Gendergerechtigkeit beim Förderpreis »Verein(t) für gute Kita und Schule« der Spendenorganisation Stiftung Bildung

Einleitung

»Ich hab die Schnauze voll von Rosa«, sang Sängerin Suli Puschban ins Mikro auf der Verleihung des Förderpreises der spendenfinanzierten Stiftung Bildung, »Verein(t) für gute Kita und Schule«. Der Förderpreis, der dieses Jahr zum vierten Mal verliehen wurde, widmet sich dem Thema: »Bildung frei von Geschlechterklischees«. Bundesfamilienministerin Dr.in Franziska Giffey und Schirmherrin der Stiftung Bildung, Prof.in Dr.in Gesine Schwan, vergaben am 12. November 2018 den mit drei Mal 5.000 Euro dotierten Förderpreis an drei Preisträger*innen, die Erfolgsgeschichten in ihren Kitas oder Schulen vorzeigen können.

Der Förderpreis der Stiftung Bildung widmet sich jedes Jahr außergewöhnlichen Themen wie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) & Kooperationen, Willkommenskultur & Vielfalt, Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Bildungsengagement der Kita- und Schulfördervereine. Diese Themen zeigen, dass Vielfalt und Diversität bei der Stiftung Bildung großgeschrieben werden. Dies bezieht sich sowohl auf Geschlechtergerechtigkeit wie auch auf Inklusion in der Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Geschlechterklischees schränken ein – etwa bei der Persönlichkeitsentwicklung, der Berufswahl und nicht zuletzt bei der Sicherung eines vielfältigen Lebens. Die nominierten Projekte zeigen: Es geht auch anders!

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Die Preisträger*innen 2018

Die drei Preisträger*innen in alphabetischer Reihenfolge sind:

  • Der Kita-Förderverein Heidemühler-Rasselbande e. V. aus Berlin hat das Jahr des Regenbogens ausgerufen, um Kinder, Eltern und Fachkräfte für menschliche Vielfalt und vielfältige Lebensentwürfe zu sensibilisieren.
    Ziel des inklusiven Projektes ist, den Kindern das Thema Vielfalt spielerisch näher zu bringen und Geschlechterstereotype zu hinterfragen. Dies geschieht mit bunten Bastelaktionen, in der Lernwerkstatt für Naturwissenschaft und Technik, aber auch auf bunten Festen im Stadtteil.
  • Kita-Förderverein Naturkita e. V. Das Projekt »Naturkita« in der gleichnamigen Einrichtung im brandenburgischen Schulzendorf basiert auf einer demokratiefördernden Pädagogik – und hinterfragt Stereotype.
    Mit dem Projekt wollen die Pädagog*innen allen Kindern gleiche Bildungserfahrungen ermöglichen und starre Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit hinterfragen. Waldpädagogische Ansätze sowie eine demokratiefördernde Pädagogik bilden dafür die Grundlage.
  • Schulförderverein Freundeskreis Werner-von-Siemens-Gymnasium e. V. Mit der AG Feminismus, Aufklärung, Gender, Diversity wollen die Schüler*innen des Gymnasiums in Berlin mehr Bewusstsein für Vielfalt schaffen und zu einer offenen Gesprächskultur an ihrer Schule beitragen.
    Jede Woche nehmen mehr als zehn Schüler*innen an der AG teil und bearbeiten ganz verschiedene Themen, zum Beispiel: Gendervielfalt, berufliche Chancengleichheit, die Rolle der Frau im Islam oder häusliche und sexuelle Gewalt. Dabei werden die Themen kreativ aufbereitet, um sie für andere Schüler*innen sichtbar zu machen.

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Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Geschlechterzuschreibungen ist von zentraler Bedeutung

Die Bandbreite der nominierten Projekte war groß und sie zeigt, dass ein Bewusstsein und Umdenken in einigen Kitas und Schulen stattfindet.

Und das ist wichtig, denn gesellschaftlich fest verankerte Geschlechterstereotype prägen von früher Kindheit an trennende Vorstellungen von »Weiblichkeit« und »Männlichkeit« und haben maßgeblichen Einfluss auf Berufsvorstellungen und Lebensplanung von Mädchen und Jungen. Dies hat auf drei Ebenen Auswirkungen:

  • Gesellschaftlich: Eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl hat eine eigenständige Existenzsicherung über den gesamten Lebensverlauf im Blick und ermöglicht Frauen und Männern eine gleichberechtigte gesellschaftliche Partizipation.
  • Individuell: Die berufliche Selbstverwirklichung ist ein wesentlicher Aspekt persönlicher Zufriedenheit und Lebensqualität. Geschlechterklischees schränken die freie Entfaltung der Persönlichkeit ein.
  • Wirtschaftlich: Eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft ist darauf angewiesen, dass alle jungen Menschen ihre Fähigkeiten unter Berücksichtigung ihrer Lebensentwürfe bestmöglich realisieren. Dadurch werden die gesamtwirtschaftlichen Wachstumspotenziale genutzt und es wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs geleistet.

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Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, frühzeitig mit der kritischen Auseinandersetzung von Geschlechterzuschreibungen und -erwartungen zu beginnen und Kinder und Jugendliche zu ermutigen, ihren individuellen Neigungen, Fähigkeiten und Talenten zu folgen – frei von Geschlechterklischees. Das haben die 18 nominierten Kita- und Schulfördervereine umgesetzt.

Oft werden gerade diese Themen von Kita- und Schulfördervereinen angestoßen und umgesetzt. Sie können sich bei der Stiftung Bildung für Finanzierung oder auch andere Unterstützung wie zum Beispiel Programme bewerben.

Der Förderpreis wird in Kooperation mit den bundesweiten Projekten Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag und Boys’Day – Jungen-Zukunftstag und der Initiative Klischeefrei sowie dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. vergeben. Der Girls’Day und der Boys’Day werden gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und unterstützen die Nationalen Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees. Hier zeigt es sich, dass Politik große Auswirkungen auf gesellschaftliche Themen haben kann.

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Praktisches Erleben und Spielen mit Geschlechterklischees sollte im Vordergrund stehen

Schüler*innen haben in ihrer Entwicklung schon vielfältige Erfahrungen mit dem Thema »Geschlechterklischees« gemacht und machen tagtäglich Neue. Sie wissen, dass das Thema keine reine Theorie, sondern in ihrem Alltag von ganz praktischer Relevanz ist.

Dennoch wird es in der Regel nicht thematisiert und bewusst reflektiert. Dabei sind Geschlechterfragen gerade für eine demokratische Gesellschaft von großer Bedeutung, da sie gesellschaftliche Teilhabe und individuelle Selbstverwirklichung umfassen.

Kinder und Jugendliche sollten aus diesem Grunde ganz bewusst mit dem Thema in Kontakt kommen. Dabei sollte weniger eine theoretische Fundierung, als vielmehr das praktische Erleben und Spielen mit Geschlechterklischees im Vordergrund stehen. Kurzfristige Angebote können zu einer ersten, bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema beitragen, längerfristige Maßnahmen können helfen, flexiblere Geschlechtervorstellungen nachhaltig im Bewusstsein zu verankern. Und daher dürfen Jungs und Mädchen lauthals »ich hab die Schnauze voll von Rosa« singen.

Mehr Informationen zur Stiftung Bildung und dem Förderpreis Verein(t) für gute Kita und Schule finden sie hier: https://www.stiftungbildung.com/foerderpreis/

Der Initiative »Klischee-frei« (https://www.klischee-frei.de/) können sich alle Organisationen und Firmen anschließen.

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Beitrag im Newsletter Nr. 23 vom 15.11.2018

Für den Inhalt sind die Autor*innen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autorin

Katja Hintze, M.A. phil., ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Bildung, einer Spendenorganisation, die dem zivilgesellschaftlichen Bildungsengagement bundesweit eine Stimme gibt, sich für Partizipation und Vielfalt in der Bildung einsetzt und insbesondere die Kita- und Schulfördervereine stärkt. Sie hat Philosophie, Kommunikationswissenschaften, Publizistik und Wirtschaftsethik studiert und als Kooperationsmanagerin in der freien Wirtschaft gearbeitet.

Kontakt: katja.hintze(at)stiftungbildung.com 

Weitere Informationen: https://www.stiftungbildung.com/ 

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