Zukunftsinvestition: Entwicklung jungen Engagements im Sport!

Einleitung

Menschen engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das ist gut und richtig so! Gleichwohl zeigen verschiedene Studien – nicht zuletzt der aktuelle Freiwilligensurvey –, dass die meisten Menschen sich im Bereich Sport und Bewegung engagieren; mit Abstand – rund ein Zehntel der Bevölkerung ab 14 Jahre entscheidet sich bewusst für ein Engagement im Sportverein oder -verband. Und doch kann dies kein Signal an den Sport sein, sich zurückzulehnen. Trotz der Größe und damit einhergehenden Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben ist über die vergangenen Jahre ein kontinuierlicher Rückgang des Engagements im Sport zu verzeichnen. Vorstandspositionen können nicht besetzt werden, Nachfolgefragen bleiben unbeantwortet, Vereine zahlen Strafen, da sie die geforderten Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen nicht benennen können und und und. Insbesondere langfristige Engagements in Leitungs- und Führungspositionen im Sport stoßen auf (zu) wenig Interesse.

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Sportvereine und -verbände stehen vor großen Herausforderungen, ihren Betrieb am Laufen zu halten. Ein Konstrukt, das im Wesentlichen auf ehrenamtlichen Strukturen beruht, wird fragil, wenn die Basis den Weg zum Engagement nicht mehr findet. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, die Anforderungen der Arbeitswelt, neue Familienmodelle, Mehrfachbeschäftigungen zehren am begrenzten Zeitbudget. Diese objektiven und bei Prof. Dr. Stefan Braun nachlesbaren Feststellungen sollen sich jedoch nicht in einem Jammern erschöpfen. Es zeigt sich auf der anderen Seite auch, dass unter den bislang nicht Engagierten, die im Sport aktiv sind, ein hohes Potenzial schlummert, Aufgaben auf freiwilliger Basis übernehmen zu wollen. Es muss gelingen, diese Zielgruppe für ein Engagement im Sport zu begeistern. Daneben sollte als weitere Zielgruppe an junge Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen gedacht werden. Diese Gruppe findet sich vielfach in den Sportvereinen wieder, allein für ein verantwortungsvolles Engagement stehen sie viel zu wenig im Fokus. Gerade junge Menschen sollten frühzeitig an ein Engagement im Sport herangeführt werden, da dies die Gewähr dafür bietet, dass ein lebenslanges – zumindest in Abschnitten – Engagement eingeübt wird und nachhaltig Bestand hat. Für die Sportverbände stellt sich nun die Aufgabe, Anreizmodelle für ein engagiertes Leben im Sport zu schaffen. Verschiedene Ansätze und Programme sollen im Folgenden vorgestellt werden.

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Förderprogramm ZI:EL+

Seit 1. Januar 2016 knüpft das bundesweite KJP-Förderprogramm ZI:EL+ »Zukunftsinvestition: Entwicklung jungen Engagements im Sport!« an das Förderprogramm ZI:EL (2013-2015) an. Der Kerngedanke des Förderprogramms ist die Förderung von jungem Engagement für und mit jungen Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen zu den Strukturen des Sports. Im Rahmen dieser Zielsetzung sollen neue Engagementbereiche erschlossen und Engagementformate (weiter-)entwickelt werden. Daher sollen insbesondere modellhafte Maßnahmen durchgeführt werden, die die Bereiche der Inklusion, der Integration und die Förderung von bildungsbenachteiligten jungen Menschen betreffen. Die Zielgruppen des Förderprogramms ZI:EL+ sind dementsprechend junge Menschen mit Behinderung, Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung und Fluchterfahrung.

Unsere Gesellschaft ist vielfältig und darin sehe ich ein großes Potenzial. Gerade der Sport ist optimal, um Kinder und Jugendliche vielfältig zu fördern und gemeinsames Engagement anzuregen. Dabei können alle voneinander und miteinander lernen, unabhängig von ihrer Herkunft, dem Einkommen ihrer Eltern oder einer Beeinträchtigung.

Im Jahr 2017 waren am Förderprogramm ZI:EL+ 43 Mitgliedsorganisationen beteiligt. Neben Maßnahmen wie Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Werkstätten und Qualifizierungsreihen, wurden im letzten Jahr Camps, Infoveranstaltungen, Foren, Konferenzen, Workshops, Freizeiten und Seminare mit verschiedenen Themen und Schwerpunkten umgesetzt und darüber hinaus vielfältige Publikationen, Flyer, Plakate und Filme veröffentlicht. In den 84 Maßnahmen konnten 7.119 Engagierte erreicht werden, wovon 5.802 unter 27 Jahren waren.

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Kinderturnen für alle

Beispielhaft hat die Deutsche Turnerjugend in ihrer Maßnahme »Kinderturnen für alle« vielfältige Maßnahmen für und mit jungen Menschen mit Behinderung umgesetzt. Ziel war es, Übungsleiter/innen dabei zu unterstützen, allen Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, ihres sozialen Status oder eventuellen Beeinträchtigungen, die Teilhabe an Kinderturn-Angeboten zu ermöglichen. Im Rahmen des Projekts wurde diesbezüglich ein Leitfaden für Verbände und Vereine zur Bewusstseinsschaffung für eine Bewegungsförderung aller Kinder erarbeitet. Ziel des Leitfadens ist es, den Multiplikator/innen eine Hilfestellung im Umgang mit Kindern mit Behinderung und in der Planung und Umsetzung einer inklusiven sowie integrativen Turnstunde zu geben. So sollen auch neue und unerfahrene Übungsleiter/innen angesprochen und motiviert werden im Bereich Inklusion aktiv zu werden.

Des Weiteren entwickelte die Deutsche Turnerjugend gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung das »Kinderturn-Abzeichen für Alle«. Ein Schwerpunkt dieser Maßnahme war die Neukonzeption eines Bewertungssystems, welches sowohl für das Sportabzeichen, die Bundesjugendspiele und die Abnahme in Schulen und Vereinen ihre Gültigkeit haben soll. Die Übungen sollten so ausgearbeitet werden, dass sich auch neue und unerfahrene Übungsleiter/innen nicht scheuen diese mit Kindern mit Unterstützungsbedarf durchzuführen. Es sollen Hemmungen der Übungsleiter/innen abgebaut und ihnen ein Engagement leichter gemacht werden. Ein weiterer Schwerpunkt war die Erarbeitung von ausreichend Hinweisen und Tipps für die Übungsleiter/innen, wie diese die Übungen mit minimalem Aufwand für alle Kinder zugänglich machen können.

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E-Learning in der Engagementförderung

Die Deutsche Basketballjugend hat drüber hinaus in ihrem Projekt »Teamplayer gesucht: Engagier Dich!« einen E-Learning Kurs speziell für die Engagementförderung von jungen Engagierten mit erschwerten Zugangsbedingungen entwickelt. Vereinen und Verbänden sowie anderen Interessierten ist es nun möglich, sich für die vielfältigen Themenbereiche rund um das Thema Engagement, wie zum Beispiel die Gewinnung, Einarbeitung und Anerkennung, unabhängig von Ort und Uhrzeit zu qualifizieren.

Aufgebaut ist der Kurs anhand der zehn Schritte des Lebenszyklus zur »Förderung von ehrenamtlichem Engagement im Sportverein« des Deutschen Olympischen Sportbundes. Der modulare Aufbau erlaubt einen themenspezifischen Fokus auf einzelne Schritte und kann somit Interessierte auch bei der Bearbeitung von einzelnen Schwerpunkten unterstützen. Zusätzlich zu den zehn Schritten gibt es einen Themenbereich zum »Jungen Engagement«. Hier steht die Gewinnung und Begleitung von jungen Engagierten aus sozial benachteiligten Zielgruppen im Mittelpunkt. Ziel des E-Learning Portals ist es, Vereinsvertreter/innen für den hohen Stellenwert einer strukturierten Engagementförderung zu sensibilisieren und sie für den Aufbau zukunftsfähiger Strukturen zu qualifizieren.

Neben den Inhalten des Beratungsordners bietet das E-Learning Portal kurze Videos, die einen Überblick über die einzelnen Schritte geben und auf vermeintliche Herausforderungen sowie Umsetzungsmöglichkeiten hinweisen. Zudem gibt es zu jedem Schritt eine Lernprobe – bestehend aus Multiple-Choice-Fragen – bei der das bereits erarbeitete Wissen getestet werden kann.

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Juleica für alle

Des Weiteren hat die Saarländische Sportjugend im vergangenen Jahr in ihrer Qualifizierungsmaßnahme »Juleica für alle« eine Gruppenhelferausbildung für junge Geflüchtete angeboten. Die beiden Juleica-Module »Pädagogische und psychologische Grundlagen« sowie »Spiel- und Sportpädagogik« wurden zielgruppengerecht aufbereitet und miteinander verknüpft, so dass ein zweitägiges Seminar mit aufeinander aufbauenden Inhalten entstanden ist. Gesamtziel dieser Maßnahme, die auch im laufenden Jahr fortgeführt wird, ist es, die Jugendlichen durch verschiedenste niederschwellige Projekte und Veranstaltungen für ein Ehrenamt im Sport nachhaltig zu begeistern. Methodisch liegt der Schwerpunkt auf erlebnispädagogischen Maßnahmen, die durch ein hohes Maß an Partizipation gekennzeichnet sind. Insbesondere sollen die Teilnehmer/innen eigene Gruppenregeln aufstellen und in den erlebnispädagogischen Übungen gemeinsam eigene Lösungen finden. Bei der Einführung theoretischer Inhalte wurden Methoden gewählt, die stark das vorhandene Wissen der Teilnehmer/innen aktivieren, im Dialog ergänzen und gleichzeitig einen Praxisbezug herstellten. Bei der Reflexion der Inhalte soll zudem ein Alltagstransfer angeregt werden.

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Frankfurter Modell zur Engagementförderung

Das Frankfurter Modell zur Engagementförderung bietet für die Umsetzung der Maßnahmen im Förderprogramm ZI:EL+ sowie für weiter Projekte für und mit jungen Engagierten hilfreiche Informationen. Es beschreibt förderliche Rahmenbedingungen für kinder- und jugendgerechte Engagementförderung im Sport. An der Arbeitshilfe können sich Sportorganisationen orientieren, um ihr eigenes Vorgehen zu reflektieren und eigene Strategien weiterzuentwickeln. In den »Eckpunkten für eine engagementfreundliche Organisationskultur« werden die Rahmenbedingungen beschrieben, die die Förderung von jungem Engagement in den Vereinen und Verbänden positiv beeinflussen können. Außerdem werden die verschiedenen Phasen für eine gezielte Gewinnung, Bindung und Qualifizierung junger Menschen detailliert dargestellt. Die Broschüre und das Plakat zum Frankfurter Modell zur Engagementförderung finden Sie als Download unter: www.dsj.de/publikationen.

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Die Zukunft unserer Sportvereine und -verbände wird davon abhängen, inwiefern es uns gelingt, junge Menschen zum Mitgestalten und zur Übernahme von Verantwortung im Sport zu motivieren. Es braucht dafür auch innovative Ansätze. Einige wurden soeben vorgestellt. Es handelt sich jedoch um eine kontinuierliche Aufgabe, deren Vollendung nicht absehbar ist. Dafür bedarf es auch angemessener staatlicher Unterstützung, denn aus sich heraus kann der gemeinnützige organisierte Sport nicht die Kraft aufbringen, die notwendig wäre, um immer wieder neue Ansätze zur Förderung des Engagements zu entwickeln und sich an gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen. Das Programm ZIEL+ läuft am 31.12.2018 aus. Das Arbeitsfeld und die Herausforderungen bleiben bestehen. Wir brauchen eine Verstetigung!

Weitere Informationen und Berichte zum Förderprogramm ZI:EL+ finden Sie unter www.dsj.de/ziel und #ZIELplus.

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Beitrag im Newsletter Nr. 11 vom 7.6.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autor

Jan Holze, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend.

Kontakt über Janine Straub, Referentin für das Förderprogramm ZI:EL+: j.straub(at)dsj.de

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