Bundesnetzwerk
Bürgerschaftliches
Engagement

Sondernewsletter Nr. 2 vom 27.9.2012 - Diversity und bürgerschaftliches Engagement


Inhalt

EDITORIAL

DIVERSITY UND GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT

DIVERSITY ALS ANTWORT AUF GESELLSCHAFTLICHE HERAUSFORDERUNGEN?!

MEHR VIELFALT = WENIGER SOZIALER ZUSAMMENHALT? SCHLÜSSELTEXTE ZUR SOZIALKAPITAL- UND LEITKULTURDEBATTE

GESELLSCHAFT DER VIELFALT: MITTEL-WEGE-INSTRUMENTE

FÖRDERUNG VON DIVERSITY: GUTE INITIATIVEN UND PROJEKTE

STAATLICHE PROJEKTE ZUR FÖRDERUNG VON DIVERSITY

ZIVILGESELLSCHAFTLICHE PROJEKTE ZUR FÖRDERUNG VON DIVERSITY

DIVERSITY-PROJEKTE AUS DER UNTERNEHMENSWELT

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser, 

im Rahmen der Aktionswoche »Engagement macht stark!« (24. September - 3. Oktober 2012) erhalten Sie heute den Sondernewsletter »Diversity und bürgerschaftliches Engagement«. Er ist der zweite von insgesamt drei Sondernewsletter, mit denen wir in diesem Jahr in der Woche des bürgerschaftlichen Engagements Themen der Engagementförderung und -praxis von besonderer Bedeutung hervorheben und sichtbar machen.

Diversity Management ist ein vielschichtiges Konzept, das in Unternehmen sowie in der Politik, Wissenschaft und Verwaltung zunehmend Anwendung findet. Der Sondernewsletter möchte Ihnen einen Einstieg ins Thema geben, Sie mit aktuellen Diskussionen über die Chancen und Risiken von gesellschaftlicher Vielfalt vertraut machen und aufzeigen, welche Instrumente und Initiativen es in Deutschland im Bereich Diversity Management bereits gibt. Der Schwerpunkt liegt nicht auf längeren Beiträgen, sondern auf gebündelten und breit gefächerten Informationen. Er ist in drei Blöcke unterteilt, die thematisch aufeinander aufbauen und jeweils durch einen Überblicksbeitrag eingeleitet werden.

Der erste Block bietet einen Einstieg in den Themenkomplex »Diversity und gesellschaftlicher Zusammenhalt«. Zu Beginn führt Hans Jablonski, Diversity-Berater, in den Begriff Diversity Management ein und zeigt auf, welcher Mehrwert dadurch für Wirtschaft und Gesellschaft entsteht und wie Diversity Management in Unternehmen und Verwaltungen umgesetzt werden kann. Anschließend werden verschiedene aktuelle Studien vorgestellt, die sich mit den Herausforderungen und Chancen einer zunehmenden gesellschaftlichen Pluralisierung auseinandersetzen. Aufgegriffen wird dann die von Robert Putnam ausgelöste Diskussion, ob ein Mehr an kultureller Vielfalt mit einem Rückgang an Sozialkapital einhergeht. Verschiedene wissenschaftliche Studien, die hierzu Stellung beziehen, werden vorgestellt. Die anschließend präsentierten Publikationen von Eva Maria Hinterhuber und von Michael Haller/ Martin Niggeschmidt nehmen Bezug auf den Umgang mit religiösen Fragen und Konflikten und diskutieren die kontroversen Thesen von Thilo Sarrazin.

Der zweite Block »Gesellschaft der Vielfalt: Mittel - Wege - Instrumente« befasst sich mit Maßnahmen, Aktionsprogrammen und Initiativen, die in Deutschland in den letzten Jahren zur Förderung von Diversity ins Leben gerufen worden sind. In ihrem einführenden Beitrag zeigt Bettina Schmidt, Vorstandsmitglied der internationalen Gesellschaft für Diversity Management, welche Bandbreite an Diversity Management-Instrumenten es bereits gibt und was bei Ihrer Umsetzung in Unternehmen, der Verwaltung oder zivilgesellschaftlichen Organisationen beachtet werden sollte. Anschließend stellen wir wichtige Initiativen und Maßnahmen vor, wie z.B. die Charta der Vielfalt, das neue Handbuch zum Anti-Diskriminierungsgesetz oder die »Aktion zusammen wachsen« des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jungend.

Im dritten Block werden gute Praxisbeispiele im Bereich Diversity Management vorgestellt. Der Facettenreichtum in der Projektlandschaft ist so groß wie der Diversity-Begriff vielschichtig ist. Wir können hier nicht die ganze Vielfalt von Diversity-Projekten präsentieren und haben uns deswegen dafür entschieden, jeweils eine exemplarische Auswahl an staatlichen, zivilgesellschaftlichen und Unternehmensprojekten entlang der verschiedenen Dimensionen von Diversity - Alter, Geschlecht, Rasse/ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung und Behinderung - vorzustellen.

Die nächste Ausgabe des Sondernewsletter erhalten Sie zum Thementag »Armut und bürgerschaftliches Engagement« am 1. Oktober.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

PD Dr. Ansgar Klein, BBE-Geschäftsführer
Gabriele Schmidt für das Kampagnenteam

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DIVERSITY UND GESELLSCHAFTLICHER ZUSAMMENHALT

Hans Jablonski: Vielfalt als Erfolgskonzept für Unternehmen und Gesellschaft

Diversity ist der ganzheitliche Ansatz, der die Unterschiedlichkeiten von Menschen als Chance und Potenzial für diese selbst, aber auch für Unternehmen und die Gesellschaft versteht. Diversity begegnet uns in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung: Die Bevölkerung wird älter und zahlenmäßig weniger, Männer und Frauen werden gleichermaßen am Erwerbsleben auch auf den höheren Ebenen teilnehmen, und man trifftzunehmend Menschen mit Migrationshintergrund. Die Globalisierung und demografische Entwicklung stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen in der Zukunft. Und Deutschland sowie ganz Europa müssen sich als starker Partner in der globalen Wirtschaft durch Weltoffenheit beweisen und international anerkannt bleiben.


Weiterlesen unter
snl02_jablonski.pdf (99 kB)

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DIVERSITY ALS ANTWORT AUF GESELLSCHAFTLICHE HERAUSFORDERUNGEN?!

9. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland

Erfolge bei der Sprachförderung, ein deutlicher Anstieg der Betreuungsquote von Migrantenkindern, mehr Migrantinnen und Migranten mit Abitur, Fortschritte bei der Ausbildungsquote: Dies sind einige zentrale Ergebnisse des 9. Berichts zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer, den Staatsministerin Böhmer im Juni vorgestellt hat.

Der Bericht schildert für den Zeitraum von Frühjahr 2010 bis Frühjahr 2012 die Lage der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist geringfügig angestiegen; 2010 lebten 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ihre Chancen auf Teilhabe haben sich, so Böhmer, in den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert. Als wichtige Weichenstellungen hierfür nennt sie das Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse und das eigenständige Bleiberecht für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende. Als erfreulich wird im Bericht auch die hohe Engagementbereitschaft von jungen Migranten, insbesondere der in Deutschland geborenen zweiten Generation, bewertet: Von Ihnen waren 2009 33,5 Prozent Mitglied in einem gemeinnützigen Verein oder einer gemeinnützigen Organisation. Gleichwohl gibt es noch einigen Verbesserungsbedarf: So ist z.B. die Quote der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund nach wie vor doppelt so hoch wie die von deutschen Schülern, und ein Drittel der Migranten im Alter von 25 bis 35 Jahren hat keinen beruflichen oder Hochschulabschluss. Auch die Arbeitslosigkeit von Ausländerinnen und Ausländern ist doppelt so hoch wie die der Deutschen. Es gibt also noch einiges zu tun. Der Bericht empfiehlt unter anderem, Integration verbindlicher zu gestalten und einen Paradigmenwechsel zu einer vorausschauenden Integrationspolitik zu vollziehen.

Vollständiger Bericht unter
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/IB/2012-06-27-neunter-lagebericht.pdf?__blob=publicationFile

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Jung-Alt-Bunt. Diversity und der demographische Wandel

Das Thema »Demographischer Wandel und Diversity Management« ist vielschichtig, weil der demographische Wandel zahlreiche Veränderungen in vielen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit sich bringt. Um dieser Bandbreite gerecht zu werden, ist das Dossier in folgende vier Teile unterteilt: Das erste Kapitel widmet sich den »Chancen und Herausforderungen«, die der demographischen Wandel insbesondere für den Arbeitsmarkt, das Wirtschaftssystem und Personalmanagement mit sich bringt. Im zweiten Kapitel werden erfolgreiche Konzepte und Maßnahmenkataloge aus der Alltagspraxis von Großunternehmen und KMUs vorgestellt. Anschließend stellt das Dossier Best Practise-Beispiele für Diversity-Management im öffentlichen Sektor und im sozialen Bereich vor. Im vierten Kapitel »Strategien und Tools« finden sich Beiträge, die einen breiten Überblick über hilfreiche Analyseinstrumente und Maßnahmen zur produktiven Gestaltung demographiegerechter und Diversity-orientierter Strategien geben. 

Weitere Informationen unter
http://www.charta-der-vielfalt.de/de/service/publikationen/jung-alt-bunt.html

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IW: Der Beitrag der Zuwanderung nach Deutschland zur Fachkräftesicherung

Deutschland ist ein Zuwanderungsland. Im Zuge der europäischen Finanzkrise hat sich insbesondere die Zuwanderung von jungen Menschen aus den südlichen EU-Mitgliedsstaaten erhöht. In seiner Untersuchung zeigt Wido Geis vom Institut für Wirtschaft Köln, welchen Beitrag die Neuzuwanderer zur Fachkräftesicherung in Deutschland leisten können. Während in den 1950er bis 1970er Jahren vor allem niedrig qualifizierte junge Männer aus Südeuropa und der Türkei nach Deutschland kamen, verfügen mehr als ein Viertel der Neuzugewanderten zwischen 25 und 65 Jahren über einen Hochschulabschluss - in der Gesamtbevölkerung sind es nur 18 Prozent. Darunter haben viele der neuzugewanderten Hochschulabsolventen ein Studium in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Medizin und Technik) abgeschlossen. Aufgrund ihrer Qualifikation gelinge die Integration der Neuzuwanderer in den Arbeitsmarkt immer besser.

Studie: Wido Geis (2012): Der Beitrag der Zuwanderung zur Fachkräftesicherung.

Weitere Informationen unter
http://www.iwkoeln.de/de/studien/iw-trends/beitrag/87626

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Diversity-Management in Unternehmen als lohnende betriebswirtschaftliche Investition

Die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants hat eine Studie zum Diversity Management von internationalen Unternehmen veröffentlicht. Es werden bestehende Programme von internationalen Unternehmen vorgestellt und ihre Effekte gemessen. Ein Resultat: Die Förderung von Vielfalt lohnt sich. Durch systematische Investitionen in Diversity-Maßnahmen können deutsche Unternehmen rund 21 Milliarden Euro Kosten einsparen.

Weitere Informationen unter
http://www.rolandberger.com/media/pdf/Roland_Berger_Diversity_and_Inclusion_D_20120716.pdf

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»Potenziale des Alters nutzen«: Stellungnahme der BAGSO zur Altersgrenzendebatte

Ältere und alte Menschen sind heute in der Regel besser ausgebildet, vitaler und gesünder als frühere Generationen. Altersgrenzen stehen einer Nutzung dieser Potenziale vielfach im Wege. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) fordert deswegen eine Abschaffung starrer Altersgrenzen für Berufe und Ehrenämter. Stattdessen müssen im Rahmen eines Altersmanagements flexible, sich an der persönlichen Lebenssituation orientierende Arbeitszeitmodelle sowie verbindliche Kriterien für eine verantwortliche Gestaltung des Ehrenamts entwickelt werden. Dazu gehören für die BAGSO z.B. auch »eine altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, die Bildung von altersgemischten Teams, kontinuierliche Fortbildungsmaßnahmen und ein umfassendes Gesundheitsmanagement«. Des Weiteren empfiehlt sie eine Überprüfung von Vergünstigungen, die an das Erreichen eines bestimmten Lebensalters geknüpft sind, die Erweiterung des Diskriminierungsschutzes beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen (z.B. bei der Vergabe von Krediten und im Versicherungswesen) sowie arbeitsmarktpolitische Instrumente und gemeinwohlorientierte Beschäftigungsangebote für ältere Menschen. 

Vollständiger Artikel unter
http://www.bagso.de/fileadmin/Aktuell/Positionen/2012/BAGSO_Positionspapier_Altersgrenzen_689_KB.pdf

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MEHR VIELFALT = WENIGER SOZIALER ZUSAMMENHALT? SCHLÜSSELTEXTE ZUR SOZIALKAPITAL- UND LEITKULTURDEBATTE

Robert Putnam (2007): Ethnische Diversität und sinkendes Sozialkapital

Mehr kulturelle Vielfalt gleich weniger Sozialkapital - dies ist, etwas verkürzt formuliert, das zentrale Ergebnis von Robert Putnams im Jahr 2000 durchgeführter quantitativer Erhebung. Putnam hat hierfür 30.000 Personen in den USA nach ihren Vertrauen in ihre Nachbarn, in Personen ihrer eigenen ethnischen Gruppe sowie in Personen anderer ethnischer Gruppen gefragt. Herausgekommen ist: In ethnisch gemischteren Nachbarschaften ist nicht nur das Vertrauen gegenüber Fremden - hier: Personen einer anderen ethnischen Gruppe -, sondern generell gegenüber dem Nachbarn und auch innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe geringer. Kulturelle Vielfalt führe somit nicht zu einer größeren ingroup-/outgroup-Spaltung bzw. zu einer wachsenden Feindseligkeit zwischen verschiedenen Gruppen, sondern zu individuellem Rückzug bis zu sozialer Isolation. Ferner hat Putnam auch einen Rückgang in der Wahlbeteiligung, im Vertrauen zur Kommunalpolitik und in der Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, festgestellt.

Seine Schlussfolgerung lautet jedoch nicht »weniger Vielfalt«, sondern er fordert eine Integrationspolitik, die auf eine Rekonstruktion von Identitäten abzielt. Da kulturelle Vielfalt in westlichen Gesellschaften zukünftig nicht nur ein Faktum darstelle, sondern im Hinblick auf Kreativität und wirtschaftliches Wachstum auch einen gesellschaftlichen Mehrwert, komme es darauf an, die Bedeutung von Ethnizität für soziale Identität zu reduzieren und stattdessen die Ausbildung von geteilten Identitäten zu stärken. Hiefür gelte es früh auf einen stärkeren Austausch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu setzen, z.B. in der Schule.

Putnam, Robert D. (2007): E Pluribus Unum: Diversity and Community in the Twenty-first Century The 2006 Johan Skytte Prize Lecture. In: Scandinavian Political Studies 30, no. 2, 137-174.

Artikel unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-9477.2007.00176.x/full

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Gesthuizen/ Van der Meer/ Scheepers: Ethnische Vielfalt und Sozialkapital in Europa

Maurice Gesthuizen, Tom Van de Meer und Peer Scheepers haben Putnams Thesen mithilfe des Eurobarometers für den europäischen Kontext überprüft. Insgesamt wurden im Jahr 2004 27.000 Personen in 28 Ländern in Straßeninterviews befragt. Ihr Ergebnis: In Europa lässt sich der von Putnam postulierte negative Zusammenhang zwischen ethnischer Vielfalt und Sozialkapital empirisch nicht nachweisen. Aber zwei andere Faktoren haben einen signifikanten Einfluss auf die Bildung von Sozialkapital: die gesellschaftliche Verteilung von Wohlstand und die Erfahrung mit der Regierungsform Demokratie. Innerhalb der 28 untersuchten Länder war deswegen das Sozialkapital in den Ländern Nord- und Westeuropas größer als in den süd- und osteuropäischen Ländern.

Gesthuizen, Maurice / Van der Meer, Tom/ Scheepers, Peer (2008): Ethnic Diversity and Social Capital in Europe: Tests of Putnam’s Thesis in European Countries. In: Scandinavian Political Studies, Vol. 32 – No. 2, p. 121-142

Artikel unter
http://ics.uda.ub.rug.nl/FILES/root/Articles/2009/GesthuizenM-Ethnic/GesthuizenM-Ethnic-2009.pdf

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WZB-Studie: Ethnische Vielfalt, soziales Vertrauen und Zivilengagement

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts bestätigen einen negativen Zusammenhang zwischen ethnischer Vielfalt und dem Kooperationsvermögen sowie sozialem Vertrauen. Ein Rückgang von Vertrauen und Kooperationsbereitschaft findet dabei nicht nur bei einem realen, sondern bereits bei einem wahrgenommenen Anwachsen ethnischer Vielfalt statt. Im Hinblick auf die strukturelle Dimension politischer Beteiligung sind die Ergebnisse allerdings weniger eindeutig: Zwar konnte in der Studie belegt werden, dass ethnische Diversität negative Auswirkungen auf pro-soziales Verhalten hat, in Bezug auf Engagement in Organisationen oder die Beteiligung an Demonstrationen ließen sich jedoch keine signifikanten Effekte objektiver oder wahrgenommener Diversität nachweisen. Entgegen Putnams Deutung, dass ethnische Vielfalt zu einem Rückzug ins Private führe, gelangt die Studie zu der Schlussfolgerung, dass die Diversität zwar Vertrauen und pro-soziales Verhalten beeinträchtigt, Menschen aber auch dazu aktivieren kann, der mangelnden Bereitstellung öffentlicher Güter in diversen Gemeinschaften organisiert entgegenzuwirken.

Koopman, Ruud/ Dunkel, Anna/ Schaeffer, Merlin (2011): Ethnische Vielfalt, soziales Vertrauen und Zivilengagement. WZB: Discussion Papers

Studie unter
http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2011/iv11-703.pdf

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Hinterhuber: Abrahamischer Trialog und Zivilgesellschaft

Ausgehend vom Bedeutungsgewinn religiöser Fragen und Konflikte in der jüngsten Vergangenheit fragt Eva Maria Hinterhuber, welches sozialintegrative Potenzial zivilgesellschaftliche Initiativen im Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen - so genannte Trialog-Initiativen - haben. Die Studie ist in zwei Teile gegliedert: Nach einer theoretischen Einführung in die Debatten um Zivilgesellschaft, Religion, Migration und Integration wird im ersten Teil untersucht, ob und wie Trialog-Initiativen einen zivilgesellschaftlichen Mehrwert haben. Einen solchen Mehrwert stellt in diesem Zusammenhang die Förderung von Integration und Inklusion, von gegenseitigem Respekt und der Akzeptanz von Pluralität dar. Es werden die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Trialog-Initiativen und einer Dokumentenanalyse vorgestellt und zudem Beispiele aus acht anderen europäischen und außereuropäischen Ländern vorgestellt. Der zweite Teil der Studie beinhaltet eine Sammlung und Darstellung von Trialog-Foren, -Vereinigungen, - Initiativen und - Organisationen in Deutschland. Alle Kurzportraits sind mit Ansprechpersonen und Kontaktdaten versehen.

Hinterhuber, Eva Maria (2009): Abrahamischer Trialog und Zivilgesellschaft. Eine Untersuchung zum sozialintegrativen Potenzial des Dialogs zwischen Juden, Christen und Muslimen. Stuttgart: Lucius & Lucius

Weitere Informationen unter
http://www.luciusverlag.com/shop/product_info.php/info/p9765_Abrahamischer-Trialog-und-Zivilgesellschaft.html

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Haller/ Niggeschmidt: Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz

Nach der Veröffentlichung seines Buches wehrte sich Thilo Sarrazin dagegen, als Eugeniker bezeichnet zu werden. Genau diese Parallelen zu eugenischen Denkmustern aufzuzeigen, ist das Anliegen des 2012 erschienenen Sammelbandes von Michael Haller und Martin Niggeschmidt. In zehn Einzelbeiträgen von Vertretern verschiedener Wissenschaftsdisziplinen werden Sarrazins Argumentationslinien rekonstruiert, wissenschaftlich eingeordnet und überprüft. Dabei werden ideologische Anleihen entlarvt - z.B. bei der US-amerikanischen Ethno-Rechten - und insbesondere die These der Vererbbarkeit von Intelligenz einer kritischen Prüfung unterzogen. Der Sammelband zeigt weiterhin den gesellschaftswissenschaftlichen Kontext der Sarrazin-Debatte auf und offenbart das dahinterstehende Motiv einer bürgerlichen Angst vor Statusverlust.

Haller, Michael / Niggeschmidt, Martin (Hrsg.) (2012): Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz. Von Galton zu Sarrazin: Denkmuster und Denkfehler der Eugenik, Wiesbaden: Springer VS Verlag 

Weitere Informationen unter
http://www.von-galton-zu-sarrazin.de

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GESELLSCHAFT DER VIELFALT: MITTEL-WEGE-INSTRUMENTE

Bettina Schmidt: »Ressource Vielfalt: Mittel - Wege - Instrumente«

Heute gibt es kaum noch Unternehmen, Hochschulen, öffentliche Verwaltungen und gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel Sportvereine, die sich nicht mit dem Thema Diversity und somit der Berücksichtigung von Vielfalt auseinandersetzen. Führungskräfte positionieren sich öffentlich zu den Themen Chancengleichheit und Diversity. Sie machen dies, weil sie erkannt haben, dass der Erfolg bzw. das Überleben ihres Unternehmens oder ihrer Einrichtung wesentlich von einem gezielten Fördern von Vielfalt und Offenheit abhängt. Dies ist leider nicht in allen Teilen der Welt der Fall.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben auf die sich ändernden gesellschaftlichen Herausforderungen reagiert. Im Jahr 2000 wurde von der Europäischen Union die Antidiskriminierungsrichtlinie verabschiedet, und 2006 trat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland in Kraft. Damit wurde eine Grundlage geschaffen, die zugleich den Schutz und die Förderung von Vielfalt sichert. So können Arbeitgeber das Gesetz nutzen, um benachteiligte Personengruppen durch geeignete »positive Maßnahmen« speziell zu fördern und somit bestehende Nachteile auszugleichen.


Weiterlesen unter
snl02_schmidt-final.pdf (21 kB)

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»Aktion zusammen wachsen« des Bundesfamilienministeriums

Seit Januar 2011 führt das Bundesfamilienministerium in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration die »Aktion zusammen wachsen« durch. Ihr Ziel ist, allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen und die Integration von Zuwandererfamilien in Deutschland zu fördern. Hierfür werden bereits bestehende Patenschaftsprojekte für junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund unterstützt und Projektneugründungen gefördert. Über die Patenschaftsprojekte sollen Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien Hilfe beim Erwerb der deutschen Sprache, bei den Hausaufgaben sowie beim Übergang von der Schule in die Ausbildung erhalten. Unter dem Motto »Bildungspatenschaften stärken - Integration fördern« plant das Bundesfamilienministerium, die regionalen Strukturen der Aktion auszubauen und mit bestehenden Programmstrukturen wie »Aktiv im Alter« und Mehrgenerationenhäuser zu vernetzen.

Weitere Informationen unter
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/freiwilliges-engagement,did=166052.html

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Praxishandbuch zur interkulturellen Verwaltungspraxis des Landes Berlin

Seit Anfang 2012 bietet der Berliner Senat im Internet frei zugängliche »Berliner Hefte zur interkulturellen Verwaltungspraxis« zu verschiedenen Themenfeldern der interkulturellen Verwaltungspraxis an, z.B. zu Personal- und Organisationsentwicklung und zu den Bedürfnissen von Migrantengruppen. Die Hefte werden fortlaufend aktualisiert und können im Abonnement bezogen werden. Außerdem gibt es ein Praxishandbuch zum downloaden: »Interkulturelle Öffnung - Praxishandbuch für die Berliner Verwaltung«.

Weitere Informationen unter
http://www.berlin.de/lb/intmig/publikationen/ikoe/index.html

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Handbuch zum Anti-Diskriminierungsgesetz

Wie kann man gegen Diskriminierung vorgehen? Wann kann eine Verbandsklage erhoben werden? Unter welchen Voraussetzungen ist die Einreichung einer Beschwerde auf internationaler Ebene sinnvoll? Diesen und anderen Fragen widmet sich das Online-Handbuch »Aktiv gegen Diskriminierung« des Deutschen Institut für Menschenrechte, das ab dem 9. August 2012 online steht. Das Handbuch richtet sich insbesondere an Verbände. Es bietet einen breiten Überblick über die nationalen und internationalen Rechte und Beteiligungsmöglichkeiten in Gerichts- und Beschwerdeverfahren zum Diskriminierungsschutz mit konkreten Handlungsanleitungen und praxisorientiertem Wissen. Ein geschlossener Mitgliederbereich mit einem Diskussionsforum zu wechselnden Themen ermöglicht, sich mit anderen Mitgliedern über den Diskriminierungsschutz auszutauschen. 

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) unter
http://www.gesetze-im-internet.de/agg/index.html
 
Online-Handbuch unter
http://www.aktiv-gegen-diskriminierung.de

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Charta der Vielfalt

Die »Charta der Vielfalt« ist eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen. Sie wurde 2006 von Daimler, der BP Europa SE (ehemals Deutsche BP), der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom ins Leben gerufen. Das gemeinsame Ziel der mittlerweile mehr als 1250 Unterzeichner ist, die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur voranzubringen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Die Initiative wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, unterstützt. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ist Schirmherrin.

Weitere Informationen unter
http://www.charta-der-vielfalt.de/de/startseite.html

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Orte der Vielfalt

Im November 2007 rief die Bundesregierung gemeinsam mit zahlreichen Verbänden die Initiative »Orte der Vielfalt« ins Leben, um mit engagierten Kommunen zusammen ein bundesweites Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Deutschland zu setzen. Ziel der Initiative ist es, die demokratischen Kräfte in Städten, Gemeinden und Kreisen in ihrem Engagement für Vielfalt zu unterstützen. Alle sich beteiligenden Kommunen wurden auf der Website vorgestellt und in einer »Karte der Vielfalt« markiert. Besonders engagierte Kommunen konnten sich darüber hinaus für eine Auszeichnung (Ortsschild) als »Ort der Vielfalt« bewerben. 

Weitere Informationen unter
http://www.orte-der-vielfalt.de
 
Karte der Vielfalt unter
http://www.orte-der-vielfalt.de/index.php?id=orte-der-vielfalt

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Bündnis für Demokratie und Toleranz

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz wurde am 23. Mai 2000 vom Bundesministerium des Innern und dem Bundesjustizministerium am Jahrestag der Verkündigung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die vollständige Bezeichnung lautet: »Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT)«. Ziel des Bündnisses ist es, zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz sichtbar zu machen und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zum Einsatz für Demokratie zu ermutigen und anzuregen. Hierfür vergibt das Bündnis jährlich den Toleranzpreis »Aktiv für Demokratie und Toleranz« für Projekte, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus wenden.

Weitere Informationen unter
http://www.buendnis-toleranz.de

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Interkulturelle Woche

Die Interkulturelle Woche ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird von den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Integrationsbeauftragten und -beiräten, Migrantenorganisationen und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. Das diesjährige Motto lautet: »Herzlich willkommen – wer immer Du bist.« Die Interkulturelle Woche beginnt am 23. September mit einer bundesweiten Auftaktveranstaltung in Potsdam. Die Veranstalter rechnen mit rund 4.500 Veranstaltungen in mehr als 450 Städten, Landkreisen und Gemeinden.

Weitere Informationen unter
http://www.interkulturellewoche.de

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Kinderrechtskonvention

Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, kurz UN-Kinderrechtskonvention, ist seit dem 2. September 1990 in Kraft. Mit Ausnahme der USA und Somalia sind alle Staaten der UN-Konvention beigetreten. Sie legt wesentliche Standards zum Schutz der Kinder weltweit fest.

Kinderrechtskonvention unter
http://www.national-coalition.de/pdf/UN-Kinderrechtskonvention.pdf

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Qantara.de - Brücke zur islamischen Welt

Das arabische Wort »qantara« bedeutet Brücke. Damit ist zugleich das zentrale Anliegen der Internetplattform qantara.de beschrieben: Es geht darum, eine Brücke zu bilden zwischen der islamischen und nicht-islamischen Welt und Impulse zu setzen für einen Dialog der Kulturen. Das Internetportal wurde gemeinsam von der Deutschen Welle, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen ins Leben gerufen und ist in deutscher, englischer und arabischer Sprache verfasst. Es bietet tagespolitische Beiträge, Hintergrundartikel, Themendossiers, Interviews, Veranstaltungs- und Literaturempfehlungen zu den Themenbereichen Politik, Gesellschaft und Kultur. Außerdem veröffentlicht die Seite im Bereich »Dialoge« Briefwechsel zwischen Intellektuellen unterschiedlicher Kulturkreise, die von qantara.de zu vorgegebenen Themen initiiert wurden.

Weitere Informationen unter
http://de.qantara.de

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FÖRDERUNG VON DIVERSITY: GUTE INITIATIVEN UND PROJEKTE

Wortmann/ Görtler: Diversity & Inclusion - Ein Beitrag zu einer offenen Gesellschaft

Zunehmend erkennen Unternehmen auch in Deutschland das Potenzial und den Nutzen einer auf Vielfalt und Inklusion (Diversity & Inclusion, kurz D&I) aufbauenden Unternehmenskultur. Diese Entwicklung ist als eine Reaktion auf die Herausforderungen zu verstehen, die sich mit dem demographischen Wandel, längerer Lebensarbeitszeit und einem immer stärker werdenden Wertewandel befassen. Hinzu kommt, dass multikulturelle Beleg- und Kundschaften heutzutage den Geschäftsalltag prägen. Ein Unternehmen muss in der Lage sein dementsprechend neue, kreative Lösungen für diese vielfältigen Bedürfnisse zu entwickeln. Für Führungskräfte bedeutet dies, kulturspezifische Überzeugungs- und Wertesysteme verstehen zu können. Das Ziel von Diversity Management ist es daher, Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten zu erkennen und sie zu nutzen.


Weiterlesen unter
snl02_wortmann.pdf (15.6 kB)

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STAATLICHE PROJEKTE ZUR FÖRDERUNG VON DIVERSITY

Nordrhein-Westfalen: Einrichtung von kommunalen Integrationszentren

Seit Juli können alle Kreise und kreisfreie Städte bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung die Förderung eines kommunalen Integrationszentrums beantragen. Die neu eingerichteten Integrationszentren sollen »vor Ort Aktivitäten und Maßnahmen der Integrationsarbeit bündeln, diese gegebenenfalls ergänzen und so zur Verstetigung und Stärkung der Integrations- und Bildungsarbeit beitragen«. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Entwicklung von integrationspolitischen Handlungskonzepten und Konzepten zur interkulturellen Bildung, die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen, die interkulturelle Profilierung von Kultureinrichtungen sowie die Unterstützung von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund. In den Integrationszentren wird die Arbeit der »Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA)« mit den Ansätzen des Landesprogramms »Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit - KOMM-IN NRW« zusammengeführt. Die Personalkosten für die insgesamt 54 kommunalen Integrationszentren übernimmt das Land NRW, für die Bereitstellung von Räumlichkeiten und Büroausstattung sowie die Finanzierung des laufenden Betriebs sind die Kommunen zuständig.

Weitere Informationen unter
http://www.mais.nrw.de/03_Integration/001a_integrationsgesetz/001_Integrationszentren/index.php

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Berlin als Vorreiter von »Tandem-Kooperationen«

Im Rahmen des Aktionsprogramms »Vielfalt fördern - Zusammenhalt stärken« hat der Berliner Senat Tandems- und Kooperationsbeziehungen von Migrantenorganisationen mit Organisationen der Mehrheitsgesellschaft gefördert. Ziel des 2006 verabschiedeten Aktionsprogrammes war es, »integrationspolitische Impulse für mehr Mitwirkung und soziale Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in ihren Quartieren und Lebensräumen auszulösen und die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern«. Das Programm verfolgte drei strategische Schwerpunkte: die Aktivierung von Migrantinnen und Migranten, die interkulturelle Öffnung bestehender Einrichtungen und Stadtteilinstitutionen sowie die Stärkung der Kooperation zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Es hat sich gezeigt, dass die Tandemprojekte wichtige Türöffner zu den Migrantenorganisationen waren und damit einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung des Aktionsprogramms geleistet haben.

Dokumentation des Berliner Senats unter
http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-integration-migration/publikationen/berichte/aktionsprogramm_vf_bilanz.pdf?start&ts=1188547867&file=aktionsprogramm_vf_bilanz.pdf
 
Evaluation des Programms durch das BAMF mit Handlungsempfehlungen für andere Städte unter
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Studien/2011-kooperationmigrantenorganisationen.pdf?__blob=publicationFile

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»Jugend bewegt«: Jugendforum Rheinland-Pfalz

Jugendliche haben großes Interesse an gesellschaftspolitischen Fragen, oft fehlt es aber an Beteiligungsmöglichkeiten. Dies wollten die Landesregierung Rheinland-Pfalz und die Bertelsmann Stiftung ändern. Gemeinsam haben sie im Rahmen des Modellprojekts »jugendbewegt - Dein Einsatz zählt« das »Jugendforum rlp« eingerichtet: eine Internetplattform, auf der Jugendliche über Zukunftsfragen und Probleme von Rheinland-Pfalz diskutieren und Einfluss auf die Politik nehmen konnten. Die Beteiligung im Internet wird dabei durch Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort ergänzt. 

Unmittelbar nach den Sommerferien begann die vierwöchige Online-Beteiligung, bei der die Jugendlichen Anregungen und Beiträge ins Netz stellen oder einfach nur etwas »liken« konnten. Neben Textbeiträgen waren auch Video-, Ton- und Bildbeiträge erlaubt. Im August und September wurde es dann ganz real: Am 22. August konnten sie ihre Ideen mit Bundespräsident Joachim Gauck diskutieren, und am 21. und 22. September haben sie auf einer großen Jugendkonferenz gemeinsam Empfehlungen an die Landeregierung erarbeitet und diese Ministerpräsident Kurt Beck überreicht. 

Weitere Informationen unter
http://jugendforum.rlp.de/projekt.html

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Stuttgart: Integration als Querschnittsaufgabe

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat als eine der ersten deutschen Städte ein integrationspolitisches Gesamtkonzept verabschiedet: das »Bündnis für Integration«. Ziel des Bündnisses ist, die Partizipation und Chancengleichheit von Migranten zu fördern, den sozialen Zusammenhalt und das friedliche Miteinander zu stärken und die kulturelle Vielfalt als Ressource zu nutzen. Das integrationspolitische Konzept gilt für Verwaltung, Wirtschaft und Bürgergesellschaft gleichermaßen und wird in Zusammenarbeit mit Bürgern, Vereinen und Migrantenorganisationen gemeinsam umgesetzt. Damit das Gesamtkonzept nicht an Ressortzuständigkeiten innerhalb der Verwaltung scheitert, wurde Integration zur »Chefsache« erklärt und als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung verankert. Eine eigens hierfür eingerichtete Koordinierungsstelle in der Verwaltungsspitze sorgt für die interkulturelle Öffnung und Kompetenzentwicklung in allen Handlungsfeldern als Bestandteil des Qualitätsmanagements. Unter dem Leitbild »Chancengerechtigkeit für alle unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft« wurden in den letzten Jahren handlungsfeldbezogene Steuerungskreise aufgebaut, die die verschiedenen Strategien zur Förderung von Vielfalt bündeln - z.B. im Rahmen der Stuttgarter Bildungslandschaft.

Weitere Informationen und Kontakt Gari Pavkovic, Leiter der Abteilung Integration, unter
http://www.stuttgart.de/integrationspolitik

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ZIVILGESELLSCHAFTLICHE PROJEKTE ZUR FÖRDERUNG VON DIVERSITY

Projekt »Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt«

Am Deutschen Institut für Menschenrechte ist das Projekt »Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt« gestartet. Ziel ist es, die Beratungs- und Handlungskompetenz von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten hinsichtlich des praktischen Menschenrechtsschutzes zu stärken sowie zum Diversity-Kompetenzaufbau in der Anwaltschaft beizutragen. In dem Projekt, das an den Erfahrungen und Empfehlungen aus dem Projekt »Diskriminierungsschutz: Handlungskompetenz für Verbände« anknüpft, werden Fortbildungs- und Informationsangebote für die Anwaltschaft entwickelt. Der Fokus liegt auf einem menschenrechtsbasierten Diskriminierungsschutz: Anwältinnen und Anwälte sollen wissen, wie die Menschenrechte in nationalen und internationalen Gerichts- und Beschwerdeverfahren zum Schutz vor Diskriminierung Anwendung finden. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird im Rahmen des XENOS-Programms »Integration und Vielfalt« durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. 

Weitere Informationen unter
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de

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Schader-Stiftung: Integrationspotenziale von Klein- und Mittelstädten

Zuwanderung und Integration sind Themen, die in der Regel in Verbindung mit Großstädten diskutiert werden; ländliche Räume spielen in der öffentlichen Debatte eher selten eine Rolle. Dabei ist gerade in den von Strukturschwäche, Abwanderung und den Folgen des demografischen Wandels stark betroffenen ländlichen Regionen eine strategische Ausrichtung der kommunalen Integrationspolitik eine Aufgabe der Zukunftssicherung. Hier setzt das Forschungs-Praxis-Projekt »Integrationspotenziale ländlicher Regionen im Strukturwandel« an, das von der Schader-Stiftung in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund durchgeführt wird. Das dreijährige Projekt (2012-2015) knüpft an die Ergebnisse des Vorgängerprojekts »Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen« (2009-2012) an und will das erarbeitete Erfahrungswissen für die spezifische Situation von Kommunen in schrumpfenden Regionen vertiefen. In sieben Modellkommunen sollen beispielhaft Prozesse der interkulturellen Öffnung angestoßen und die Teilhabechancen von Migranten erhöht werden. Das Projekt will Handlungs- und Ergebniswissen für die kommunalen Akteure erarbeiten, das auch auf andere Kommunen übertragbar ist. Durch ein begleitendes Coaching-Verfahren sollen zudem Vorschläge für ein kommunales Weiterbildungs- und Fortbildungsprogramm mit dem Ziel einer strategischen kommunalen Integrationspolitik erarbeitet werden.

Weitere Informationen zum Projekt unter
http://www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/1258.php
 
Projektbericht des Vorgängerprojektes „Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen“ (2009-2012) unter
http://neu.integrationspotenziale.de/?page_id=147

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Graefewirtschaft e.V. – Kulturen verbinden, Vielfalt leben

Graefewirtschaft e.V. ist eine Selbsthilfeinitiative, die im Kreuzberger Graefekiez von Migrantinnen und Migranten aus neun Nationen und Deutschen gegründet wurde. Ziel des Vereins ist es, dauerhafte Arbeitsplätze für Migrantinnen und Migranten in einem eigenen Unternehmen zu schaffen. Gleichzeitig soll der Austausch zwischen den Kulturen und den Religionen aktiv gefördert, Vorurteilen entgegenwirkt und das Zusammenleben in der Nachbarschaft verbessert werden. Hierfür wurden unter anderem die »Weltküche« (interkultureller Cateringservice und Kiezcafé) und eine Nähwerkstatt gegründet. Die Weltküche zeigt mit ihren Speisen aus den verschiedensten Ländern der Welt die Vielfalt Kreuzbergs und ist interkultureller Treffpunkt der Nachbarschaft geworden. Graefewirtschaft e.V. hat hier eine Vorbildfunktion: Über das selbstorganisierte Projekt konnten auch Arbeitsplätze geschaffen und berufliche Perspektive im Wohnumfeld eröffnet werden.

Weitere Informationen unter
http://www.die-weltkueche.org/der_verein.html

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YUMA: Jung, muslimisch, aktiv

In der öffentlichen Diskussion um den Islam wird viel über Muslime, aber nur wenig mit ihnen gesprochen. Vor allem jüngere Menschen muslimischen Glaubens kommen nur wenig zu Gehör. Das Berliner Projekt »JUMA - jung, muslimisch, aktiv« will das ändern. Es richtet sich an junge Muslime zwischen 15 und 25 Jahren aus Berliner Moscheen, islamischen Verbänden und Organisationen. Ziel ist, muslimische Jugendliche zu ermutigen, sich aktiv in Debatten einzumischen. YUMA bietet hierfür eine Plattform, indem regelmäßig Diskussionen und Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Politik, Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur organisiert werden. Zusätzlich können die Jugendlichen ihr Know-How in Workshops und Seminaren zu Themen wie journalistisches Arbeiten, Kampagnen-Organisation oder interkulturelle Kommunikation erweitern. Träger des Projekts sind die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V.. Gefördert wird YUMA vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Weitere Informationen unter
http://www.juma-projekt.de

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Bar jeder Sicht

Die Bar jeder Sicht ist das lesbisch-schwule Kultur- und Kommunikationszentrum in Mainz. Neben einem vielfältigen kulturellen Programm ist Hilfe für Schwule, Lesben, Bisexuelle und transidentische Menschen eines seiner wichtigen Anliegen. Ehrenamtliche Berater bieten individuelle Beratungen an, informieren über die Aktivitäten von unterschiedlichen Gruppen, helfen bei der Suche nach einer Psychotherapie und vermitteln Kontakte zu Coming Out-Gruppen.

Weitere Informationen unter
http://www.sichtbar-mainz.de

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Der Überraschungseffekt des Boxens

Zweimal in der Woche kommen sie zum Training in die Turnhalle in der ehemaligen Grundschule in Kreuzberg: Mädchen im Alter von elf bis 16 Jahren, groß, kräftig, schmächtig, schüchtern, laut, mit und ohne Migrationshintergrund. Sie kommen, um zu boxen. Der Verein »Boxgirls« wurde 2005 von Heather Cameron, Juniorprofessorin für Integrationspädagogik an der Freien Universität Berlin, ins Leben gerufen. Mit mehr als 100 Mitgliedern in Berlin ist er mittlerweile Europas größter Boxclub für Mädchen und Frauen. Dabei geht es nicht allein ums Boxen, sondern um die Überwindung von Ängsten, um geistige und körperliche Fitness und um das spielerische Erlernen von sozialen und interkulturellen Fähigkeiten. Das Boxen sei für viele Mädchen ein Katalysator, die eigene Stärke zu spüren, und auch in anderen Lebensumständen einzusetzen, so Cameron. Mit Programmen wie »Sicher im Kiez« und »Urban Hero« setzt »Boxgirls« auch auf Konfliktpräventionsprogramme und Einblicke in »mädchenuntypische« Berufe - z.B. bei der Feuerwehr. Und das nicht nur in Berlin: Boxgirls gibt es auch in Nairobi und in Cape Town.

Weitere Informationen unter
http://www.boxgirls.org

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Gemeinsam »abrocken«

Die Rockband »Mary Greenwood« wurde 1997 als integratives Musikprojekt der Behindertenhilfe-Einrichtung Maria Grünewald in Wittlich gegründet. Der heute etablierten Band gehören 13 behinderte und nichtbehinderte Musiker an, die ehrenamtlich mitmachen oder in Maria Grünewald leben und arbeiten. Ihr Motto: »Musik ist wie eine Sprache - eine Sprache, für jeden verständlich und barrierefrei«. Ihre eigenen Texte und ihre Musik kommen gut an. Seit einem Jahr arbeitet die Band mit dem Theater »com.guck« zusammen, einem integrativen Theaterprojekt der Lebenshilfe in der Region Trier. Mit der gemeinsamen Produktion »Love - die Revue« feierten sie Erfolge auf einem Festival in Grevenmachern/ Luxemburg und im Trierer Kultur- und Kommunikationszentrum Tufa. Seit 2005 tourt die Band durch Deutschland und veröffentlicht eigene CDs.

Weitere Informationen unter
http://www.st-raphael-cab.de/navigation-main/aktuelles/pressemitteilungen/detailansicht/-/2010/12/10/brueckenpreis-fuer-mary-greenwood/

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DIVERSITY-PROJEKTE AUS DER UNTERNEHMENSWELT

Vergessene Talente: Ein Projekt von IBM in Kooperation mit der Caritas

Derzeit leben in Deutschland ca. 55. 000 Asylsuchende mit dem Status einer Duldung oder einer Bleibeberechtigung - viele bereits über Jahre. Aufgrund ihres unsicheren Status dürfen sich Flüchtlinge nur in sehr eingeschränktem Ausmaß betätigen. Ihnen werden dadurch Möglichkeiten der individuellen Weiterentwicklung und der Integration in die Aufnahmegesellschaft vorenthalten; umgekehrt vergeudet die Gesellschaft viele Kompetenzen und Talente. Hier setzt das Kooperationsprojekt von IBM und Caritas »Vergessene Talente« an. Im Gemeinschaftsprojekt werden Flüchtlinge gezielt motiviert, über ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu sprechen und diese in einem persönlichen Profil von IBM-Mitarbeitern zusammenstellen zu lassen. Auf Grundlage der Profile werden individuelle Entwicklungsmöglichkeiten ermittelt und passende Engagementmöglichkeiten und Fortbildungsangebote vorgestellt. Die Flüchtlinge kommen so in Kontakt zu Einrichtungen und Bewohnern in ihrem Stadtteil, können sich in ihrem Gastgeberland engagieren, und ihre Zeit nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und sich praxisnah weiterzubilden. Die Caritas bringt dazu die Feldkompetenz und Infrastruktur ein. Umgekehrt profitiert das Gemeinwesen von den vielfältigen Kenntnissen, Fertigkeiten und Erfahrungen der Flüchtlinge und vom kulturellen Austausch.

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»Gemeinsam stark« - Gelebte Inklusion bei ABB Deutschland

Bereits seit über zehn Jahren unterstützt ABB Special Olympics Deutschland - die größte Breitensportbewegung für Kinder und Erwachsene mit geistiger Behinderung. Bei ABB hat Special Olympics viele Freunde. Das Besondere: Die Partnerschaft geht über ein rein finanzielles Sponsoring hinaus, jeder Einzelne kann sich einbringen. Ob Arbeiter, Angestellter oder Führungskraft - mehr als 2.000 Mitarbeiter haben sich seit dem Jahr 2000 schon beteiligt. Als freiwillige Helfer bei den Nationalen Sommer- und Winterspielen können sie sich persönlich einsetzen und die Freude der Athleten hautnah miterleben.

Weitere Informationen unter
http://www.abb.de/specialolympics

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Die Beiträge dieses Newsletters geben, sofern nicht ausdrücklich als solche Nachrichten gekennzeichnet, nicht die Meinung des BBE wieder, sondern repräsentieren die Vielstimmigkeit der Meinungen und Akteure im BBE und im Feld der Engagementförderung und -politik. 

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Die Hinweise auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Publikation von Nachrichten im BBE-Newsletter finden Sie unter Impressum.

Redaktion: PD Dr. Ansgar Klein, Gabriele Schmidt, Dieter Rehwinkel und Tabea Canham

Eine Übersicht über die nächsten geplanten Schwerpunkt-Themen finden Sie unter Kommende Themen.

Die Öffentlichkeitsarbeit des BBE wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. 

Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) 
- Geschäftsstelle -
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Geschäftsführer Dr. Ansgar Klein
Telefon: (0 30) 6 29 80-11 0
E-Mail: ansgar.klein(at)b-b-e.de

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