Seniorenbüros – Partner der Kommune im demografischen Wandel

Seniorenbüros fördern und unterstützen das freiwillige Engagement

Auf der Suche nach einem Betätigungsfeld, das den persönlichen Fähigkeiten und Interessen entspricht, sind die in über 260 Städten und Gemeinden etablierten Seniorenbüros für die ältere Generation kompetente Ansprechpartner, denn sie sind auf deren Bedarf und Erfahrungshintergrund spezialisierte Informations-, Beratungs- und Vermittlungsbüros für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement. Über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren haben sich Seniorenbüros in der kommunalen Landschaft als Infrastruktureinrichtungen fest verankert. Anfang der 90er Jahre wurden sie durch ein Modellprojekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf den Weg gebracht und konnten ihre Anzahl seit der Erprobungsphase um das Fünffache steigern.

Seniorenbüros vernetzen Menschen, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihr Gestaltungspotenzial einbringen möchten, mit Verbänden, Initiativen, Vereinen oder einzelnen kleinen Projekten, die Hilfe benötigen. Die individuelle Beratung der Engagierten steht dabei an zentraler Stelle, denn der Wunsch nach einer Tätigkeit, die den persönlichen Fähigkeiten und Vorstellungen entgegenkommt, ist von entscheidender Bedeutung auch für eine nachhaltige Motivation der Freiwilligen. Die aktiven älteren Menschen möchten an ihrer neuen Aufgabe Freude haben und einen persönlichen Gewinn durch ihre Tätigkeit erfahren. Ältere Menschen finden in der Begegnung mit Gleichgesinnten in einem Seniorenbüro nicht zuletzt auch freundschaftliche Begegnungen, neue soziale Kontakte, Geselligkeit und die Möglichkeit zu einem Erfahrungsaustausch über die jeweilig ausgeübten Tätigkeiten.

Mit der Etablierung von Seniorenbüros ging es nicht darum, eine weitere Versorgungseinrichtung im Bereich der Altenarbeit und Altenhilfe zu schaffen. Vielmehr sollte ein neues Modell geschaffen werden, das die Möglichkeiten zur Selbstorganisation und Selbsthilfe älterer Menschen stärkt. Seniorenbüros setzen an den Kompetenzen älterer Menschen an und ermöglichen ihnen die aktive Teilhabe und Mitsprache in Tätigkeitsfeldern des bürgerschaftlichen Engagements. Sie bieten Älteren bei der Neuorientierung Perspektiven für das aktive Mitwirken und Mitgestalten am gesellschaftlichen Leben und die Möglichkeit, ihr Erfahrungswissen einzubringen. Darüber hinaus unterstützen Seniorenbüros mit besonderer Kraft die Initiierung von innovativen Projekten. Auf diesem Wege leistet die ältere Generation mit Unterstützung der Seniorenbüros einen Beitrag zur Reaktivierung der Bürgergesellschaft, die die Gestaltung des sozialen Umfelds wieder stärker selbst in die Hand nimmt und Verantwortung für das Gemeinwesen übernimmt.

Generationsübergreifende Aktivitäten

Zur Zielgruppe der Seniorenbüros gehören primär Menschen ab 50 Jahren. In der vergangenen Zeit hat sich zudem ergeben, dass auch jüngere Menschen von den Büros angesprochen werden. Generationen miteinander im Engagement zu verbinden, ist eines der zentralen Merkmale der Projekte, die über die Seniorenbüros ins Leben gerufen werden. Ideen, die von älteren Menschen verwirklicht werden, reichen über die Kinder und Jugendlichen – mit denen Projekte durchgeführt werden – auch bis in die Familien hinein und geben ihnen wichtige Unterstützung. Zu nennen sind hier Leih-Großeltern, Leselernhilfen in Grundschulen, Zeitzeugengespräche mit Jugendlichen, Hilfen für den Berufseinsteiger, kulturelle Aktivitäten und Vieles mehr. Zunehmend werden auch Seniorinnen und Senioren zum bürgerschaftlichen Engagement angeregt, die bislang nicht aktiv sind und durch anderweitige Ansätze der Altenarbeit nicht erreicht werden. Seniorenbüros schaffen in erster Linie Rahmenbedingungen und Vernetzungsmöglichkeiten für die Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben und sich aktiv einbringen wollen.

Die Aufgaben von Seniorenbüros

Seniorenbüros sind überwiegend mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt, um regelmäßige Öffnungszeiten und einen verlässlichen Zugang für engagementbereite Ältere zu garantieren. Zugleich sorgen räumliche und sachliche Ressourcen dafür, eigene Projekte und Begegnungsformen neuer Art umsetzen zu können. Die Träger von Seniorenbüros stellen diese Infrastruktur in der Regel zur Verfügung.

Seniorenbüros bieten einen sehr differenzierten Katalog von Leistungen an, zu dem in erster Linie die Information, Beratung und Vermittlung von an Engagement interessierten älteren Menschen gehört. Die Beratung von Einrichtungen zur Vermittlung älterer Freiwilliger, Verbesserung von Rahmenbedingungen für den Einsatz älterer Freiwilliger sowie die Schaffung von Anerkennungsstrukturen sind ebenfalls wichtige Arbeitsfelder. Die Freiwilligen werden in ihrem Engagement begleitet, sie werden durch die Seniorenbüros weitergebildet und so noch besser für ihre Aufgaben qualifiziert. Initiierung, Beratung und Unterstützung von Projekten für Seniorinnen und Senioren innerhalb und außerhalb des Seniorenbüros (z. B. Alt-Jung-Projekte, Internetcafes, Besuchsdienste, Zeitzeugenprojekte, Hobby- und Kleinreparaturenwerkstatt, sportliche und kulturelle Aktivitäten etc.) sowie die Kooperation und Vernetzung innerhalb der Kommune (Initiierung von »Runden Tischen«, Gesprächskreisen, Arbeitskreisen »offene Altenarbeit« etc.) sind an dieser Stelle ebenso zu nennen. Die Übernahme von Dienstleistungen für die Träger, die Übernahme kommunaler Aufgaben (z.B. Altenhilfeplanung, Beratungen im Bereich der Altenhilfe etc.) und die Herausgabe von Seniorenwegweisern, Seniorenzeitungen runden die Palette der vielfältigen Tätigkeitsfelder von Seniorenbüros ab.

Impulsgeber für innovative Seniorenarbeit in Kommunen

Mit Hilfe von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den entsprechenden Trägern ist es gelungen, Seniorenbüros als Zentren der Projektentwicklung für freiwilliges Engagement zu einem festen Bestandteil der kommunalen Altenhilfe zu entwickeln. Seniorenbüros setzen unmittelbar an der konkreten kommunalen Bedarfslage an, sie sind Impulsgeber für freiwilliges Engagement und ein verlässlicher Partner für die Kommune.

Seniorenbüros erbringen in vielen Gemeinden auch direkte Serviceleistungen wie z. B. die Trägerschaft und ehrenamtliche Durchführung von Angeboten der offenen Altenhilfe, die Ausgabe von Seniorenratgebern, Informationen über Angebote der offenen und stationären Altenhilfe sowie die Mitwirkung an der kommunalen Altenhilfeplanung. Seniorenbüros geben Impulse, die zu einer besseren Wahrnehmung der Ansprüche von Älteren durch die kommunalen Entscheidungsträger führen. Sie tragen darüber hinaus zu einer Aufwertung des bürgerschaftlichen Engagements und zu einer Verbesserung des Altersbildes bei und erschließen der Kommune durch freiwillige Helfer wichtige Ressourcen.

Nach Auslaufen der Förderung im Rahmen des Modellprojektes stellte sich heraus, dass Seniorenbüros in kommunaler Trägerschaft über die besseren Ressourcen verfügen, d. h. die Beteiligung der Kommunen ist für den Fortbestand der Seniorenbüros von entscheidender Bedeutung. Eine Befragung des Dachverbandes der Seniorenbüros (BaS) im Herbst 2003 bei 63 Seniorenbüros zeigte, dass die meisten Seniorenbüros mischfinanziert werden über Trägermittel, Kommune, Landkreise, Wohlfahrtsverbände, kirchliche Träger, Vereine etc.; 27% der befragten Büros befinden sich in kommunaler Trägerschaft.

Durch die Schaffung von Seniorenbüros als kommunale Infrastruktureinrichtung werden ältere Menschen aktiviert und in die Lage versetzt, ihre Potenziale einzusetzen zum Nutzen des Gemeinwesens und als persönliche Entwicklungschance. Seniorenbüros eröffnen Möglichkeiten zu mitverantwortlicher Lebensführung und sozialer Teilhabe älterer Menschen. Untersuchungen belegen, dass die Engagementquote sogar deutlich höher liegen könnte, wenn es gelänge, engagementfreundliche Strukturen auszubauen.

Die Bundesarbeitgemeinschaft Seniorenbüros e. V.

Die Seniorenbüros werden durch ihren Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS) e. V., intensiv begleitet und unterstützt. Durch die BaS werden die Seniorenbüros regelmäßig über aktuelle Entwicklungen (Newsletter, Rundschreiben etc.) informiert, sie initiiert neue Projekte und sorgt auf allen politischen Ebenen – beispielsweise durch die Mitarbeit in vielen Netzwerken auf Bundesebene und in Europa für den Fortbestand von Seniorenbüros. Die BaS wirbt für den Auf- und Ausbau von Engagement fördernden Strukturen und für die Schaffung neuer Seniorenbüros. Sie unterstützt ihre Mitglieder durch Beratung und Fortbildungen durch laufend durchgeführte Seminare und Fachtagungen. Die Mitgliedschaft in der BaS setzt ein qualitätsorientiertes Profil des Seniorenbüros voraus, das regelmäßig den aktuellen Entwicklungen und Erfordernissen angepasst wird. Die Geschäftsstelle der BaS konnte durch ihre Aktivitäten und Kontakte erreichen, dass Seniorenbüros an wichtigen Modellprogrammen der Bundesregierung Beteiligung fanden. Folgendes Projekt ist hier zu nennen:

Ausblick

Der demografische Wandel erfordert in den kommenden Jahren einen ständigen Anpassungsprozess und eine optimierte Nutzung von Handlungsspielräumen. Insbesondere durch die immer knapper werdenden Finanzspielräume in den Kommunen sind innovative Lösungen gefragt. Subsidiarität als gesellschaftliche Entwicklungschance, Solidarität unter den Generationen, gegenseitiges Verständnis und Toleranz werden zunehmend als wichtige Ziele in den Blick der Gesellschaft rücken und ein Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erfordern. Die Seniorenbüros und die BaS werden sich den daraus resultierenden Herausforderungen weiterhin stellen und das Ziel der Schaffung einer solidarischen Bürgerkommune mit einem funktionierenden Gemeinwesen weiterverfolgen. 

Eine von der BaS veröffentlichte Broschüre stellt anhand von 13 ausgewählten Seniorenbüros viele Beispiele guter Praxis dar. Die Broschüre kann über die Geschäftsstelle für 3,-- Euro zzgl. Portokosten bestellt werden. Sie ist ebenfalls als pdf-Version auf der Internetseite verfügbar.
Weitere Informationen

Eine umfangreiche Sammlung guter Beispiele freiwilligen Engagements älterer Menschen finden Sie auf der Seite Senioren-Initiativen. 
Weitere Informationen

Kontakt

Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e. V. (BaS)
Graurheindorfer Str. 79
53111 Bonn
Tel.: (02 28) 61 40 74
Fax: (02 28) 61 40 60
E-Mail: bas(at)seniorenbueros.org
www.seniorenbueros.org

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen finden Sie auch unter den Seiten der BBE-Arbeitsgruppe 8 »Demografischer Wandel«:


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