Newsletter Nr. 24 vom 26.11.2009

Was bedeutet Wohlfahrtsmix?

Für unser Wohlergehen nehmen wir Leistungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen in Anspruch. Staat, Markt, Familie und bürgerschaftliches Engagement erbringen jeweils besondere Beiträge für die Wohlfahrt des Einzelnen und der Gemeinschaft. Thomas Olk, Vorsitzender des Sprecherrats des BBE, hat als Wissenschaftler schon vor einigen Jahren den Begriff des Wohlfahrtsmix geprägt. Auf der Consozial in Nürnberg, der Fachmesse für den sozialen Bereich, hat er in einem Einleitungsreferat dargestellt, was es mit diesem Begriff auf sich hat und warum der Beitrag des bürgerschaftlichen Engagements in diesem Mix so wichtig ist. Olk stellt das Zusammenwirken der unterschiedlichen Bereiche an konkreten Fällen aus der kommunalen Praxis vor. Damit wird schnell klar, dass ein Gewinn nur dann entsteht, wenn alle Bereiche zusammenwirken.

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Der Beitrag der Unternehmen im Wohlfahrtsmix

Im Wohlfahrtsmix ist auch der Beitrag der Unternehmen erforderlich. Davon ist Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), überzeugt. Clever legt in seinem Beitrag, der eine Reaktion auf das Einleitungsreferat von Thomas Olk ist, klar, dass der Beitrag von Unternehmen ein freiwilliger bleiben muss. Viele Unternehmen würden zudem auch wissen, dass ein Beitrag von ihnen zum Wohlfahrtsmix erforderlich ist, weil sie auf eine funktionierende Gesellschaft und auf ein demokratisches Gemeinwesen angewiesen sind. Es bestünde allerdings immer auch die Gefahr, dass der Beitrag der Unternehmen, beispielsweise im Bereich der Ausbildung, dazu herhalten muss, die Defizite staatlicher Bildungs- und Ausbildungssysteme zu kompensieren.

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Bürgerengagement im Wohlfahrtsmix

Mit dem Beitrag des Bürgerengagements zu Wohlfahrtsmix beschäftigt sich Konrad Hummel, wissenschaftlicher Referent beim Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw). Bürgerengagement speise sich zwar aus ganz anderen Werten als der staatliche und wirtschaftliche Bereich, habe aber einen unersetzlichen Wert in der Daseinsvorsorge. Hummel schlägt in seinem Beitrag für den besonderen Wert und die Rolle des Bürgerengagements im Wohlfahrtsmix das Modell des Paten vor. Paten bewegen sich an den Schnittstellen der verschiedenen Bereiche und können die Bereiche und ihre unterschiedlichen Logiken gut miteinander verknüpfen. Paten können helfen, Brücken zu bauen, und fungieren als Botschafter. Die Mentorenschaft ist ein anderer Begriff dafür, immer aber geht es um gelingende Kooperation.

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Freiwilligendienste aller Generationen

Die Freiwilligendienste aller Generationen können einen wertvollen Beitrag für den Wohlfahrtsmix liefern, weil sie Brücken schlagen. Kornelia Folk, Referentin für diese Freiwilligendienste im Familienministerium, stellt in ihrem Beitrag die Rolle der Freiwilligendienste aller Generation im kommunalen Raum dar. Den Kommunen kommt nach Folk eine besondere Bedeutung zu, weil sie »Drehscheibe« für bürgerschaftliches Engagement und für alle Fragen der Daseinsvorsorge sind. Mit den Freiwilligendiensten aller Generationen sollen die kommunalen Vernetzungsstrukturen unterstützt und die Zusammenarbeit der Bereiche verbessert werden. Beim Freiwilligendienst aller Generationen habe der Bund versucht, die kommunalen Strukturen zu unterstützen und großen Wert auf eine enge Abstimmung mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden gelegt.

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Lissabon-Vertrag: Europäische Bürgerinitiative

Mit dem neuen Vertrag von Lissabon, der am 1. Dezember 2009 in Kraft tritt, wird auch das Institut der Europäischen Bürgerinitiative eingeführt. Zukünftig können eine Million Unionsbürgerinnen und Unionsbürger aus einer gewissen Zahl von Mitgliedsstaaten die Europäische Kommission auffordern, von ihrem legislativen Initiativrecht Gebrauch zu machen. Um die diesbezügliche Vorgabe des Lissabon-Vertrages möglichst bald umzusetzen, hat die Kommission in der letzten Woche ein Grünbuch zur Europäischen Bürgerinitiative veröffentlicht. Die organisierte Zivilgesellschaft und alle interessierten Personen sind aufgerufen, sich an den Konsultationen zu beteiligen und eine Stellungnahme abzugeben. Zu einem ersten Treffen haben das Netzwerk Europäische Bürgerinitiative Deutschland (EBD) und die Vertretung der Europäischen Kommission die zivilgesellschaftlichen Organisationen nach Berlin eingeladen, um mit ihnen die Inhalte des Grünbuchs zu diskutieren.

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Extreme Rechte immer noch eine größere Gefahr

Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag ein »Extremismusbekämpfungsprogramm« angekündigt. Das Programm soll sich gleichermaßen gegen linken und rechten Extremismus sowie gegen Islamismus richten. Gegen dieses Vorhaben wendet sich eine Reihe von Extremismusforschern in einer öffentlichen Stellungnahme. Sie kritisieren darin das Vorhaben der schwarz-gelben Koalition, den seit den 1990er Jahren bestehenden Konsens, die Ausbreitung von Rechtsextremismus zu verhindern und Demokratie zu stärken, aufzukündigen. Die empirische Forschung würde zeigen, dass die im Koalitionsvertrag angebotene Gefahrendiagnose nicht auf alle drei Extremismen gleichermaßen zutrifft. Antidemokratische Tendenzen und fremdenfeindliche Orientierungen würden sich nach wie vor stark bei der extremen Rechten finden.

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NABU fordert Ausbau der Freiwilligendienste

Die Delegierten der NABU-Bundesvertreterversammlung verabschiedeten auf ihrer Sitzung am 8. November 2009 eine Resolution zum weiteren Ausbau der Freiwilligendienste. Mit der Verkürzung der Wehrdienstdauer werden viele Zivildienstplätze im Natur- und Umweltschutz wegfallen, weil der Einsatz in diesem Bereich oft eine Ausbildung verlangt und an gewisse Rhythmen (z. B. Brutzeiten, Vegetationsperiode) gebunden ist. Der NABU fordert daher, dass wegfallende Zivildienstplätze im Natur- und Umweltschutz in Plätze des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) umgewandelt werden. Die beim Zivil- und Wehrdienst eingesparten Haushaltsmittel müssen zugunsten der Freiwilligendienste umgeschichtet werden. Wichtig dabei sei, keine Dienstpflicht einzuführen, sondern den Weg des freiwilligen gemeinnützigen Engagements zu gehen.

 
Weitere Informationen zu Zivildienststellen, FÖJ, Praktikas beim NABU unter
www.nabu.de/downloads/Zivi_FOEJ_Praktika_Juni_2009.pdf

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Bürgergesellschaft 2.0

Der Arbeitskreis Bürgergesellschaft und aktivierender Staat der Friedrich Ebert Stiftung beschäftige sich auf seiner 35. Sitzung mit dem Thema »Bürgergesellschaft 2.0 – vernetzt und engagiert« und dem »Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland«, den das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) vorgelegt hat. Das Protokoll der Sitzung ist nun erhältlich. Der erste Teil des Protokolls enthält eine Zusammenfassung des Vortrags von Brigitte Raiser von Nonprofit-vernetzt.de und fasst die sich daran anschließende Diskussion um die demokratiepolitischen Chancen von sozialen Netzen im Internet (Web 2.0) zusammen. Im zweiten Teil des Protokolls wird der Bericht des WZB und ein Kommentar dazu vorgestellt. Das Protokoll enthält auch die sich an diesen Tagesordnungspunkt anschließende Diskussion.

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Beschlüsse der Mitgliederversammlung

Am 20. November fand in Berlin die 10. Mitgliederversammlung des BBE statt. Der Geschäftsführer, Dr. Ansgar Klein, gibt in seinem Bericht einen Überblick über die wichtigsten Diskussionspunkte, die Beschlüsse und die Termine für das Jahr 2010. In der generellen Aussprache über das vergangene Jahr gab es zahlreiche Wortmeldungen zur künftigen Arbeit und zum Selbstverständnis des BBE. In diesem Rahmen wurde der Sprecherrat beauftragt, mit der Bundesregierung das weitere Vorgehen zum Nationalen Forum für Engagement und Partizipation zu verhandeln und darauf zu achten, dass bei der Strukturplanung des Forums keine Konkurrenzsituation zum BBE entsteht. In weiteren Tagesordnungspunkten der Mitgliederversammlung wurden 21 neue Mitglieder in das BBE aufgenommen und die Mitglieder des neuen Koordinierungsausschusses gewählt.

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BBE-MV hat zehn Arbeitsgruppen eingesetzt

Die acht Arbeitsgruppen des BBE haben zur Mitgliederversammlung letzte Woche ihre Berichte vorgelegt. Die Mitgliederversammlung hat die bisherigen acht Arbeitsgruppen wieder eingesetzt. Darüber hinaus sind die ad hoc-Gruppen »Finanzen« und »Engagement und Partizipation in Europa« in reguläre Arbeitsgruppen ungewandelt worden. Die Einsetzung einer Arbeitsgruppe Europa geschieht auch vor dem Hintergrund des 2011 stattfindenden »Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft« und des Bestrebens des BBE, das nationale Begleitprogramm zu organisieren. Die AG Finanzen soll die Gremien beraten bei der Schaffung von Voraussetzungen für eine Eigenträgerschaft der BBE-Geschäftsstelle ab 2011 und bei Wegen und Formen für die Steigerung von Spenden und Eigenmitteln des BBE. Die Arbeitsgruppen werden sich bis Februar nächsten Jahres konstituieren. Die Sprecherinnen bzw. Sprecher jeder AG sind zugleich Mitglied im BBE-Koordinierungsausschuss.

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Wahl zum Koordinierungsausschuss des BBE

Bei der Mitgliederversammlung des BBE wurde der Koordinierungsausschuss neu gewählt. Der Ausschuss hat 40 Mitglieder. 15 Mitgliedsorganisationen sind laut Satzung gesetzt. Zehn von den 40 Plätzen stehen den Sprecher/innen der neu oder wieder eingesetzten Arbeitsgruppen zu. Frei Gewählt wurden vier Mitglieder aus dem Kreis der kooperierenden Mitglieder und elf Mitglieder aus dem Kreis der stimmberechtigten Mitglieder. Der neue Koordinierungsausschuss wird sich am 26.2.2010 zu seiner ersten Sitzung konstituieren und dann auch einen neuen Sprecherrat aus seiner Mitte heraus wählen.

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Civil Academy: Praktikumsstelle zu besetzen

Die Civil Academy sucht einen Praktikanten oder eine Praktikantin für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement. Das Praktikum dauert sechs Monate. Bewerbungsschluss ist der 13.12.2009, und losgehen soll es am 1. Februar 2010.

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Verleihung des Deutschen Engagementpreises

Am 5. Dezember, dem Tag des Ehrenamts, werden die Gewinner des Deutschen Engagementpreises 2009 in fünf Wettbewerbskategorien im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin bekannt gegeben. Die Moderation wird Alfred Biolek übernehmen. Rund 2.200 Personen und Projekte wurden dieses Jahr für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen. Eine prominent besetzte Jury hat bereits Ende September vier herausragende Projekte aus den Bereichen Politik & Verwaltung, Wirtschaft, Dritter Sektor und Einzelperson ausgewählt. Der Engagementpreis wird im Rahmen der Kampagne »Geben gibt.« vergeben, um freiwillig engagierte Menschen und ihre Projekte stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Die Auszeichnung der Gewinner wird durch Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorgenommen.

Weitere Informationen unter
www.geben-gibt.de

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Kommunikationsplattform eröffnet

UPJ und Telefonica O2 Germany haben eine gemeinsame Diskussionsplattform gegründet, mit der eine Online-Debatte initiiert werden soll. Zentrale Frage ist: »Welchen Einfluss hat die moderne Telekommunikation auf die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderung?« Die modernen Telekommunikationsformen sind zwar nicht auf diese Gruppe hin ausgelegt, ermöglichen den Menschen mit Behinderung aber besser zu kommunizieren. Die Diskussion auf diskutiere.de läuft noch bis zum 31. Dezember 2009. Die Beiträge werden von UPJ ausgewertet und O2 ist sehr an den Anforderungen, Wünschen und Problemen von Menschen mit Behinderung interessiert, um die Kommunikationsmedien zu verbessern.

Online-Diskussion unter
www.diskutiere.de

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Die Bürgerkommune als Gesellschaftsspiel

Das Freiburger Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) hat das Spiel Aktivoli entwickelt. Es simuliert die Situation in der Bürgerkommune. Aktivoli ist ein packendes Spiel zur Bürgergesellschaft, das die Mitspieler zu Entscheidern in einer aufstrebenden Stadt macht. Um zu gewinnen, braucht man die richtige Taktik, hartnäckige Überzeugungskraft und geschickten Einsatz für das gemeinsame Ziel: Die Entwicklung einer Stadt, in der die Bürger durch ehrenamtliche Projekte und freiwillige Tätigkeiten einen hohen Gemeinsinn stiften. Mit dem Spiel, das mit dem Verlag Ravensburger produziert wird, soll auch die demokratische Streitkultur belebt werden. Ab dem 5. Dezember 2009 kann dieses Gesellschaftsspiel für 24,90 Euro beim zze bestellt werden.

Bestellung des Spiels ab 5.12.2009 unter
www.zze-freiburg.de

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Dokumentation: Tagung zu Freiwilligendiensten

Am 13. Mai 2009 veranstaltete die Arbeitsgruppe Bürgerschaftliches Engagement der SPD-Bundestagsfraktion den Kongress »Freiwillig – im Dienste der Gesellschaft«. Die Dokumentation dieser Tagung ist nun erschienen. Der Kongress nahm die Vielfalt der Erfahrungen und die Perspektiven in den Freiwilligendiensten in den Blick und diskutierte deren weitere Ausgestaltung. In der Dokumentation finden sich zahlreiche Projektpräsentationen aus dem Bereich der Jugendfreiwilligendienste. Auf dem Fraktionskongress haben sich schwerpunktmäßig Projekte aus dem Bundesprogramm »Freiwilligendienste machen kompetent« und Migrantenorganisationen als Träger von Freiwilligendiensten vorgestellt. Die Dokumentation zeigt, welchen Beitrag Freiwilligendienste für die Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund leisten können.

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Studie zu Migranten-Milieus

Der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw) hat zusammen mit dem Heidelberger Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision eine Studie zu Migranten-Milieus vorgelegt. Der wichtigste Befund der Studie lautet: Die Migranten unterscheiden sich nach Milieus. Es ist die Mentalität, die Milieuzugehörigkeit, an der sich die alltäglichen Muster der Lebensführung dieser Personengruppe orientieren, und nicht die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Herkunftskultur. Im Ergebnis unterscheidet die Studie acht Migranten-Milieus, die sich vier Milieusegmenten zuordnen lassen. Die Studie zeigt auch eine blockierte Teilhabe in den Bereichen des bürgerschaftlichen Engagements und der Bildung. Weiteres Ergebnis ist: Die schulische Bildung in Deutschland ist Basis der kulturellen Integration.

Weitere Informationen zur vhw-Studie unter
www.vhw.de/publikationen/vhw-studie-migranten-milieus/

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Hinweis

Der nächste Newsletter erscheint in 14 Tagen am 10. Dezember 2009. Redaktionsschluss ist der 3. Dezember. Bitte schicken Sie Ihre Informationen an newsletter(at)b-b-e.de
Redaktion: Dr. Ansgar Klein und Dr. Rudolf Speth unter Mitarbeit von Sassan Gholiagha.

Eine Übersicht über die nächsten geplanten Schwerpunkt-Themen finden Sie hier:
http://www.b-b-e.de/index.php?id=kommende_themen

Kontakt
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
– Geschäftsstelle –
Michaelkirchstr. 17-18
10179 Berlin-Mitte
www.b-b-e.de

Geschäftsführer Dr. Ansgar Klein
Telefon: (0 30) 6 29 80-11 0
E-Mail: ansgar.klein(at)b-b-e.de

Tagesaktuelle Nachrichten rund um das bürgerschaftliche Engagement finden Sie in der »Social Times«
www.socialtimes.de

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