Newsletter Nr. 20 vom 1.10.2009

Die Diskussion über Kompetenznachweise

Die Themen Kompetenzerwerb und Kompetenznachweis im bürgerschaftlichen Engagement werden immer bedeutsamer. Sie sind Teil der großen Debatte über Bildung, in der das informelle Lernen, beispielsweise in bürgergesellschaftlichen Organisationen, einen wichtigen Platz einnimmt. Susanne Rindt, Leiterin des Berliner Büros des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS), ordnet in ihrem Überblicksbeitrag die beiden Themen in breitere und umfassende Diskussionskontexte ein. Hier spielen beispielsweise der angestrebte Europäische Qualifikationsrahmen und die Diskussion darüber, welche Schlüsselkompetenzen die Übergänge in den Arbeitsmarkt erleichtern, eine zentrale Rolle. Sie diskutiert aber auch die Chancen und Fallstricke, die mit dem Thema für das bürgerschaftliche Engagement verbunden sind.

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Selbsteinschätzung durch Kompetenzbilanzverfahren

Freiwillig Engagierte erwerben mit ihrem Engagement auch Kompetenzen, die in der Berufs- und Erwerbsarbeit nützlich sein können. Andrea Reupold, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, stellt in ihrem Beitrag ein Kompetenzbilanzverfahren vor. Es wurde in den letzten Jahren im Rahmen des Projekts »Lernen im sozialen Umfeld« entwickelt. Mit diesem Verfahren sollen sich die Individuen ihrer im Engagement erworbenen Kompetenzen bewusst werden, diese aufschreiben, ein umfassendes Kompetenzportfolio erstellen und die erworbenen Kompetenzen bewerten. Dies geschieht in mehreren Arbeitsschritten. Dafür wird eine Anleitung in digitaler und in Papierform zur Verfügung gestellt. In einer Art Selbsteinschätzung sollen die Lernerfahrungen dokumentiert und damit auch für das berufliche Weiterkommen nutzbar gemacht werden können.

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Kompetenzbilanz für Freiwilligendienste

Die Bilanzierung von Kompetenzen wird mit dem Bundesprogramm »Freiwilligendienste machen kompetent« gezielt eingesetzt, um jungen Freiwilligen ihre Fähigkeiten und Kompetenzen stärker bewusst zu machen. Dieses Programm richtet sich ganz besonders an Jugendliche, die bisher kaum Zugang zu den regulären Freiwilligendiensten finden. Dazu wurde ein spezielles Verfahren entwickelt, mit dem diese Gruppe der benachteiligten Jugendlichen unterstützt werden kann. Im Rahmen dieses Verfahrens sollen Jugendliche lernen, die eigenen Stärken zu erkennen und mit anderen zusammen einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen. Letztlich geht es auch darum, Kompetenzen zu ermitteln, die für den Übergang in den Arbeitsmarkt relevant sein können. Alexandra Hoorn und Tina Stampfl, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im ISS-Büro in Berlin, beschreiben in ihrem Beitrag dieses Verfahren und seine Ziele.

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Kritik am schönen Schein der Zertifizierung

Aus der Perspektive des Deutschen Bundesjugendringes ist die Einführung von Nachweis- und Zertifizierungssystemen für Kompetenzen und Qualifikationen mit einigen Gefahren verbunden. Damit würden selbstbestimmte und -organisierte Bildungsprozesse und insgesamt das Engagement einem Zweck unterworfen. Zudem würde ein Nutzen suggeriert, der nicht immer gegeben ist. Soziale Fähigkeiten und personale Kompetenzen seien nur indirekt zertifizierbar. In der Jugendverbandsarbeit gibt es aber seit Jahren die Jugendleiter/in-Card (Juleica). Mit ihr werden nicht bestimmte Kompetenzen nachgewiesen, sondern es wird die Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen und ehrenamtlichen Tätigkeiten bestätigt.

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Bundesrat billigt Vereinsrechtsreform

Der Bundesrat hat am 18. September 2009 den Gesetzentwurf »zur Erleichterung elektronischer Anmeldung zum Vereinsregister und anderer vereinsrechtlicher Änderungen« gebilligt. Mit der elektronischen Anmeldung wird eine zusätzliche Möglichkeit geschaffen, da viele Vereinsregister bereits digital geführt werden. Die Anmeldung muss aber weiterhin notariell beglaubigt werden. Mit diesem Gesetz wird auch die Haftung von ehrenamtlich tätigen Vorständen begrenzt. Dies betrifft Vereins- und Stiftungsvorstände, die unentgeltlich tätig sind oder für ihre Tätigkeit ein geringfügiges Honorar von maximal 500 Euro im Jahr erhalten. Sie haften nur noch bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit. Darüber hinaus enthält das Gesetz weitere registerrechtliche Änderungen. Einige überholte Vorschriften aus dem Vereinsrecht werden aufgehoben oder der Rechtsentwicklung angepasst.

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Ehrenamtsfreibetrag auch für Betreuer

Ehrenamtliche Betreuer haben ein Recht auf den Ehrenamtsfreibetrag von 500 Euro pro Jahr. Darauf macht der Vereinsbrief in seiner Ausgabe 9/2009 aufmerksam. Betreuer werden durch das Gericht für Menschen bestellt, wenn diese aufgrund von psychischer Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu besorgen. Wird diese Tätigkeit von Mitgliedern eines Betreuungsvereins auf ehrenamtlicher Basis vorgenommen, kann der Ehrenamtsfreibetrag nach § 3 Nummer 26a Einkommensteuergesetz (EStG) in Anspruch genommen werden. Der Betreuungsverein muss aber als gemeinnützig anerkannt sein. Dies hat das Finanzministerium Bayern klargestellt.

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Der »Neue Gesellschaftsvertrag«

Der Arbeitskreis »Bürgergesellschaft und aktivierender Staat« befasste sich auf seiner 34. Sitzung am 19. Juni 2009 im ersten Teil mit den Konturen des Neuen Gesellschaftsvertrages, der durch Akteure aus der Zivilgesellschaft angestrebt wird. Im zweiten Teil wurden die Ergebnisse des Nationalen Forums für Engagement und Partizipation von Ulrike Sommer, Mitglied des Sprecherrats des BBE, vorgestellt. Die Zwischenergebnisse und Handlungsempfehlungen, die das Nationale Forum erarbeitet hat, wurden kommentiert von Hans Matena, Leiter der Geschäftsstelle Zivilengagement im Familienministerium und von Thomas Baumeister, Leiter Corporate Social Responsibility der Deutschen Bank. Im Protokoll der Sitzung des Arbeitskreises werden die jeweiligen Vorträge sowie die Ergebnisse der sich daran anschließenden Diskussionen zusammenfassend wiedergegeben.

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Studie zur Vitalisierung von Demokratie

Auch westliche Demokratien haben einen erheblichen Erneuerungsbedarf. Das ist der Ausgangspunkt einer Expertise von Roland Roth, Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Magdeburg, für die Bertelsmann Stiftung. Roth skizziert in den »Handlungsoptionen zur Vitalisierung der Demokratie« zunächst die Krisendiagnosen, die westlichen Demokratien ausgestellt werden, und stellt dann das Instrument Demokratie-Audit vor. Außerdem diskutiert er Vorschläge zur Verbesserung von Partizipationsmöglichkeiten auf der kommunalen Ebene und zur politischen Integrationen von Migrantinnen und Migranten. Die Vitalisierung der Demokratie ist für Roth ein Kernziel der Engagementpolitik, die zugleich auch Lernprozesse bei den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht.

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Länderspiegel Bürgerstiftungen

In Deutschland gibt es zur Zeit 257 Bürgerstiftungen, die sich für soziale, kulturelle oder andere gemeinnützige Anliegen in ihrer Stadt, Gemeinde oder Region engagieren. Diese Zahl ermittelte der Verein Aktive Bürgerschaft in seinem aktuellen Länderspiegel Bürgerstiftungen 2009. Nach dem Gründungsboom der letzten Jahre geht es nach Ansicht der Verfasser des Länderspiegels nun darum, die Arbeit der Bürgerstiftungen zu verstetigen, indem sie sich als unabhängige Akteure positionieren, ein klares Profil entwickeln und ihre finanzielle Basis ausbauen. Als erfolgreiche Instrumente zum Vermögensaufbau haben sich zu diesem Zweck Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen erwiesen.

Länderspiegel Bürgerstiftungen unter
www.aktive-buergerschaft.de/laenderspiegel/index.php

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Fotowettbewerb zur Aktionswoche

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Fotowettbewerb zur Aktionswoche. Bis zum 25. Oktober 2009 können Fotos von Veranstaltungen zur Aktionswoche eingereicht werden. Die zehn schönsten und ausdruckstärksten Bilder werden aus allen Zusendungen ausgewählt und auf der Homepage der Aktionswoche veröffentlicht. Zwischen dem 1. und 30. November können dann per Voting auf der Homepage drei dieser zehn Fotos ausgewählt werden. Verkündet werden die Gewinner am 5. Dezember. Als ersten Preis gibt es ein exklusives Berlin-Wochenende für zwei Personen im Steigenberger Hotel mit zwei Übernachtungen. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird außerdem an einer historischen Stadtrundfahrt durch Berlin teilnehmen. Für den 2. und 3. Platz gibt es Sachpreise.

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Sitzung der AG 4 »Lokale Bürgergesellschaft«

Am 17. September traf sich die Arbeitsgruppe 4 »Perspektiven der lokalen Bürgergesellschaft« in Essen. Hauptthema der Sitzung war die Gestaltung und Entwicklung der Bürgerkommune. Sabine Nölke-Schaufler vom Bündnis für Augsburg und Monika Hanisch, Büro Stadtentwicklung Essen, stellten hierzu die jeweiligen Ansätze und Erfahrungen ihrer Kommunen vor. In der anschließenden Diskussion wurden Unterschiede, aber auch gemeinsame Erfolgsfaktoren herausgearbeitet. Bürgerschaftliches Engagement bedarf demnach Kreativräume, es muss stets in Zusammenhang mit Partizipation gedacht werden und es muss auch in die Verwaltung hinein wirken. Bürgerschaftliches Engagement ist eine Querschnittsaufgabe, die organisatorisch in der Kommune an eine zentrale Position zu setzen ist.

Weitere Informationen zur AG 4 unter
www.b-b-e.de/index.php

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Sachgebietsleiter/in Finanzen gesucht

Der Deutsche Verein sucht für die Geschäftsstelle des BBE möglichst ab 15.11.2009 eine/einen Sachgebietsleiter/in Finanzen und allgemeine Verwaltung. Aufgaben sind u. a. die Gesamtkoordination der kaufmännischen und administrativen Abläufe in der Geschäftsstelle des BBE. Fachkenntnisse in den Bereichen Zuwendungs-, Haushalts, Gemeinnützigkeits-, Vereins- und Steuerrecht und Kenntnisse von betriebswirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Zusammenhängen werden erwartet. Genauere Informationen können der Stellenausschreibung entnommen werden.

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Angelika Schultz-Liebisch verlässt das BBE

Angelika Schultz-Liebisch verlässt die BBE-Geschäftsstelle. Frau Schultz-Liebisch, von Hause aus Betriebswirtin und Kulturwissenschaftlerin, war seit Juli 2003 zunächst als Geschäftsführungs-Assistentin, seit 2008 als Sachgebietsleiterin für Finanzen und allgemeine Verwaltung des BBE in der BBE-Geschäftsstelle tätig. Zuvor war sie u. a. Geschäftsführerin beim Unabhängigen Institut für Umweltfragen und bei eurocultur e.V.. Sprecherrat und Geschäftsführung danken Frau Schultz-Liebisch für ihre langjährige, zuverlässige und engagierte Arbeit im BBE und wünschen ihr für die weitere berufliche Zukunft alles Gute.

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Mobilität für Ältere in Europa

Vom 28. bis 30. Oktober 2009 findet in Düsseldorf die Konferenz »Mobilität Älterer in Europa – Arbeit mit älteren Freiwilligen in europäischen Austauschprojekten« statt. Auf der Konferenz werden die Erfahrungen, die im Rahmen des Projekts »TRAMP – TRAnsnational Mobility of older People – working in teamwork projects in crafts« vor- und zur Diskussion gestellt. In dem Projekt ging es darum, wie der Zugang zu älteren Menschen mit geringen Fremdsprachenkenntnissen vereinfacht und ihre transnationale Mobilität in Europa erhöht werden kann. Im Zentrum standen länderübergreifende handwerklich orientierte Teamarbeits-Projekte für ehrenamtlich Aktive. Veranstaltet wird die Konferenz von der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben des DGB und den Volkshochschulen Nordrhein-Westfalens.

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Anerkennungsformen für das Ehrenamt

Am 2. und 3. November 2009 findet im Bildungszentrum Schloss Eichholz der Konrad Adenauer Stiftung eine Tagung zum Thema »Anreiz- und Anerkennungssysteme für das Ehrenamt« in Zusammenarbeit mit dem Borromäusverein statt. Auf der Tagung wird es darum gehen, wie die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement verbessert werden können und welche Vorschläge hierzu das Nationale Forum für Engagement und Partizipation gemacht hat. Weitere Themen sind die Unterschiede in den Erwartungen von Frauen und Männern bei der Anerkennung, die Formen der Anerkennung in den Kommunen und den einzelnen Bundesländern und die Motivation und Anreize für ehrenamtliches Engagement im kirchlichen Bereich.

Weitere Infos unter
www.kas.de/wf/de/17.34821/

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Tagung der Freiwilligenkoordinator/innen

Am 13. November 2009 findet in Bremen der »3. Bremer Fachtag Freiwilligenkoordination« statt. Die Tagung richtet sich an Freiwilligenkoordinatorinnen und Freiwilligenkoordinatoren in allen Organisationen. Auf der Tagung soll es um ihr Profil, ihre Aufgaben, ihre Stellung in der jeweiligen Organisation und um ihre realen Aufgaben gehen. Als Konferenzmethode haben die Veranstalter Open Space gewählt, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst über die Organisation des Fachtages mitentscheiden können. Veranstalter sind der Paritätische, die Freiwilligen-Agentur Bremen und die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales.

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Biografie-Wettbewerb

Vom 11. Oktober 2009 bis zum 28. Februar 2010 können biografische Skizzen des eigenen Lebens oder auch über das Leben eines Verwandten oder Bekannten beim Wettbewerb »Was für ein Leben!« eingereicht werden. Ziel des Wettbewerbs ist es, zu zeigen, dass auch das Leben von nicht-prominenten Menschen dokumentierenswert ist: Sei es als Dokument der Zeitgeschichte oder weil andere aus der Persönlichkeitsentwicklung oder dem Engagement dieser Menschen lernen können. Der Preis für die Gewinner ist die dokumentarische Verfilmung ihrer Lebensgeschichte. Es wird jeweils ein Preis in den Kategorien Zeitzeuge, Persönlichkeit und Engagement vergeben. Getragen wird der Wettbewerb von Deutschen Historischen Museum, DIE ZEIT, der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros und dem Generali Zukunftsfonds.

Weitere Infos unter
www.was-fuer-ein-leben.de

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Hinweis

Der nächste Newsletter erscheint in 14 Tagen am 15. Oktober 2009. Redaktionsschluss ist der 8. Oktober. Bitte schicken Sie Ihre Informationen an newsletter(at)b-b-e.de
Redaktion: Dr. Ansgar Klein und Dr. Rudolf Speth unter Mitarbeit von Björn Schulz.

Eine Übersicht über die nächsten geplanten Schwerpunkt-Themen finden Sie hier:
http://www.b-b-e.de/index.php?id=kommende_themen

Kontakt
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
– Geschäftsstelle –
Michaelkirchstr. 17-18
10179 Berlin-Mitte
www.b-b-e.de

Geschäftsführer Dr. Ansgar Klein
Telefon: (0 30) 6 29 80-11 0
E-Mail: ansgar.klein(at)b-b-e.de

Tagesaktuelle Nachrichten rund um das bürgerschaftliche Engagement finden Sie in der »Social Times«
www.socialtimes.de

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