Digitale Nachbarschaft – Ehrenamtliches Engagement für mehr Internet-Sicherheit bei Bürgern

Moderne Gesellschaften würden ohne bürgerschaftliches Engagement nicht funktionieren: Weder öffentliche Einrichtungen noch Unternehmen haben die Möglichkeit, überall dort präsent zu sein, wo Menschen am nötigsten gebraucht werden: In der Pflege, beim Sport oder auch im kirchlichen Umfeld, um hier nur ein paar Beispiele aufzuzählen.

I Zusammenfassung

Bürgerschaftliches Engagement hat viele Gesichter und ist von entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Eine besondere Rolle kommt dabei Vereinen und Verbänden zu, in denen die meisten Ehrenamtlichen organisiert sind. Durch die Digitalisierung erlebt die Gesellschaft in allen Bereichen qualitative Veränderungen, die neben zahlreichen Chancen auch neue Anforderungen an Bürgerinnen und Bürger stellen. Die Digitale Nachbarschaft, ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Deutschland sicher im Netz, schafft ein deutschlandweit einmaliges Angebot und macht Mitglieder in Vereinen fit im Umgang mit digitalen Diensten. Mit geschätzten 31 Millionen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland adressiert die Digitale Nachbarschaft einen hochrelevanten und sehr heterogenen Bevölkerungsanteil. Die Ansprache der Engagierten erfolgt über Multiplikatoren aus den jeweiligen Organisationen, also beispielsweise Trainern oder Koordinatoren. Diese werden über Webinare, Online-Selbstlernkurse und Workshops vor Ort zu ausgebildeten und zertifizierten Scouts der Digitalen Nachbarschaft und vermitteln das relevante IT-Sicherheitswissen an Personen aus ihrem Umfeld.

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II Herausforderungen durch die Digitalisierung fürs Ehrenamt – besonders zur IT-Sicherheit

Die Digitalisierung verändert bekanntermaßen alle Lebensbereiche, schafft neue Möglichkeiten durch innovative Dienste und bietet Möglichkeiten zur Erleichterung des Alltags von Menschen. Gleichzeit steigt auch das Risiko, Opfer von IT-Sicherheitsvorfällen zu werden. Nur digital mündige Bürger, die um die Chancen der Digitalisierung wissen und zugleich die Risiken im Netz erkennen und geeignet reagieren können, sind bestens auf die Zukunft vorbereitet. Das erforderliche Sicherheitsbewusstsein und -verhalten im Netz sind in weiten Teilen der Gesellschaft jedoch nur unzureichend ausgeprägt. Wie der »DsiN Sicherheitsindex 2018 – Digitale Sicherheitslage der Verbraucher in Deutschland« aufzeigt, besteht ein hoher Aufklärungsbedarf, um sicheres Verhalten im digitalen Raum bei Bürgerinnen und Bürgern zu fördern und Unsicherheiten abzubauen. Zwei Drittel der Befragten wünschen sich verständlichere Informationen zum Schutz vor den Risiken im Internet und jeder Zweite wünscht sich, sein Sicherheitswissen durch professionelle Ansprechpartner, die persönliche Hilfestellungen bieten, verbessern zu können.

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Wie sicher jemand im Netz ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: von der persönlichen Einschätzung hinsichtlich der eigenen Sicherheit im Netz, dem individuellen Risikoverhalten, dem Sicherheitswissen und dem praktizierten Sicherheitsverhalten. Beim DsiN Sicherheitsindex werden fünf Nutzertypen (Außenstehende, Gutgläubige, Fatalisten, Antreiber und Bedachtsame) im Netz identifiziert, die sich allein durch ihr Nutzerverhalten im Netz und ihr Wissen um IT-Sicherheitsmaßnahmen auszeichnen – und nicht etwa durch soziodemografische Daten wie Geschlecht, Alter oder Wohnort. Denn jeder Mensch nutzt digitale Angebote zu ganz unterschiedlichen Zwecken und auf eine eigene Art und Weise und muss entsprechend anders angesprochen werden: Während also an Außenstehende zunächst die Relevanz digitaler Themen für den Lebensalltag vermittelt werden sollte – am besten über einen Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, dem er vertraut und der auch noch spätere Nachfragen ermöglicht, stehen bei Antreibern eher Diskussionen zu aktuellen Fachthemen im Mittelpunkt sowie die Frage der besten und verständlichsten Wissensvermittlung.

Im Ehrenamt sind durch die verschiedenen Arten des Engagements, der kulturellen und sozialen Herkunft und des unterschiedlichen Bildungsniveaus sämtliche Nutzertypen vertreten, so dass die Digitale Nachbarschaft ganz verschiedene Zugänge zu IT-Sicherheitsthemen herstellt.

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III Angebote der Digitalen Nachbarschaft

Mit dem Projekt »Digitale Nachbarschaft« zielt Deutschland sicher im Netz e.V. auf eine breitenwirksame, bundesweite Sensibilisierung von Bürgerinnen und Bürger in einem Multiplikatorenansatz: Ehrenamtlich engagierte Personen werden befähigt und motiviert, relevantes IT-Sicherheitswissen über bestehende Vereinsstrukturen zu vermitteln und nachhaltig zu verankern. Sie werden zu zertifizierten Scouts der Digitalen Nachbarschaft. Mit großer Resonanz: Bisher haben sich bereits über 750 Engagierte zertifizieren lassen und vermitteln ihr erworbenes Wissen an andere in ihrem ehrenamtlichen und persönlichen Umfeld.

Ehrenamtliche und Vereine können sich in kostenfrei buchbaren Webinaren, jederzeit verfügbaren Online-Selbstlernkursen und Workshops vor Ort zu Multiplikatoren zu Themen wie z.B. Datenschutz in sozialen Medien, online Spenden sammeln, verschlüsselte Kommunikation, sicheres Online-Shopping und -Banking oder Datensicherheit schulen lassen. Besondere positive Resonanz erfuhr die Bustour der Digitalen Nachbarschaft im Sommer 2017: Hier besuchte das so genannte DiNa Mobil über 30 Vereine in 11 Bundesländern und führte beispielsweise im Rahmen von Sommerfesten Workshops zum Thema IT-Sicherheit durch.

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Die Inhalte sind modular angelegt und unterscheiden zumeist die beiden Niveaustufen Einsteiger und Fortgeschrittene. Dies ermöglicht nicht nur einen individuellen Zuschnitt auf die Bedürfnisse der Nutzer, sondern auch die Anpassung von Themenfeldern und das Setzen von Schwerpunkten, ausgerichtet an den aktuellen Bedarfen der Vereinswelt.

Auf die, durch die Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) hervorgerufene große Verunsicherung in Vereinen, konnte so beispielsweise mit der Erweiterung des Angebotes reagiert werden. Ehrenamtlich Engagierte können sich jetzt in Workshops vor Ort speziell zum Thema DSGVO in Vereinen schulen lassen.

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium des Innern und unterstützt von Google Deutschland und der Deutschen Telekom AG. Ein engagierter Beirat, bestehend aus vielfältigen Vertretern der Zivilgesellschaft (u.a. BBE, EKD, AWO) und Unternehmen begleitet und berät die Mitarbeiter der Digitalen Nachbarschaft, um die Angebote möglichst passend zu entwickeln.

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IV Einladung zum Mitmachen

Auch zukünftig möchte Deutschland sicher im Netz mit der Digitalen Nachbarschaft Ehrenamtliche und Vereine bei den Herausforderungen der Digitalisierung unterstützen. Ab Herbst 2018 plant die »Digitale Nachbarschaft« ihr bestehendes Angebot auszubauen und verstärkt die digitale Aufklärungsarbeit für Vereine besonders in ländlichen Regionen, um die sichere Digitalisierung des Ehrenamts auch dort weiter voranzubringen.

Das Projekt soll damit auch zukünftig die sichere und selbstbestimmte Nutzung von digitalen Diensten und Technologien im ehrenamtlichen Engagement unterstützen und trägt damit aktiv zur positiven Gestaltung einer lebendigen Ehrenamtskultur in der digitalen Transformation bei.

Hierfür möchten wir die Leser dieses Newsletter einladen, uns gerne Ihre Vorschläge zu schicken: Kennen Sie ehrenamtliche Organisationen, bevorzugt aus dem ländlichen Raum, die sich diesem Thema annehmen wollen und bei denen Engagierte vor Ort sind, die gerne ihr Wissen über IT-Sicherheit auffrischen wollen, um es mit anderen zu teilen? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail: DiNa(at)digitale-nachbarschaft.de 

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V Über DsiN

Deutschland sicher im Netz e.V. wurde im 1. IT-Gipfel der Bundesregierung mit dem Auftrag gegründet, Menschen im privaten und beruflichen Umfeld durch konkrete Hilfestellungen im sicheren Umgang mit der Digitalisierung aufzuklären und zu befähigen. Seit der Gründung vor zwölf Jahren erreichte DsiN in zahlreichen Projekten mehrere Millionen Menschen. Mitglieder sind Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich bei DsiN gemeinsam für digitalen Schutz und IT-Sicherheit engagieren. Schirmherr des Vereins ist der Bundesminister des Innern.

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Beitrag im Newsletter Nr. 13 vom 28.6.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autor

Joachim Schulte, Koordinator Verbraucherthemen bei DsiN.

Kontakt: j.schulte(at)sicher-im-netz.de

Weitere Informationen: www.digitale-nachbarschaft.de/

Facebook: https://www.facebook.com/deutschlandsicherimnetz

Twitter: @sicherimnetz

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Redaktion BBE-Newsletter

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