Pfrommer: Globaler Austausch mit dem CHAT der WELTEN

Einleitung

Ausgewiesene Selfie Spots, Handyfotos von Speisen, Gruppenjagd auf virtuelle Pokémons: Kommunikation über digitale Medien ist heutzutage aus dem öffentlichen Leben kaum noch wegzudenken. Menschen teilen ihr Leben mit ihren Mitmenschen über Instagram, Snap Chat und andere Social Media Kanäle.

Warum diese nicht auch für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit nutzen? Genau an dieser Stelle setzt der CHAT der WELTEN an. Er kombiniert Globales Lernen[1] mit dem Einsatz digitaler Medien und bringt so Schulklassen aus Deutschland und Personen Afrika, Asien und Lateinamerika in Austausch miteinander.

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Per CHAT in die WELT

»Wieso sollte man das Leitungswasser in Antofagasta, Chile, besser nicht trinken? Und was hat mein Handy damit zu tun?« Beim CHAT der WELTEN werden Kinder und Jugendliche animiert, sich mit globalen Herausforderungen auseinanderzusetzen, ihre eigene Verbindung zu dem Thema zu reflektieren und sich zu überlegen, wie sie zur Gestaltung einer gerechteren Welt beitragen können. Dazu bietet der CHAT der WELTEN Kindern und Jugendlichen ab der 5. Klasse an, per Videochat mit Menschen aus aller Welt ins Gespräch zu kommen und ihre Sichtweisen kennen zu lernen. Dies kann einmalig in einer Projektwoche, aber auch über ein ganzes Schuljahr hinweg – etwa in Form einer AG – stattfinden.

Der CHAT der WELTEN ist ein Angebot der Engagement Global gGmbH und wird mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Derzeit wird der CHAT der WELTEN von vier zivilgesellschaftlichen Trägerorganisationen in Baden-Württemberg, Brandenburg, Saarland und Thüringen umgesetzt.

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Ein CHAT der WELTEN-Projekt in fünf Schritten erklärt

Im vergangenen Jahr gab es rund 130 CHAT der WELTEN-Projekte, an denen mehr als 4.000 Kinder und Jugendliche weltweit teilnahmen. Wie genau ein Projekt abläuft, lässt sich gut anhand von fünf Schritten erklären.

1. Planungsphase

Jedes CHAT der WELTEN-Projekt beginnt zunächst mit der Planung des Zeitraums sowie mit der Themenfindung. Dazu kontaktieren interessierte Schulen ihre nächstgelegene Regionalkoordinationen. So war es auch bei einer Schule in Hermersdorf der Fall: Für die anstehende Projektwoche nahm die Schule mit der Regionalkoordination Kontakt auf. Diese vermittelte eine qualifizierte Referentin und stellte den Kontakt zu den CHAT-Partnern her. Daraufhin wurde gemeinsam mit den CHAT-Partnern in Kenia und Südafrika das Projektthema »Kochen und Upcycling« gewählt.

2. Thematische Einführung

Am Projekttag selbst bereitet eine CHAT der WELTEN-Referentin oder ein Referent die Schulklasse auf das Thema des CHATs mit Methoden des Globalen Lernens vor. Häufig kommt dabei die Weltkarte »Perspektiven wechseln«[2] zum Einsatz. Diese Weltkarte kann gleich doppelt irritieren: Einerseits stellt sie die Länder auf flächentreuer Weise in der Peters-Projektion dar, andererseits ist sie auch »auf dem Kopf« hängend lesbar. Somit befinden sich in ungewohnter Sichtweise der Süden oben und der Norden unten.

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3. »CHATikette« und technisches Know-How

Wie wollen wir uns vorstellen? Welche Dos und Dont’s gibt es während des Austauschs? Anschließend an den thematischen Einstieg wird eine sogenannte »CHATikette« erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler überlegen gemeinsam mit der Referentin oder dem Referenten, wie sie beim CHAT auftreten möchten, welche Verhaltensregeln während des CHATs eingehalten werden sollen und wie die gesammelten Fragen vorgetragen werden. Manchmal wird auch die Begrüßung auf der Muttersprache der CHAT-Partner einstudiert. Darüber hinaus machen sie sich mit der Technik sowie mit der für den virtuellen Austausch verwendeten Software vertraut.

4. Höhepunkt: Der CHAT

Dann ist es so weit: Die Klasse tauscht sich virtuell mit einer anderen Schule oder Einzelperson in Afrika, Asien oder Lateinamerika aus. Der CHAT ist der Höhepunkt eines jeden Projekts, er kann live per Videokonferenz oder zeitversetzt über Videobotschaften stattfinden. Die Themen des Austauschs sind vielfältig. Beispielsweise chattete eine Schulklasse aus Homburg mit einer Aktivistin aus El Salvador und erfuhr so, wie der Arbeitsalltag von Näherinnen in El Salvador aussieht und welchen Herausforderungen sich dortige Gewerkschaften stellen müssen.

Das Erkennen von Gemeinsamkeiten kann auch niedrigschwellig passieren: Bei einem Projekt zwischen Jugendlichen aus Südafrika und Deutschland zeigte sich zur allgemeinen Überraschung, dass in beiden Ländern unter den Jugendlichen Jeans im Used-Look gerade in sind.

5. Reflexion und Handlungsoptionen

Nach dem CHAT reflektiert die Klasse ihre Erkenntnisse und Eindrücke, die sie während des Austauschs gesammelt hat. Die Referentin oder der Referent ermutigt die Schülerinnen und Schüler, ihre eigene Meinung zum Thema und zu den Ergebnissen zu äußern. Abschließend überlegt die Klasse, ob und wie sie gemeinsame Perspektiven und Handlungswege entwickeln möchte. Den Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt. So entstand beispielsweise im Anschluss an ein CHAT der WELTEN-Projekt zum Nachhaltigen Entwicklungsziel 2 »Kein Hunger« die Idee, doch einmal zusammen zu kochen. Also fand der nächste CHAT in der Schulküche statt, um gemeinsam ein kenianisch-deutsches Menü zu kochen. Per Videochat kochten Jugendliche in Hermersdorf und Nairobi zeitgleich Sukuma Wiki und Kartoffelsalat und zeigten sich dabei gegenseitig, worauf bei der Zubereitung zu achten ist.

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Der CHAT der WELTEN zwischen Online- und Offline-Volunteering

Nach Hannes Jähnert ist unter Online-Volunteering ein freiwilliges Engagement zu verstehen, das nicht im Rahmen des Berufs oder der Familie, sondern im Öffentlichen Raum passiert, zum Gemeinwohl beiträgt und zum Teil oder vollständig online stattfindet.[3] Einige dieser Aspekte treffen auch auf den CHAT der WELTEN zu. Er bietet Menschen im Globalen Süden sowie im Globalen Norden die Möglichkeit, sich für ein gemeinsames globales Lernen einzusetzen, vorhandene Stereotype und Vorurteile abzubauen und einen Perspektivenwechsel zu vollziehen. In Deutschland können sich Personen, die in Ländern des Globalen Südens gelebt haben oder sich bereits in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit engagieren, zu Referentinnen oder Referenten qualifizieren lassen. Sie bereiten Kinder und Jugendliche auf das Thema eines Projekts vor und begleiten sie während des virtuellen Austauschs. Personen in Afrika, Asien und Lateinamerika können sich ebenfalls als Referentinnen oder Referenten engagieren, um Schulklassen auf den Austausch vor- und nachzubereiten. Darüber hinaus können sie als CHAT-Expertinnen und Experten deutschen Schulklassen ihr Wissen und ihre Sichtweise zu globalen Herausforderungen vermitteln. 

Dieses Engagement findet überwiegend in Schulen statt und passiert somit außerhalb des familiären und beruflichen Kontexts. Zudem werden dabei digitale Kommunikationstools genutzt, sodass beim CHAT der WELTEN ein Engagement sowohl online, während des virtuellen Austauschs, als auch offline bei der Vor-und Nachbereitung der Schulklassen stattfindet. Der CHAT der WELTEN verknüpft somit analoges und digitales Engagement und fördert ein weltweites Lernen mit- und voneinand

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Endnoten

  1. Globales Lernen ist ein Bildungskonzept. Es versteht sich als pädagogische Antwort auf die Anforderungen, denen wir uns durch die zunehmende Globalisierung aller Lebensprozesse stellen müssen. Globales Lernen stellt eine Verbindung zwischen weltumspannenden Zusammenhängen und dem eigenen Leben her.
  2. Die farbige Weltkarte kann zusammen mit einer pädagogischen Handreichung kostenlos bei weltkarte(at)engagement-global.de bestellt werden.
  3. Vgl. Jähnert, Hannes: http://www.hannes-jaehnert.de/wordpress/2017/11/14/digitales-ehrenamt-online-volunteering-in-deutschland-eine-summary/ [zuletzt abgerufen: 30.04.2018]. Online-Volunteering ist freiwilliges, unentgeltliches Engagement mit anderen, das öffentlich ausgeübt wird, sich am Gemeinwohl orientiert und bei dem die jeweilige Tätigkeit vollständig oder teilweise über das Internet vom heimischen Rechner, von Arbeit oder von unterwegs aus verrichtet wird.)

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Beitrag in den Europa-Nachrichten Nr. 4 vom 9.5.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autorin

Theresa Pfrommer ist Projektkoordinatorin des CHAT der WELTEN und für die Vernetzung, den Aufbau von Kooperationen sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Kontakt: chat(at)engagement-global.de 

Weitere Informationen: https://chat.engagement-global.de/

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