10.08.17

Diakoniewerk Bethel auf Abwegen

Das Diakoniewerk Bethel (nicht zu verwechseln mit den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel!) kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Es hatte 2014 drei Schwestern, die alle ihr Leben lang unentgeltlich in Vollzeit für die Einrichtung gearbeitet hatten, aus dem Diakoniewerk und damit auch von ihrer Altersversorgung ausgeschlossen - und musste später in Vergleichen nachgeben. Am 4., 13. und 21. Juli 2017 hat correctiv.org Vorgänge dargestellt, die u.a. auf eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit dieser über 100 Jahre alten Einrichtung mit 1700 MitarbeiterInnen hinauslaufen. So wurde danach der ursprüngliche Trägerverein der Diakonnissinnen 2011 zugunsten von zwei Stiftungen aufgelöst, als deren Stifter der geschäftsführende Vorstand des Diakoniewerks auftritt. Bei der Umwandlung wurden diesem laut Wirtschaftsprüfer 5,6 Millionen Euro an Pensionsansprüchen ausbezahlt, was auf ein Jahresgehalt von 720.000 Euro schließen lasse. Auch eine schöne Villenimmobilie des Diakoniewerks hat seinen Weg in das Eigentum dieses Vorstands gefunden. Nachfragen von correctiv blieben unbeantwortet. Die Dachorganisation Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) stellte dem Diakoniewerk am 13. Juli 2017 ein Ultimatum bis zum 31. Juli 2017 mit vier Forderungen, unter anderem dem Rücktritt des betreffenden geschäftsführenden Vorstands und einer umfassenden Aufklärung der Vorwürfe: »Das vermutete Gehalt von Karl Behle, die kolportierten Umstände des Grundstücksgeschäfts und vor allem die Übertragung der Anteile am Diakoniewerk und damit des Einflusses auf von ihm bestimmte Stiftungen wären rufschädigend für die Diakonie und auch diesseits rechtlicher Bewertungen schlicht unanständig.« Am 1. August 2017 teilte der Dachverband mit, dass keinerlei Reaktion erfolgt ist und skizzierte die weiteren Wege bis zum Ausschluss des Diakoniewerks, sollte es sich nicht besinnen. Prof. Dr. Birgit Weitemeyer von der Bucerius Law School in Hamburg kommentierte gegenüber correctiv: »Transparenz ist in diesem Bereich in Deutschland unterentwickelt (...) Nur auf Basis von Freiwilligkeit, das zeigt die Erfahrung, funktioniert es nicht. Aber damit die Politik etwas unternimmt, braucht es wohl mehrere Großskandale.« 

Beiträge auf correctiv.org 

Zweite Stellungnahme des Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) 

(Stichwörter: Engagementpolitik & -förderung, Akteure der Zivilgesellschaft, Länder & Kommunen, Newsletter)


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