»Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements«
Bericht der Enquete-Kommission (Auszug)

Bürgerschaftliches Engagement: Institutionalisierung auf Bundesebene

Sowohl das Internationale Jahr der Freiwilligen 2001 als auch die Arbeit der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages »Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements« haben deutlich gemacht, dass bürgerschaftliches Engagement der Verstetigung bedarf. Neben zahlreichen einzelnen Fördermaßnahmen gab das Internationale Jahr der Freiwilligen Anstöße zur Vernetzung unterschiedlicher Träger bürgerschaftlichen Engagements und seiner Förderung. Im Rahmen des »Nationalen Beirats zum Internationalen Jahr der Freiwilligen« etablierte sich ein regelmäßiger Austausch zwischen Politik und Verbänden des Dritten Sektors. Die Enquete-Kommission »Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements« wurde von Engagierten und ihren Organisationen von Anfang an auch als Vermittlerin der Anliegen bürgerschaftlichen Engagements in den politisch-parlamentarischen Raum wahrgenommen und angesprochen.

Beide Institutionen, die Enquete-Kommission und der Nationale Beirat, hatten einen befristeten Auftrag – nach Erledigung ihres Auftrags können sie in der bisherigen Form nicht weiter bestehen. Im Sinne einer nachhaltigen Förderung bürgerschaftlichen Engagements gilt es jedoch, die Funktionen dieser Institutionen zu Unterstützungsstrukturen für bürgerschaftliches Engagement auf nationaler Ebene zu verstetigen. Für die Organisationen des Dritten Sektors steht dabei neben dem Erfahrungs- und Informationsaustausch vor allem eine verbesserte Vertretung ihrer Interessen als Träger bürgerschaftlichen Engagements im Mittelpunkt des Interesses. Für den Staat kommt es darauf an, die auf verschiedenen Ebenen und Fachpolitiken angesiedelten Maßnahmen zu bündeln, einen Ansprechpartner mit hohem Bekanntheitsgrad für Anliegen der Bürgergesellschaft zur Verfügung zu stellen, die Förderung bürgerschaftlichen Engagements in der politischen Diskussion zu halten sowie Kontakte innerhalb wie außerhalb der politischen Administrationen zusammenzuführen.

In anderen europäischen Ländern hat sich eine solche Unterstützungsstruktur in verschiedener Weise herausgebildet (vgl. Riedel 2000). So gibt es in Großbritannien eine Abteilung im Innenministerium (»Active Community Unit«), die Förderaktivitäten koordiniert und Verbindungen zwischen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und dem Staat aufbaut. Gleichzeitig haben sich mit dem »National Centre for Volunteering« (NCV) und dem »National Council for Voluntary Organisations« (NCVO) landesweite Institutionen etabliert, die die Interessen des Dritten Sektors auch gegenüber dem Staat zur Geltung bringen. Ein Ergebnis leistungsfähiger nationaler Unterstützungsstrukturen ist der »Compact on Relations between Government and the Voluntary and Community Sector in England«, mit dem sich beide Seiten auf Entwicklungsprinzipien und Maßnahmen der Zusammenarbeit verpflichten. Auch in den Niederlanden gibt es mit dem »Nederlandse Organisaties Vrijwilligerswerk« (NOV) eine Mitgliederorganisation als Dachverband des Freiwilligensektors auf nationaler Ebene; in Dänemark wurde das Komittee für freiwilliges soziales Engagement als Kontaktinstitution zwischen federführendem Sozialministerium, Gebietskörperschaften und Organisationen des Dritten Sektors eingesetzt. Die Vertreterinnen und Vertreter werden teils als Fachleute benannt, teils von den freiwilligen Assoziationen gewählt.

Die einzelnen Elemente einer solchen Unterstützungsstruktur haben unterschiedliche Funktionen. Überregionale Netzwerke des Dritten Sektors tragen dazu bei, den Organisationen bürgerschaftlichen Engagements mit einer ihrem Gewicht entsprechend lauten Stimme Gehör zu verschaffen. Sie koordinieren und vertreten die Anliegen und Interessen des Dritten Sektors. Bei Fragen der Förderung bürgerschaftlichen Engagements ist jedoch häufig nicht nur der Dritte Sektor gefragt: Bürgerschaftliches Engagement ist nicht nur bereichs-, sondern auch sektor-übergreifend. Entsprechend wichtig sind Vernetzungen zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bzw. Drittem Sektor – auch sie koordinieren Informationen und Maßnahmen und betonen die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements als Querschnittsaufgabe.

Netzwerk und Interessenvertretung der Bürgergesellschaft

Die Selbstorganisation der Bürgergesellschaft trägt dem Bedürfnis nach einer nationalen Interessenvertretung bürgerschaftlichen Engagements ebenso Rechnung wie dem Anliegen einer Vernetzung der Sektoren. Sie kann nicht vom Staat initiiert werden, sondern muss sich aus bestehenden Strukturen der Bürgergesellschaft heraus bilden und sich selbst ihre Form geben. Ein solches bundesweites Netzwerk sollte

  • Anwalt und Sprachrohr des bürgerschaftlichen Engagements gegenüber Staat, Gesellschaft, Verbänden und Institutionen sein;
  • Anstöße zur Förderung und Weiterentwicklung bürgerschaftlichen Engagements geben;
  • weitere Forschung zum bürgerschaftlichen Engagement anregen;
  • zur Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Drittem Sektor beitragen;
  • den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch fördern.

Quelle
Deutscher Bundestag / Enquete-Kommission »Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements«, Bericht Bürgerschaftliches Engagement: Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. Leske+Budrich, Opladen, 2002, S. 602 ff.

 


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