Gute Arbeit der Zukunft: Mensch oder Maschine? Mensch und Maschine!

Die vierte Revolution

Den Betrieben stehen große technologische Veränderungen bevor. Bekannt unter dem Schlagwort Industrie 4.0 lässt die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung Maschinen und Werkstücke miteinander kommunizieren. Diese Neuerungen haben das Potenzial, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Fabriken der Zukunft könnten so aussehen: Im Automobilwerk fahren die Chassis mit eingebautem Elektromotor automatisch und lautlos von einer Montage-Station zur nächsten, ein Förderband gibt es nicht mehr. Roboter bewegen sich zwischen Menschen und Produkten frei hin und her, feine Sensoren in den Maschinen vermeiden Kollisionen, etwa mit dem Kollegen aus Fleisch und Blut. Produkte werden ganz individuell nach Kundenwunsch produziert, auch in kleinen Stückzahlen, und der Roboter hat alle Daten automatisch zur Verfügung. Alle Bauteile sind mit Chips oder Codes ausgestattet, die Roboter erkennen daran, wo welches Teil eingebaut werden muss. Maschinen und Roboter kommunizieren also intelligent miteinander, die Produktion wird getrieben von einem dichten Geflecht aus hin- und herströmenden Daten. Und wo bleibt der Mensch?

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Willkommen in der Fabrik der Zukunft. Es ist eine Fabrik, in der die digitale Technik die Regie übernommen hat. Industrie 4.0 ist das Stichwort. Die Vier steht für die vierte industrielle Revolution, womit verdeutlicht werden soll, wie gravierend sich die Prozesse zur Herstellung von Gütern verändern. Gemeint ist vor allem die Digitalisierung der Produktion, sodass alle Arbeitsabläufe und Prozesse auch virtuell abgebildet sind – und sogar von einem anderen Ort auf der Welt verfolgt und gesteuert werden können. Letztlich betrifft die Entwicklung die gesamte Wirtschaft und damit alle Beschäftigten, egal ob in der Industrie, im Handwerk oder in den Büros. Die erste industrielle Revolution hielt mit der Erfindung der Dampfmaschine Einzug. In der zweiten kamen der elektrische Strom dazu und die Einführung des Fließbandes. Die dritte Revolution schließlich geschah durch die Computerisierung. Plötzlich konnte die Produktion durch Computerprogramme gesteuert und automatisiert werden. Nun also die vierte Revolution: Die einzelnen Roboter und Maschinen kommunizieren intelligent miteinander. Viele Tätigkeiten, die früher Menschen übernommen haben, können damit künftig automatisiert werden. 

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Natürlich weckt das auch Ängste, denn Arbeitsplätze werden sich verändern, einige könnten wegfallen. Niemand kann die Entwicklung genau vorhersehen. Zugleich könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen, weil die Unternehmen zukunftsträchtige Produkte bauen, die neue Abnehmer finden.

Tatsache ist: Die Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen. Ebenso wenig, wie sich die Dampfmaschine, das Fließband und der Computer aufhalten ließen. Für die Beschäftigten kann sogar Gutes entstehen: Schwere, körperlich belastende Arbeiten fallen weg, die Maschine entlastet den Menschen. Letztlich würde niemand heutzutage noch einen Straßengraben mit der Schaufel ausheben wollen. Dazu gibt es Bagger.

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Mit Engagement für eine gute Arbeit der Zukunft

Es kommt nun darauf an, die Entwicklung zu gestalten. Denn ohne Beteiligung von Gewerkschaft und Betriebsräten wird die nächste industrielle Revolution ein reines Rationalisierungsprojekt der Unternehmen. Wenn aber die Produktion effizienter wird, dann sollen von diesen Effizienzgewinnen alle profitieren – nicht nur die Arbeitgeber. Das war schon immer die Aufgabe einer Gewerkschaft, und diese Aufgabe wird die IG Metall auch in einer digitalisierten Arbeitswelt erfüllen.

Die IG Metall sorgt also gemeinsam mit den Betriebsräten dafür, dass die Beschäftigten bei dem Prozess der Digitalisierung nicht abgehängt werden. Weiterbildung ist dabei eine wesentliche Voraussetzung – die Menschen in den Betrieben müssen für die neue Arbeit vorbereitet sein.

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Weiterbildung ist das A und O

Leider wird Weiterbildung in den Betrieben oft stiefmütterlich behandelt. Viele kennen das aus eigener Erfahrung: Wichtig ist, dass die Arbeit gemacht wird und der Laden irgendwie läuft. Von Tag zu Tag. Für den Blick nach vorne fehlt es da oft an Verständnis oder an Zeit. Wer sich für die Aufgaben der Zukunft weiterbilden will, wird schräg angeschaut, stößt auf sichtbare und unsichtbare Mauern. So wie Arbeit heute organisiert ist, hält sie die Menschen systematisch vom Lernen fern und Personalentwicklung ist in vielen Betrieben ein Fremdwort.

Die IG Metall hat auf dieses Problem reagiert: In der Metall- und Elektroindustrie hat sie zum Beispiel per Tarifvertrag Nägel mit Köpfen beim Thema Weiterbildung gemacht – gegen den Widerstand der Arbeitgeber. Beschäftigte haben jetzt einen Anspruch auf Bildungsteilzeit. Sie können sich sogar bis zu fünf Jahre für ein Studium oder eine neue Ausbildung freistellen lassen und verlieren ihren Arbeitsplatz nicht. Das Interesse unter den Beschäftigten ist groß.

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Transformation gestalten

Die Wirtschaft und damit unser Arbeitsleben verändern sich rasant: Die Globalisierung und neue Wertschöpfungsketten, Klima- und Umwelterfordernisse und -regulationen, die Digitalisierung von Produkten und Prozessen, der demographische Wandel und eine vielfältiger werdende Gesellschaft verlangen Antworten, die über die Schlagzeilen des nächsten Tages hinausreichen müssen. Dazu gehört es, Ideen zu entwickeln, die die Menschen mitnehmen und ihnen Perspektiven gibt, damit keine/r unter die Räder kommt. Es geht um Visionen für gute Arbeit und ein gutes Leben in einer digitalen, gerechten und nachhaltigen Gesellschaft.

Arbeit ist ein zentraler Teil unseres Lebens. Die IG Metall ist eine Beteiligungsgewerkschaft. Wir beziehen unsere Mitglieder und ehrenamtlich Aktiven mit ein. Die Menschen wollen an wichtigen Entscheidungen beteiligt werden – in der Politik, in den Unternehmen und in Organisationen. Sie wollen nicht, dass stellvertretend für sie entschieden wird. Doch jeder Beteiligungsprozess braucht Aktive. Ohne freiwilliges und ehrenamtliches Engagement könnten wir nur wenig bewegen.

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Gemeinsam geht es besser

Mehr als 2,265 Millionen Menschen organisieren sich in der IG Metall. 53.000 Betriebsratsmitglieder, 50.000 Vertrauensleute, 2.200 Schwerbehindertenvertreter/innen, mehr als 8.000 Jugend- und Auszubildendenvertreter/innen in 11.500 Betrieben aus 30 Branchen, rund 600 Eurobetriebsräte: Gemeinsam mit ihnen setzen wir uns ein für gute Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung, berufliche Perspektiven, sichere Arbeitsplätze, Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb.

Die Digitalisierung wird neue Arbeitsformen hervorbringen, und sie wird große Veränderungen am Arbeitsplatz anstoßen – ganz gleich ob in der Produktion, im Handwerk oder in den Büros. Hier müssen sich Betriebsräte früh in den Prozess einschalten, etwa, um die Auswirkungen auf den konkreten, einzelnen Arbeitsplatz abschätzen zu können.

Viele Metallerinnen und Metaller engagieren sich mit hoher Verantwortung auch außerhalb des Betriebes, z. B. als ehrenamtliche Richter/innen an den Arbeits- und Sozialgerichten, als Versichertenberater/innen und Versichertenälteste in der Deutschen Rentenversicherung, in Widerspruchsausschüssen der Krankenkassen, als Prüfer/innen in Berufsbildungsausschüssen, in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit oder im Rahmen unserer außerbetrieblichen Gewerkschaftsarbeit.

Die 155 Geschäftsstellen der IG Metall sind die Anlaufstellen in der Region für alle Metallerinnen und Metaller, die sich engagieren wollen. Und hier beginnt jeder Weg von einer politischen Idee über die Entscheidung bis zur Durchsetzung im Betrieb und in der Politik.

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Beitrag im Newsletter Nr. 12 vom 14.6.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autor

IG Metall Vorstand

Kontakt über Jens-Jean Berger: Jens-Jean.Berger(at)igmetall.de

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