Freiwilligendienste als besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements haben in jüngster Zeit stark an Bedeutung gewonnen. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung und Zukunft der Bürgergesellschaft. Freiwilligendienste unterscheiden sich von bürgerschaftlichem Engagement (BE) vor allem dadurch, dass es ein zwar befristetes Engagement ist, allerdings mit einem in der Regel größeren Wochenstundendeputat, einer größeren Verbindlichkeit (etwa in Form von schriftlichen Vereinbarungen) und zum Teil gesetzlich geregelten Rahmenbedingungen.
Bereits seit Jahrzehnten gibt es die gesetzlich geregelten Jugendfreiwilligendienste: das Freiwillige Soziale Jahr - FSJ - (seit mehr als 40 Jahren) und das Freiwillige Ökologische Jahr - FÖJ - (seit mehr als 10 Jahren). Vor allem nach der Novellierung der Gesetze 2002 stiegen die Teilnehmer/innenzahlen erheblich auf inzwischen jährlich mehr als 30.000 Jugendliche.
Neu hinzugekommen sind 2005 »Generationsübergreifende Freiwilligendienste – GÜF«. An diesem 2008 beendeten Modellprogramm der Bundesregierung haben mehr als 9.000 Freiwilligendienstler/innen aller Altersgruppen teilgenommen. Mit dem für 2009 neu gestarteten »Freiwilligendienst aller Generationen – FDaG« soll eine Verstetigung und flächendeckende Ausweitung von Freiwilligendiensten aller Altersgruppen erreicht werden.
Bereits 2008 wurde »weltwärts« gestartet, ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Ziel ist die Teilnahme von jährlich 10.000 Jugendlichen.
Im Rahmen seiner Kulturarbeit hat das Auswärtige Amt im Februar 2009 für junge Menschen den 6- oder 12-monatigen Freiwilligendienst »Kulturweit« gestartet, der in Entwicklungsländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas sowie in Staaten Mittel- und Südosteuropas absolviert werden kann.
Auch das Bundesinnenministerium plant einen Freiwilligendienst, der im Zusammenhang mit dem Katastrophenschutz stehen soll.
Bei der Diskussion um die Förderung und Ausweitung von Freiwilligendiensten über die Altersgruppe der 16-27-Jährigen hinaus spielten und spielen die folgenden Fragen und Aspekte eine maßgebliche Rolle:
Mit der Novellierung des Jugendfreiwilligendienstegesetzes 2008 – das FSJ und FÖJ zusammenführt und den Charakter der Dienste als kompetenzbasierte Bildungsdienste stärker hervorhebt – und den Freiwilligendiensten aller Generationen FDaG sind erste Antworten auf diese Fragen gefunden worden:
Es konnten neue Bevölkerungsgruppen für Freiwilligendienste vor allem aufgrund der Tatsache gewonnen werden, dass es flexiblere, den Bedürfnissen der Engagierten eher entsprechende Zeitstrukturen und neue Einsatzfelder gibt.
Für die Freiwilligendienstler/innen bedeutet ihr Engagement nicht nur Verantwortung und Tätigsein für andere, sondern für sie selbst auch Orientierung, Qualifizierung und Sinngebung. Es ermöglicht »die nützliche Erfahrung, nützlich zu sein« (Hartmut von Hentig). Die dafür notwendigen Bedingungen sind: die Qualifizierung für den Einsatz, die Chance, den Freiwilligendienst mit anderen zu reflektieren und die Begleitung durch erfahrene Träger/ Einsatzstellen. Inzwischen wurden auch Fragen der Unfall- und Haftpflichtversicherung geklärt und Lösungen für die Steuerbefreiung und die Befreiung von Sozialversicherungspflicht gefunden, wenn Freiwilligendienstler/innen statt einer Erstattung der Kosten eine pauschale Aufwandsentschädigungen erhalten.
Die Freiwilligendienste, auch die neueren für alle Altersgruppen, werden von einer Vielzahl von Trägern und Verbänden aus den Bereichen des Sozialen, der Kultur, des Sports, der Umwelt gestaltet. Seit 2005 sind auch Infrastruktureinrichtungen wie Freiwilligenagenturen und Seniorenbüros beteiligt.
In allen Bundesländern sind 2009 vom Bund geförderte Kompetenzteams geschaffen worden, die nun für drei Jahre nach jeweils eigenen Konzepten begonnen haben, Kommunen und Träger für die Einrichtung von Freiwilligendiensten vor Ort zu gewinnen und sie auf die Werbung und Qualifizierung von Freiwilligendienstler/innen vorzubreiten. Die gleichzeitig geförderten 45 Leuchtturmprojekte entwickeln beispielhaft neue Einsatzmöglichkeiten für Freiwilligendienste.
Deutlichen Handlungsbedarf sehen die Träger bei den Jugendfreiwilligendiensten FSJ und FÖJ, damit sie ihre herausragende Bedeutung als Bildungsmaßnahme und als Einstieg in nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement bewahren können. Seit Jahren stagniert die Finanzierung auf einem niedrigen Niveau, und im Bereich des FSJ gibt es für einen großen Teil der Jugendlichen keinerlei Bundesmittel. Die Träger befürchten, dass unter diesen Bedingungen die bewährte Qualität des FSJ und FÖJ dauerhaft nicht mehr gehalten werden kann. In Folge sinkt die Bereitschaft der Träger und Einsatzstellen, eine ausreichende Zahl von Plätzen für die interessierten Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.
Mit der Arbeitsgruppe »Freiwilligendienste« hat das BBE ein Forum geschaffen, die Arbeit und Entwicklung der Freiwilligendienste transparent zu machen, zu reflektieren, ihre Vielfalt mitzugestalten und Lösungsvorschläge für offene Fragen zu erarbeiten. Sie ist auch ein Ort für wechselseitige Information der Mitglieder über die jeweiligen Entwicklungen und Erschwernisse der unterschiedlichen Freiwilligendienste und für die Vernetzung und Bündelung der vielfältigen Formen. Die hier vorhandenen fachlichen Kompetenzen stellen ein Potential dar, das für die Weiterentwicklung der Freiwilligendienste auch von der Politik genutzt werden kann und sollte. In diesem Sinne wird auch die Arbeit des Bundestagsunterausschusses »Bürgerschaftliches Engagement« begleitet.
Ziele der Arbeitsgruppe sind:
Das »European Network of National Civil Society Associations« (ENNA) sucht einen Koordinator, der…
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