugendwoche 2026: »All in for Change«
RESILIO-ACCESS-Snapshot-Reihe: Resilienz der Rechtsstaatlichkeit in EU-Beitrittsländern
Publikation: Lehren aus ukrainischen Kommunen für Deutschland
Hinweis
Aktuelles aus europäischer Engagementpolitik und -debatte
Neue Rahmenvereinbarung für mehr Transparenz und demokratische Legitimität
Am 11. März 2026 hat das Europäische Parlament in Straßburg die überarbeitete Rahmenvereinbarung über die institutionellen Beziehungen zur Europäischen Kommission verabschiedet. Sie ersetzt die Regelung von 2010 und stärkt die Rolle des Parlaments im EU‑Gesetzgebungsprozess. Künftig muss die Kommission das Parlament gleichberechtigt mit dem Rat behandeln und frühzeitig über politische Initiativen informieren. Das indirekte Initiativrecht des Parlaments wird gestärkt: Aufforderungen zur Vorlage von Gesetzgebungsvorschlägen müssen künftig innerhalb von drei Monaten beantwortet und begründet werden. Die Europa-Union Deutschland (EUD) begrüßt die Reform als wichtigen Schritt zur Stärkung der demokratischen Legitimation europäischer Politik in der EU. Prof. Dr. Andrea Wechsler MdEP, Präsidentin der Europa-Union Deutschland, betont: »Seit der ersten Direktwahl 1979 hat sich das Europäische Parlament Schritt für Schritt mehr Rechte erarbeitet. Diese Reform führt diesen Weg konsequent weiter. Eine starke parlamentarische Kontrolle der Kommission ist ein zentraler Baustein für demokratische Legitimität in Europa.«
Pressemitteilung des Europäischen Parlaments (11. März 2026)
Pressemitteilung der Europa-Union Deutschland (EUD) (11. März 2026)
EU-Freiwilligendienst feiert 30-jähriges Bestehen
Der Europäische Freiwilligendienst (EFD), der 1996 als Pilotprojekt begann, hat sich zu einem der erfolgreichsten EU-Programme entwickelt. Über 250.000 junge Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus haben sich in mehr als 32.000 gemeinnützigen Projekten engagiert, darunter rund 50.000 Teilnehmende aus Deutschland. 2016 ging der EFD in das eigenständige Programm Europäisches Solidaritätskorps (ESK) über. Mit einer Mittelaufstockung auf 175.3 Millionen Euro für 2026 unterstreicht die Europäische Kommission die Bedeutung des Freiwilligendienstes. Die Programme fördern interkulturelle Kompetenzen, Sprachkenntnisse und soziale Fähigkeiten und stärken zugleich Selbstvertrauen, Eigeninitiative und europäische Werte wie Solidarität, Toleranz und demokratische Teilhabe. Darüber hinaus tragen die Freiwilligendienste zur gesellschaftlichen Resilienz bei: Sie ermöglichen jungen Menschen, in Krisensituationen aktiv und solidarisch zu handeln, und vernetzen Generationen über Grenzen hinweg.
Neue EU-Plattform für den Dialog mit der Zivilgesellschaft
Die Europäische Kommission präsentierte 2025 ihre Civil Society Strategy, eine zentrale Initiative zur Stärkung, Unterstützung und Sicherung der Zivilgesellschaft in der EU. Sie betont die wichtige Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Mitgestaltung von Politik, der Verteidigung demokratischer Werte und der Sicherung der Rechtsstaatlichkeit. Die Strategie konzentrierte sich auf drei Bereiche: die Förderung von Beteiligung durch regelmäßigen Dialog zwischen EU-Institutionen und Zivilgesellschaft, den Schutz und die Unterstützung von Akteuren über einen Online-Hub und Kooperation mit Mitgliedstaaten sowie die Sicherung ausreichender Mittel im kommenden Mehrjährigen EU-Haushalt. Ein zentrales Element ist die Civil Society Plattform, die als strukturierter Dialograum dient, in dem Organisationen ihre Herausforderungen darstellen und ihre Prioritäten einbringen können. Civil Society Europe (CSE) wurde in den Lenkungsausschuss der Plattform berufen, gemeinsam mit der Europäischen Kommission, der Fundamental Rights Agency und dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA). CSE wird die Stimme der Zivilgesellschaft aktiv einbringen, die Plattform an den Prioritäten der Akteure ausrichten und so einen lebendigen zivilgesellschaftlichen Raum in der EU fördern.
Pressemitteilung (4. März 2026)
Civil Society Week 2026: Menschen, Demokratie, Resilienz
Die Civil Society Week 2026 fand vom 2. bis 5. März in Brüssel statt und versammelte über 1.300 Teilnehmende aus ganz Europa. Unter dem Motto »People, Democracy, Resilience – Our Future!« diskutierten Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen, Jugendgruppen, Journalist*innen und EU-Entscheidungsträger*innen zentrale Herausforderungen für Europa. Thematische Schwerpunkte waren die Stärkung sozialer Chancen (Union of Opportunities), der Schutz der Demokratie und Förderung gemeinsamer Werte (Union of Security) sowie der Aufbau resilienter Gesellschaften (Union of Resilience) durch Zivilgesellschaft, Freiwilligenengagement und intergenerationelle Zusammenarbeit. Zum Abschluss wurden Empfehlungen präsentiert, die in die Schlussfolgerungen des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) einflossen. Alle Webaufzeichnungen der Panels, Debatten und Workshops sind auf der EWSA-Webseite verfügbar.
Erkenntnisse der #CivSocWeek 2026 (PDF)
EU-öffentliche Anhörung zu Haushaltsausgaben: Bedeutung für die Zivilgesellschaft
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) lädt am 25. März 2026 von 10:00 bis 13:00 Uhr zu einer öffentlichen Anhörung ein. Thema sind die Auswirkungen des vorgeschlagenen Tracking- und Leistungsrahmens für die Haushaltsausgaben im Kontext des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens (MFF 2028 bis 2034) auf die organisierte Zivilgesellschaft. Der Rahmen ist Teil des langfristigen EU-Haushaltsplans und soll dazu beitragen, Ausgaben transparent nachzuverfolgen und die erzielten Ergebnisse zu bewerten. Im Mittelpunkt stehen dabei Transparenz, Rechenschaftspflicht und eine ergebnisorientierte Politikgestaltung. Vertreter*innen von EU-Institutionen, nationalen Behörden, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen tauschen ihre Perspektiven aus. Die Veranstaltung wird live gestreamt und steht allen Interessierten offen. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Eine Registrierung ist nicht erforderlich.
Austausch und Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus
Der Internationale Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung am 21. März erinnert an das Massaker von Sharpeville im Jahr 1960. Die UN-Generalversammlung hat diesen Tag zum weltweiten Aktionstag erklärt, um Rassismus zu bekämpfen und Gleichheit zu fördern. Rund um diesen Tag finden in vielen Ländern, darunter Deutschland, die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Sie bieten Raum für Bürgerengagement, Aktionen der Zivilgesellschaft, Workshops und Vorträge, um Diskriminierung sichtbar zu machen und Solidarität zu stärken. Am 17. März 2026 fand in Brüssel die EU-Anti-Rassismus-Konferenz statt, bei der die Europäische Kommission die neue Anti-Rassismus-Strategie 2026 bis 2030 vorstellte. Vor Ort nahmen etwa 250 Personen teil, über den Livestream wurde ein breites Publikum online eingebunden. Zusätzlich stand während der Plenarsitzungen Internationale Gebärdensprache zur Verfügung, um Barrierefreiheit und Teilhabe zu gewährleisten. Die Konferenz ist Teil der EU-Bemühungen, Rassismus in all seinen Formen zu bekämpfen und den Austausch zwischen politischen Entscheidungsträger*innen, Zivilgesellschaft und Expert*innen zu fördern.
Weitere Informationen zum internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung
Livestream und weitere Informationen zur Konferenz
Schwerpunkt: Digitale Verantwortung, Teilhabe und Europa im Wandel
Editorial zum Schwerpunktthema
Liebe Leser*innen,
unser Schwerpunktthema widmet sich der digitalen Verantwortung – einem Bereich, in dem Bildung, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz und demokratische Mitwirkung eng miteinander verknüpft sind. Digitale Bildung bildet die Grundlage für reflektiertes Handeln im digitalen Raum. Am 19. März, am internationalen Tag des digitalen Lernens wird jedes Jahr unterstrichen, wie wichtig es ist, digitale Kompetenzen zu stärken und Bürger*innen zu befähigen, aktiv und informiert an gesellschaftlichen und politischen Prozessen teilzuhaben. So wird Bildung zu einem zentralen Instrument, um die Zivilgesellschaft zu stärken und demokratische Teilhabe zu fördern.
Morgen, am 21. März, macht der Digital Cleanup Day auf den ökologischen Fußabdruck unserer digitalen Aktivitäten aufmerksam. Indem wir digitale Inhalte bewusst entrümpeln und den Energieverbrauch reduzieren, tragen wir nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern fördern zugleich einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologien, der die Teilhabe der Zivilgesellschaft unterstützt und demokratisches Engagement erleichtert.
Gleichzeitig gewinnt die Verantwortung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz an zentraler Bedeutung. Mit der Unterzeichnung der Rahmenkonvention des Europarats über KI, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit durch die EU werden ethische Standards und demokratische Prinzipien für den Einsatz von KI verbindlich verankert. Initiativen wie der Code of Conduct Demokratische KI zeigen, wie partizipative und inklusive Prozesse sicherstellen können, dass KI-Systeme gesellschaftliche Werte respektieren und die Mitgestaltung durch die Zivilgesellschaft ermöglichen.
Zusammengefasst verbindet unser Schwerpunktthema die verschiedenen Dimensionen digitaler Verantwortung: Bildung stärkt demokratische Kompetenzen, Nachhaltigkeit fördert reflektierte Nutzung digitaler Ressourcen, KI-Rahmenwerke sichern ethische Standards und aktive Teilhabe der Zivilgesellschaft macht digitale Transformation demokratisch gestaltbar.
Wir wünschen Ihnen eine interessante und anregende Lektüre!
Ihre Redaktion der BBE Europa-Nachrichten
19. März: Internationaler Tag des digitalen Lernens
Der Internationale Tag des digitalen Lernens, der erstmals 2024 von der UNESCO offiziell eingeführt wurde, wird am 19. März 2026 zum zweiten Mal begangen. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Chancen und Herausforderungen des digitalen Lernens zu stärken und den globalen Austausch über bewährte Praktiken zu fördern. Hintergrund ist die zunehmende Digitalisierung von Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Digitale Technologien ermöglichen neue Zugänge, bauen Barrieren ab und stärken die Teilhabe der Zivilgesellschaft. In diesem Jahr liegt der Fokus auf digitalen Zukünften für die öffentliche Bildung. Es geht darum, Menschen zu befähigen, digitale Tools nicht nur zu nutzen, sondern sie auch aktiv in gesellschaftliche und politische Prozesse einzubringen. In Europa wird dieser Tag genutzt, um Initiativen zu präsentieren, die digitale Bildung an Schulen, Universitäten und in Organisationen fördern. Gleichzeitig sollen damit die Zivilgesellschaft gestärkt und der Zugang zu demokratischer Teilhabe erweitert werden.
Weitere Informationen zum Internationalen Tag des digitalen Lernens
EU, Europarat, KI und Rechtsstaatlichkeit
Am 11. März 2026 stimmte das Europäische Parlament der Unterzeichnung der Rahmenkonvention des Europarats über Künstliche Intelligenz und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit durch die EU zu (455 Stimmen dafür, 101 dagegen und 74 Enthaltungen). Das Übereinkommen verankert bestehende EU-Politiken im Bereich der KI in einem international anerkannten Rahmen und soll den sicheren und rechtskonformen Einsatz von KI in der EU und weltweit fördern. Mit diesem Schritt unterstützt das Parlament den Abschluss eines internationalen Abkommens, das grundlegende Prinzipien für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen festlegt. Ziel ist es, sicherzustellen, dass KI im Einklang mit den europäischen Werten eingesetzt wird und dabei Menschenrechte, demokratische Prozesse und rechtsstaatliche Prinzipien gewahrt bleiben. Das Übereinkommen soll einen gemeinsamen internationalen Rahmen für den verantwortungsvollen Umgang mit KI schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Staaten und Organisationen in diesem Bereich stärken.
Gulson/Sellar: Künstliche Intelligenz, Demokratisches Handeln, Widerstand und Partizipation neu denken
In ihrem Beitrag analysieren Kalervo N. Gulson, Professor für Bildungspolitik an der University of Sydney, und Sam Sellar, Professor für Bildungspolitik an der University of South Australia, die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Bildungsgovernance und -politik. Sie beschreiben das Phänomen der »synthetischen Governance«, bei dem menschliche Expertise, Werte und Entscheidungslogiken mit algorithmischen, datengetriebenen Systemen verschmelzen. Ihrer Meinung nach gibt es kein Zurück mehr. KI verändert die in Bildungssystemen gefragte Expertise, die Art und Weise, wie Entscheidungen vorbereitet werden, und die Personen, die Einfluss auf Bildungsprozesse haben. Generative KI (GenAI) wie ChatGPT wird zunehmend in Verwaltung, Lernmanagement und Entscheidungsunterstützung eingesetzt, ohne dass dafür spezielle Fachkenntnisse erforderlich sind. Dies eröffnet neue Chancen für Beteiligung, birgt aber auch Risiken, wie die Verbreitung fehlerhafter Informationen. Die Autor*innen betonen, dass demokratische Partizipation, Widerstand und Mitgestaltung neu gedacht werden müssen. Regulierung allein reicht nicht aus. Vielmehr sind inklusive Entscheidungsprozesse, die technologische und menschliche Akteure einbeziehen, von zentraler Bedeutung, um Bildung zukunftsfähig und demokratisch zu gestalten.
Beitrag von Kalervo N. Gulson und Sam Sellar (PDF)
Code of Conduct Demokratische KI
Wie können wir in der Zivilgesellschaft verantwortungsvoll mit KI umgehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich über 20 Monate lang ein partizipativer Prozess, an dem mehr als 50 Organisationen beteiligt waren, darunter die Arbeiterwohlfahrt, die Amadeu Antonio Stiftung, die Deutsche Schachjugend, der Verband der Migrant*innenorganisationen Ostdeutschland, CorrelAid und das BBE. Der Code, den das BBE mitunterzeichnet hat, dient als Orientierung für einen reflektierten, demokratisch-partizipativen Einsatz von KI. Er ergänzt bestehende ethische Rahmenwerke wie die EU-Ethik-Leitlinien, die Empfehlungen der UNESCO und die Prinzipien der OECD. Leitend ist dabei die UNESCO-Definition von KI-Systemen als Technologien, die Daten auf eine Weise verarbeiten, die menschlichem Denken ähnelt oder es nachzuahmen scheint. Das Ziel besteht darin, Prozesse inklusiver, transparenter und zukunftsfähiger zu gestalten, die demokratische Teilhabe zu stärken und gesellschaftliche Verantwortung in der digitalen Transformation zu sichern.
Code of Conduct Demokratische KI
White Paper »Solidarische Praxis entlang der Nutzung von KI verankern« (PDF)
Digitaler Aufräumtag 2026: Aufräumen für Effizienz, Klimaschutz und digitale Teilhabe
Am 21. März 2026 findet der internationale Digital Cleanup Day statt – ein Tag, an dem weltweit Menschen, Unternehmen und Organisationen ihre digitalen Geräte, E-Mail-Postfächer und Cloud-Speicher entrümpeln. Ziel ist es, Ordnung und Effizienz im digitalen Alltag zu schaffen, den ökologischen Fußabdruck von Daten zu reduzieren und die Datensicherheit zu erhöhen. Neben Nachhaltigkeit spielt auch die digitale Teilhabe eine zentrale Rolle für die Demokratie: Wer den Umgang mit digitalen Daten reflektiert, seine Geräte und Informationen organisiert und digitale Kompetenzen stärkt, ist besser in der Lage, sich an gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu beteiligen. Initiativen wie der Digitaltag zeigen, wie ein digitaler Aufräum- und Reflexionstag zu einer stärkeren demokratischen Teilhabe beitragen kann. Im Jahr 2025 hat der World Cleanup Day erneut gezeigt, wie stark globale Zivilgesellschaft wirken kann: Über 139 Millionen Menschen in 212 Ländern beteiligten sich an Aktionen gegen die weltweite Müllkrise. Der Tag macht deutlich, dass gemeinsames Handeln auf lokaler wie internationaler Ebene Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und gesellschaftliches Engagement verbindet.
Save the date: 37. Europäischer Abend – Europas digitale Souveränität
Am 19. Mai 2026 ab 18:00 Uhr findet der 37. Europäische Abend statt, eine gemeinsame Veranstaltung des dbb beamtenbund und tarifunion, der Europa-Union Deutschland (EUD) und des BBE. Im Mittelpunkt steht diesmal das Thema »Europas digitale Souveränität«. Es geht um die Frage, wie Europa die Voraussetzungen für echte digitale Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit schaffen kann. Im Fokus stehen insbesondere die politischen, regulatorischen und technologischen Maßnahmen, die notwendig sind, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren. Darüber hinaus wird erörtert, wie ein europäischer Rahmen gestaltet werden kann, der Innovation fördert, Investitionskraft stärkt und faire Wettbewerbsbedingungen sicherstellt.
Internationale Beteiligungsverfahren
Europäisches Bürgerforum zur Krisenvorsorge
Wie können die Bürger*innen Europas besser auf Krisen vorbereitet werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Maßnahmen und Initiativen der EU-Strategie für eine Union der Krisenvorsorge inklusiv und wirksam sind und den Bedürfnissen aller Bürger*innen gerecht werden? Am 20. März 2026 kommen in Brüssel zum ersten Mal 150 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürger*innen aus der gesamten EU zusammen, um das neue Europäische Bürgerforum zur Krisenvorsorge ins Leben zu rufen. Ziel des Forums ist es, die Perspektiven der Bevölkerung in die EU-Strategie für Krisenvorsorge einzubringen. In insgesamt drei Sitzungen werden die Teilnehmenden darüber beraten, wie Bürger*innen besser in Krisen eingebunden, gestärkt und vorbereitet werden können. Thematisch stehen dabei unter anderem extreme Wetterereignisse, Pandemien, Stromausfälle, Cyberangriffe und hybride Bedrohungen im Mittelpunkt. In der Abschlusssitzung im Mai 2026 werden Empfehlungen erarbeitet, die eine inklusive und effektive Union der Krisenvorsorge unterstützen und die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen. Interessierte können die Sitzungen per Livestream verfolgen.
Ideen für die nächste Europäische Bürgerinitiative
Im Forum zur Europäischen Bürgerinitiative (EBI) wurde im Anschluss an den European Citizens’ Initiative Day am 3. März 2026 die Diskussionsrunde »Inspiriert vom EBI-Tag: Was wäre Ihre Initiative?« gestartet. Bürger*innen sowie zivilgesellschaftliche Akteure sind eingeladen, eigene Ideen für mögliche Bürgerinitiativen vorzuschlagen. Beim EBI-Tag kamen Organisator*innen, Aktivist*innen und NGOs im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Unterstützer*innen zu gewinnen und die Instrumente kennenzulernen, mit denen sich aus einem Anliegen eine EU-weite Kampagne entwickeln lässt. Die Europäische Bürgerinitiative ist das einzige partizipative Instrument auf EU-Ebene, das es Bürger*innen ermöglicht, die Europäische Kommission zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags aufzufordern. Das Forum dient als Plattform für den Ideenaustausch und die Inspiration, bevor formale Initiativen gestartet werden. Bürger*innen können dort Vorschläge kommentieren, diskutieren und so die Entwicklung zukünftiger EBIs aktiv mitgestalten.
Aktuelles aus dem BBE und von europäischen Partnern
BBE-Strategierunde »Europa« im Gespräch zum deutsch-französischen Ansatz für Zivilgesellschaft
Am 6. März 2026 tauschten sich Rainer Hub, Vorsitzender des BBE-Sprecher*innenrates, Christian Moos, Beauftragter des BBE für Europäische Themen und Martin Bobel, Conseiller du CESE für das Mouvement Associatif, Vizepräsident des Mouvement Associatif und Administrator im Réseau des Ressourceries et Recycleries in einer Videokonferenz über die Zusammenarbeit deutsch-französischer Organisationen zur Stärkung der Zivilgesellschaft in Europa aus. Bobel berichtete von starken Kürzungen der Fördermittel in Frankreich und der zunehmenden »Marchandisation« der Zivilgesellschaft, die Organisationen stärker projektgebunden und abhängig von Förderungen macht. Die Teilnehmenden besprachen Möglichkeiten, das Europäische Parlament und die Europäische Kommission für die Belange zivilgesellschaftlicher Organisationen zu sensibilisieren. Zentral war die Entkopplung gemeinnützigen Engagements vom europäischen Wettbewerbsrecht. Dabei wurde auch der Demokratieschild als Ansatzpunkt für die Erweiterung der finanziellen Handlungsspielräume für zivilgesellschaftliches Engagement thematisiert. Die Teilnehmenden vereinbarten, den Austausch in weiteren Gesprächen fortzusetzen.
Frauen Europas 2026: EBD zeichnet herausragendes Engagement aus
Die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) hat Ina Rumiantseva und Prof. Dr. Gabriele Abels als »Frauen Europas 2026« ausgezeichnet. Damit würdigt die EBD zwei Frauen, die sich in unterschiedlicher Weise herausragend für die europäische Integration und den Zusammenhalt einsetzen. Rumiantseva wird für ihr langjähriges Engagement für Demokratie, Menschenrechte und die Unterstützung politischer Gefangener in Belarus geehrt, während Prof. Dr. Abels als Wissenschaftlerin und Europapolitikerin für ihre Arbeit zur europäischen Integration, Bildung und gesellschaftlichem Dialog gewürdigt wird. Die Preisverleihung findet am 4. Mai 2026 in Berlin in Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission statt. Der Preis Frauen Europas wird in Deutschland seit über 35 Jahren verliehen, um Frauen zu ehren, die sich ehrenamtlich und mit besonderem Einsatz für ein vereintes Europa engagieren.
Aufruf zur Bewerbung: Europäische Freiwilligenhauptstadt 2028
Der Wettbewerb European Volunteering Capital (EV Capital) des europäischen Freiwilligenzentrums (Centre for European Volunteering - CEV) zeichnet Städte aus, die Freiwilligenarbeit sichtbar machen, fördern und in die lokale Politik integrieren. Ziel ist es, die Bedeutung von Engagement für die Gesellschaft hervorzuheben und Best-Practice-Beispiele in Europa zu teilen. Die Bewerbungsphase für die Europäische Freiwilligenhauptstadt 2028 läuft bis zum 6. Juni 2026. Bewertet werden unter anderem die Einbindung von Freiwilligen, innovative Projekte, gesellschaftlicher Einfluss und Nachhaltigkeit. Teil des Auswahlprozesses sind auch Instrumente zur Messung der Wirkung von Freiwilligeninitiativen, um den tatsächlichen Beitrag für die Stadt und ihre Gemeinschaft zu erfassen. Bisherige Gewinnerstädte sind u.a. Mechelen (Belgien) 2025, Maia (Portugal) 2026 und County Clare (Irland) 2027.
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationen
Europakonferenz der Diakonie Deutschland zum Umgang mit Rechtspopulismus in Europa
Nationalistisch und autoritär ausgerichtete Parteien gewinnen in vielen europäischen Ländern an politischem Einfluss und sind teilweise an Regierungen beteiligt. In mehreren Staaten gehen diese Entwicklungen mit Einschränkungen der Zivilgesellschaft sowie einem Abbau rechtsstaatlicher Strukturen einher. Für die Diakonie als Teil der Zivilgesellschaft stellt sich damit verstärkt die Frage, welche Strategien im Umgang mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Akteuren tragfähig sind. Die Europakonferenz der Diakonie Deutschland »Umgang mit Rechtspopulisten in Europa: Erfahrungen und Handlungsansätze« am 7. Mai 2026 in Berlin widmet sich diesen Herausforderungen und nimmt Erfahrungen aus verschiedenen europäischen Ländern in den Blick. Diskutiert werden Ansätze zur Stärkung demokratischer Strukturen sowie mögliche Handlungsoptionen für zivilgesellschaftliche Organisationen und die diakonische Praxis.
Europäische Jugendwoche 2026: »All in for Change«
Vom 24. April bis 1. Mai 2026 findet die Europäische Jugendwoche (EJW) statt, organisiert von der EU-Kommission und dem EU-Parlament, um das Engagement junger Menschen in Europa zu feiern. Auftakt ist eine Veranstaltung im Europäischen Parlament in Brüssel mit über 1.000 Teilnehmenden, gefolgt von Aktivitäten in allen EU-Mitgliedstaaten und Erasmus+-Partnerländern. Unter dem Motto »Solidarität und Fairness« stehen die Säulen aktive Beteiligung, Vertrauen & Transparenz, Momentum und Zugehörigkeit im Mittelpunkt. 2026 wird zudem 30 Jahre EU-Freiwilligendienst gewürdigt. Die EJW zeigt, wie junge Menschen europäische Werte leben, ihr Umfeld gestalten und Verantwortung übernehmen. Ziel ist, Beteiligung sichtbar zu machen, Erfolge zu präsentieren und für EU-Programme wie Erasmus+, DiscoverEU und Europäisches Solidaritätskorps zu sensibilisieren. Jugendorganisationen, Freiwillige und Fachkräfte können eigene Aktivitäten einreichen, von Workshops über kreative Aktionen bis zu digitalen Formaten.
RESILIO-ACCESS-Snapshot-Reihe: Resilienz der Rechtsstaatlichkeit in EU-Beitrittsländern
Wie widerstandsfähig ist die Rechtsstaatlichkeit von EU-Beitrittsländern gegenüber Stressfaktoren? Die RESILIO-ACCESS-Snapshot-Reihe des Instituts für Europäische Politik (IEP) in Berlin liefert kompakte Analysen zur Resilienz der Rechtsstaatlichkeit in Ländern, die einen EU-Beitritt anstreben. Ziel ist es, die Robustheit demokratischer Strukturen zu untersuchen und zu ermitteln, wie die EU-Erweiterungspolitik deren Stärkung fördern kann. Die Snapshots beleuchten dabei zentrale Faktoren für Rechtsstaatlichkeit wie justizielle Unabhängigkeit, Grundrechte, unabhängige Medien und zivilgesellschaftliches Engagement. Zudem bietet die Reihe einen konzeptionellen Rahmen, um Zusammenhänge zwischen Bedrohungen der Rechtsstaatlichkeit und den Ressourcen, die ihre Resilienz stärken, zu analysieren. Die Reihe richtet sich an Forschende, politische Entscheidungsträger*innen und zivilgesellschaftliche Akteure und liefert empirisch fundierte Einblicke in Resilienzfaktoren und bewährte Verfahren in EU-Beitrittsländern. Sie dient als Informations- und Orientierungsquelle, um die Widerstandsfähigkeit demokratischer Systeme effektiv zu bewerten und zu fördern.
Publikation: Lehren aus ukrainischen Kommunen für Deutschland
In der neuen Ausgabe der »MAECENATA OBSERVATORIUM – Analysen, Positionen und Diskurse zu Zivilgesellschaft, Engagement und Philanthropie« (Nr. 90, Januar 2026) wird die Rolle ukrainischer Kommunen im Krieg analysiert. Dabei wird untersucht, wie diese gesellschaftliche Resilienz aufbauen und welche Mechanismen dabei greifen. Die Autorinnen Dr. Oksana Huss, Gastwissenschaftlerin am Forschungszentrum Trustworthy Data Science and Security der Universitätsallianz Ruhr, und Dr. Oleksandra Keudel, außerordentliche Professorin und Vizedekanin an der Kyiv School of Economics sowie Gründungsdirektorin des Zentrums für demokratische Resilienz, zeigen, wie Städte und Gemeinden trotz massiver Angriffe auf die Infrastruktur und Vertreibung zentrale Knotenpunkte gesellschaftlicher Resilienz wurden. Sie organisierten Notunterkünfte, Bildungs- und Sozialangebote und koordinierten Hilfen in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Freiwilligen und lokalen Unternehmen. Eine polyzentral organisierte Governance und die aktive Einbindung nichtstaatlicher Akteure stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ermöglichten pragmatische Lösungen. Dies liefert wertvolle Impulse für Deutschland, Resilienzpolitik stärker auf Kommunen und zivilgesellschaftliche Netzwerke auszurichten und über klassisches Krisenmanagement hinauszudenken.
Weitere Informationen und Publikation
Hinweis
Bitte schicken Sie Ihre Informationen für die nächste Ausgabe der BBE Europa-Nachrichten an europa(at)b-b-e.de Redaktionsschluss ist am 16. April 2026.
Die Beiträge dieses Newsletters geben, sofern nicht ausdrücklich als solche Nachrichten gekennzeichnet, nicht die Meinung des BBE wieder, sondern repräsentieren die Vielstimmigkeit der Meinungen und Akteure im BBE und im Feld der Engagementförderung und -politik. Die Redaktion des Newsletters verfolgt das Ziel, die jeweils aktuellsten und wichtigsten Nachrichten für die Leserschaft zusammenzustellen.
Die PDF-Dokumente der Gastbeiträge im Schwerpunkt des Newsletters werden möglichst barrierearm gestaltet.
Eine Übersicht über die nächsten geplanten Schwerpunkt-Themen finden Sie unter Kommende Ausgaben & Fristen
Redaktion: Dr. Lilian Schwalb (V.i.S.d.P.), Lynn Gogolin-Grünberg und Nino Kavelashvili.
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
– Geschäftsstelle –
Michaelkirchstr. 17-18
10179 Berlin-Mitte
www.b-b-e.de
Geschäftsführung: Dr. Lilian Schwalb
Kontakt: lilian.schwalb[at]b-b-e.de