»J-TEAMS« – ein Engagementformat der Zukunft im organisierten Sport

»J-Teams« sind eine Engagementform, die junge Menschen anspricht, sie partizipieren lässt und die als Basis für ehrenamtliches Engagement fungiert. 

Einleitung

Ehrenamtliches Engagement ist seit den Anfängen die Grundlage für den freiwilligen, selbstorganisierten Sport in den Vereinen in unserer Gesellschaft. Somit eine Voraussetzung für eine Entwicklung zu einer vielfältigen Sportlandschaft. Ohne dieses freiwillige und uneigennützige Engagement für andere könnte der organisierte Sport in Deutschland nicht fortbestehen und unterscheidet sich somit auch klar von kommerziellen Angeboten und Sportstrukturen in anderen Ländern.

Durch die Veränderung des Bildungssystems in Deutschland und Europa (Ausbau von Ganztagsschulen und die Bologna-Reform an den Hochschulen) hat sich insbesondere der Druck auf die junge Generation erhöht. Der Bedarf an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ungebrochen groß und wird verstärkt durch knappe Zeitressourcen bei den Engagierten und den Anstieg der ehrenamtlichen Belastungen im Sportverein. Zeitgemäße Nachwuchskonzepte zur Gewinnung von ehrenamtlich Engagierten spielen somit auch zukünftig eine strategisch wichtige Rolle. Die Implementierung von J-Teams zur Nachwuchsförderung für ehrenamtliches Engagement kann dabei wirksam unterstützen.

Die Sportjugend NRW setzt deshalb 2019 als besonderen Schwerpunkt ein »Jahr des jungen Engagements« und verfolgt dabei die »Mission J-Teams für NRW«.

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Was ist ein J-Team?

J-Teams sind die freiwilligen Zusammenschlüsse von interessierten jungen Menschen bis 27 Jahren, die sich im organisierten Sport engagieren wollen. Hierbei geht es um den nicht regulierten Zusammenschluss von jungen Engagierten ohne Wahlamt, die ihre Ideen und Visionen im Sport einbringen möchten. Sie bilden ein Grundgerüst für das Engagement im Sportverein und in den Jugendorganisationen in den Kreis- und Stadtsportbünden, Stadt- und Gemeindesportverbänden und Sportfachverbänden.

Ein J-Team ermöglicht den jungen Menschen, ihre eigenen Ideen und Vorstellungen zu entwickeln und in selbstorganisierten Projekten auszuprobieren, wobei der Spaß an der Teamarbeit im Vordergrund steht. Sie unterstützen damit die bestehenden Strukturen vor Ort.

In einem J-Team sind in der Regel zwischen vier und zwölf Personen aktiv. Es gibt aber keine offizielle Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer. Im Grundsatz gilt, es soll jeder eine Chance bekommen sich zu engagieren, der sich einbringen möchte.

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J-Teams als Einstiegs-Engagementform?!

J-Teams bieten eine gute Grundlage, um mit dem ehrenamtlichen Engagement zu beginnen und in die ehrenamtliche Arbeit »hineinzuschnuppern«. Jeder der möchte, kann sich mit den eigenen zur Verfügung stehenden Zeitressourcen bei den Projekten einbringen, die er wichtig findet oder an denen er Spaß hat.

Dabei lernen die jungen Engagierten zum einen kleine Projekte eigenverantwortlich zu planen und durchzuführen und zum anderen erhalten sie einen Einblick in die größeren Zusammenhänge und Prozesse des Vereines, Bundes oder Verbandes. Sie binden sich dabei nicht an übliche Strukturen und haben in der Regel auch keine festen Verpflichtungen.

Dadurch, dass jeder seine Zeit eigenständig einteilen kann und sich bei einer Mitarbeit zu nichts verpflichtet, sind die Hürden in einem J-Team mitzuwirken sehr gering. Durch die Zusammenarbeit mit etwa Gleichaltrigen, die sich derselben Sache verschrieben haben, entsteht dabei eine gute Gruppenatmosphäre, durch die die jungen Engagierten Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit erfahren. Dieser Faktor Spaß ist insbesondere für die weitere und möglichst langfristige Bindung an den Verein, Bund oder Verband ausschlaggebend.

Durch die Einbindung in Vereinsprozesse lernen sie aber auch die Tätigkeiten in einem Wahlamt besser kennen und haben die Chance, sich ein eigenes Bild zu machen. Sie sind dann gut auf ein eventuell angestrebtes Wahlamt vorbereitet. Durch das langsame Einsteigen in die Strukturen ist das Wahlamt auch eine Honorierung der eigenen ehrenamtlichen Arbeit und wird als sehr positiv empfunden und nicht als Belastung wahrgenommen. Zudem können die Engagierten den persönlichen Mehraufwand der sich durch das Annehmen eines Wahlamtes ergibt, besser einschätzen und somit im Vorfeld auch besser beurteilen, ob sie dieses leisten können.

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Wieso sind J-Teams für Vereine wichtig?

Die Vereine haben heute zunehmend mehr Probleme, ihren Sportbetrieb und die außersportlichen Angebote aufrechtzuerhalten. Die Anforderungen an Ehrenamtliche steigen und ihre zeitlichen Ressourcen werden immer geringer.

Wie bereits erwähnt, ist bei der jüngeren Generation die eingeschränkte freie Zeit insbesondere durch die Ganztagsschulen und die Bologna-Reform verursacht. Die Anforderungen an die Ehrenamtlichen sind durch zunehmende gesetzliche Auflagen und damit verbundenen bürokratischeren Aufwand in den letzten Jahren gestiegen. Zudem sind auch die Erwartungen der Vereinsmitglieder gestiegen. Um dies alles bewältigen zu können, bedarf es einer Vielzahl an zusätzlichen ehrenamtlichen Mitarbeitern im Verein.

Die J-Teams sind dabei eine hervorragende Möglichkeit, um neue junge Engagierte zu gewinnen.

Mit diesem Werkzeug können junge Menschen schon früh an den Verein gebunden werden und diese die Vereinsstrukturen und Arbeitsweisen kennenlernen.

Durch die J-Teams wird also auch die Jugendarbeit des Vereins gestärkt und der ehrenamtliche Nachwuchs gesichert. Dies kann ein wichtiger Baustein für eine zukunftsorientierte Vereinsarbeit sein. J-Teams können z. B. Angebote für Kinder- und Jugendliche entwickeln, die dafür sorgen, dass die Attraktivität des Vereins gesteigert und gleichzeitig eine positive Außendarstellung erreicht wird.

Ein gutes Image des Vereins ist auch eine wichtige Voraussetzung und ein wichtiger Bestandteil für die Netzwerkarbeit mit Schulen, Kindergärten oder anderen Institutionen zur Mitgliedergewinnung.

Die Sportorganisationen selbst bieten viele Unterstützungsleistungen in Form von Beratungen und Qualifizierungen. Diese Möglichkeit der formalen Weiterbildung der jungen Engagierten kann durch das eigene Erleben und Erfahren im J-Team verstärkt werden.

Die jungen Engagierten erlernen und erleben im J-Team wesentliche Werte unserer Gesellschaft, wie Fairness, Respekt, Verantwortung und Unabhängigkeit, erfahren Anerkennung und können sich selbst verwirklichen. Dadurch entwickeln und stärken die Jugendlichen ihre eigene Persönlichkeit. Die positiv erlebten Erfahrungen im J-Team können dabei ein zukunftsweisender Weg in das Ehrenamt sein.

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Warum funktioniert das Prinzip der J-Teams

Durch die Chance sich freiwillig, ungezwungen und ohne festes Amt engagieren zu können, gibt es kaum Einstiegshürden. Dadurch fällt es jungen Leuten einfacher sich anzuschließen. Zudem wird niemand von der Arbeit im J-Team ausgeschlossen und jeder kann seine Stärken einbringen. Diese Arbeitsform kann somit auch einen hohen Spaßfaktor erzeugen. Es gibt keine formalen Zwänge oder festgeschriebenen Prozesse die durchlaufen werden müssen, sondern es können die Projekte umgesetzt werden, die sich das J-Team überlegt hat.

Dadurch, dass das es keine Obergrenze an Teilnehmern gibt, können auch neue Leute schnell partizipieren. So kann man beispielsweise einfach seine Freunde mitbringen, damit diese auch mitmachen können.

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Welche Anforderungen gibt es an Vereine mit J-Teams?

Dadurch, dass das J-Team nicht als autonome Instanz arbeitet, sondern zum Verein gehört, müssen ein paar Aspekte beachtet werden.

Es empfiehlt sich, im Vereins-, Jugend- oder Abteilungsvorstand eine/n Ansprechpartner/in für das J-Team festzulegen.Diese/r begleitet das J-Team und hilft bei Problemen aus.

Zudem ist diese/r auch dafür zuständig eine Anerkennungskultur zu pflegen. Die J-Team Mitglieder brauchen Rückmeldungen zu ihren Projekten und ihnen sollte angemessen für ihr Engagement gedankt werden. Diese Person klärt auch mit dem Verein den finanziellen Rahmen in dem das J-Team agiert und unterstützt bei der sach- und formgerechten finanziellen Abwicklung. Insbesondere wenn es ggf. darum geht, Anträge zu schreiben, Geld vom Verein oder über den Verein von öffentlichen Stellen oder Sponsoren zu erhalten, oder aber auch eine stimmige Kostenplanung vorzunehmen, wird diese Hilfe benötigt.

Zudem muss der Verein dem J-Team auch einen gewissen Freiraum ermöglichen und sie zur Partizipation ermutigen. Es muss die Möglichkeit bestehen eigene Projekte zu initiieren und eigene Ideen umzusetzen. Dabei gilt es, auch Fehler zuzulassen und negative Erfahrungen als Lernfeld zu akzeptieren.

Damit das J-Team als Instrument der Nachwuchsförderung seine volle Wirksamkeit entfalten kann, muss den J-Team Mitgliedern aufgezeigt werden, welche anschließenden Beteiligungsstrukturen es gibt. Hierbei gilt es Qualifizierungswege darzulegen, Teilhabe an Sitzungen und Ausschüssen zu ermöglichen und ein offenes Ohr für die Anliegen auch des Einzelnen zu haben.

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Historie der J-Teams in NRW

Seit 2010 beschäftigt sich die Sportjugend NRW mit dem Thema J-Teams und implementierte das Konzept 100+x J-Teams für NRW. Ziel war es, über 100 J-Teams in NRW zu gründen. Ihre Maßnahmen waren darauf ausgelegt, die J-Teams zu vernetzen und die Idee des J-Teams in das Land zu tragen.

Es fanden in dieser Zeit bereits einige Austauschtreffen für J-Teams statt, welche partizipativ, unter Einbindung eines J-Teams, organisiert wurden.

Neben Challenges und Preisverleihungen konnten auch Qualifizierungsmaßnahmen implementiert werden.

Im ersten Abschnitt stellte sich heraus, dass bereits durch Eigeninitiative von Vereinsjugendlichen einige J-Teams aktiv waren, die aber unter eigenen Namen arbeiteten. Hinzu kamen dann die Neugründungen, sodass durch beide Entwicklungsstränge das Ziel schnell erreicht werden konnte und über 100 J-Teams in NRW aktiv waren. In den vergangen Jahren sind einige J-Teams »eingeschlafen«, weil sich ihre Mitglieder nicht darum bemüht haben, immer wieder neue Engagierte zu gewinnen oder selbst in verschiedene Funktionen in Vereinen, Bünden und Verbänden gewechselt sind. Derzeit stehen die J-Teams nicht mehr so im Mittelpunkt der Arbeit der Sportjugend NRW. Zudem gibt es keine aktuelle Erhebung, wie sich die einzelnen J-Teams entwickelt haben und ob diese noch fortbestehen.

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Aktionen und Maßnahmen der Sportjugend NRW ab 2019

In den nächsten Jahren möchte die Sportjugend NRW einen Schwerpunkt bei den J-Teams setzen und dafür sorgen, dass J-Teams wieder die Anerkennung erfahren, die sie brauchen und verdienen und auch Neugründungen ausdrücklich fördern.

Der Auftakt für die »Mission: J-Teams für NRW« wird, im Rahmen der Initiative Ehrenamt des Landessportbundes NRW, das »Jahr des jungen Engagements« in 2019 sein.

Durch ein kostenloses Starterpaket sollen zunächst neue J-Teams zur Gründung angeregt werden, aber auch bestehende noch einmal einen neuen Schwung erfahren.

In den darauffolgenden Jahren sollen die J-Teams bei ihrer Arbeit dann weiter unterstützt und gefördert werden. Dadurch sollen die Potenziale entfacht und ihre Entwicklung gefördert werden. Dabei sollen die Mitgliedsorganisationen (die Stadt- und Kreissportbünde und die Sportfachverbände) eine wichtige Rolle einnehmen. Ziel ist es, auch den Kontakt zwischen den J-Teams und den Dachorganisationen sicherzustellen.

Die Fachkräfte für Jugendarbeit können dabei als Berater/innen und Ansprechpartner/innen für Fragen zur Qualifizierung und Begleitung agieren.

Zudem wird es verschiedene Informationen sowohl für die Vereine als auch für junge Engagierte geben, an denen sich die jeweiligen Gruppen orientieren können.

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Fazit

J-Teams haben ein enormes Potenzial im Rahmen der Organisationsentwicklung und der Ehrenamtsförderung. Vereinen, Bünden und Verbänden mit J-Teams fällt es leichter, Positionen im Ehrenamt zu besetzen und Nachwuchsarbeit zu betreiben. J-Teams bieten das perfekte Arbeitsfeld für junge Menschen, die sich ehrenamtlich sozial einbringen wollen. Durch die geringen Einstiegshürden und die verschiedenen Unterstützungsleistungen der Sportjugend NRW hat ein Verein mit einem J-Team eine hervorragende Möglichkeit ehrenamtlichen Nachwuchs zu gewinnen und zu halten.

Voraussetzung für ein erfolgreiches J-Team ist jedoch auch der aktive fördernde Einsatz des Vereins: Ohne eine/n Ansprechpartner/in für das J-Team, die/der sich auch um dieses kümmert und eine entsprechende Anerkennungskultur schafft, ist es wahrscheinlich, dass das Prinzip J-Team im Sportverein nicht funktioniert.

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Beitrag im Newsletter Nr. 11 vom 7.6.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autorin

Theda Gröger, Referentin Sportjugend NRW, Kinder- und Jugendpolitik.

Kontakt: Theda.Groeger(at)lsb.nrw

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