Bürgerschaftliches Engagement in der Pflege

An das bürgerschaftliche Engagement werden in den verschiedenen Bereichen der Pflege unterschiedliche Anforderungen gestellt. Bürgerschaftliches Engagement muss zunächst grundsätzlich seiner anwaltschaftlichen Aufgabe gerecht werden und die Personengruppe pflegebedürftiger und alter Menschen in Vereinsstrukturen, Verbänden etc. gegen eine bevormundende Professionalität wirkungsvoll vertreten. Vorrangiges Ziel ist dabei die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen; sie ist Maßstab für die Qualität der Fachpflege und gleichermaßen des bürgerschaftlichen Engagements in der Pflege. Demgegenüber nachrangig ist das Verharren in Strukturen wie ambulant vs. stationäre Pflegeeinrichtungen und Fachpflege vs. bürgerschaftlichen Engagement. Damit bedarf es sowohl im Bereich stationärer wie auch ambulanter Angebote einer Öffnung nach innen und außen.

Konstruktive Einbindung von bürgerschaftlichem Engagement

Die Ressourcen des bürgerschaftlichen Engagements müssen nicht nur gesehen, sondern auch in einer konstruktiven Weise in das Arbeitsgebiet der Pflege eingebunden werden. Beispiele hierfür sind nichtberufliche Hilfesysteme, etwa das baden-württembergische BETA-Projekt, oder die Betreuung von Demenzkranken und die Begleitung von Sterbenden durch die Hospizbewegung. Der Blick muss sich aber auch über den Horizont der Pflegeeinrichtungen hinaus weiten in die lokal verfügbaren Solidaritäts-, Selbsthilfe- und Unterstützungsangebote, wie z. B. Träger- und Fördervereine für Sozialstationen oder Serviceangebote (z. B. Fahrdienste, Begleitservice zu Ärzten und Behörden, Einkäufe und hauswirtschaftliche Unterstützung). Bilden sich Netzwerke vor Ort mit Hilfe von Trägern von Einrichtungen, Vereinen oder anderen Initiativen, sollten sie durch Kommunen, Kirchen und Wirtschaftsunternehmen mehr Förderung und Unterstützung erfahren.

Neue Kultur der Hilfe und Mitmenschlichkeit

Alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte sind gefordert, am Prozess für eine neue Kultur der Hilfe und Mitmenschlichkeit mitzuwirken. Eine solche Kultur ist ohne die Nutzung und Förderung von bürgerschaftlichem Engagement in seinen verschiedenen Formen nicht möglich. Gleichwohl wird seitens der Politik darauf zu achten sein, dass bürgerschaftliches Engagement reguläre Arbeitsverhältnisse oder Zivildienststellen nicht ersetzt.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Ausgehend von einem Workshop unter dem Titel »Bürgerengagement für Ältere – Erfolge und Visionen / Vernetzung ambulanter, stationärer und häuslicher Pflege mit BE« am 11.5.2004 in der Malteser Kommende in Ehreshoven, bei dem beispielhafte Initiativen vorgestellt wurden, hat die AG 7 des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (»Stärkung des Bürgerlichen Engagements im Sozialstaat der Zukunft«) konkrete Handlungsempfehlungen für die politische Meinungsbildung erarbeitet und einen inhaltlichen Impuls abgeleitet. Ziel war, durch eine neue gesetzliche Regelung in § 45d SGB XI die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe in der Pflege durch die Pflegekassen über den Kreis der Demenzkranken (§§ 45a bis 45c SGB XI) zu erweitern. Dieses Anliegen hat der Sprecherrat des Bundesnetzwerks aufgegriffen, unterstützt wurde es im Januar 2006 durch eine Bundesratsinitiative aus Baden-Württemberg.
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Förderung der ehrenamtliche Strukturen und Selbsthilfe in der Pflege

Seit dem Inkrafttreten des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes am 1. Juli 2008 besteht die neue gesetzliche Regelung in § 45d SGB XI, die eine Förderung ehrenamtlicher Strukturen sowie der Selbsthilfe in der Pflege ermöglicht. Die Finanzierung erfolgt als Kofinanzierung aus dem Budget des § 45c SGB XI. Der bundesweit jährlich zur Verfügung stehende Gesamtbetrag wurde von bisher 20 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro erhöht. Er setzt sich aus 25 Mio. Euro aus Mitteln der Pflegekassen und aus 25 Mio. Euro aus Mitteln der Länder, der Kommunen und der Arbeitsverwaltung zusammen. Mittel, die im jeweiligen Haushaltsjahr nicht in Anspruch genommen werden, können in das Folgejahr übertragen werden. Nach Vorliegen von Empfehlungen des Spitzenverbands Bund der Pflegekassen gemeinsam mit dem Verband der privaten Krankenversicherung e.V. werden Einzelheiten des Förderverfahrens in Rechtsverordnungen der Länder festgelegt.
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