Wertschätzungskultur in der Evangelischen Jugend und die Bedeutung von Ehrenamt in der Kinder- und Jugendarbeit

Einleitung

Ein besonderes Merkmal der Evangelischen Jugend sind die vielen jungen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, ohne die die vielzähligen und vielfältigen Angebote der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit nicht möglich wären. So lebendig und vielfältig wie die Evangelische Jugend ist, so vielzählig sind ihre Anerkennungsformen. [1]

Ehrenamtliches Engagement in der Evangelischen Jugend

Die evangelische Kinder- und Jugendarbeit bietet in ihren unterschiedlichen Formen, Methoden und Möglichkeiten einen großen Gestaltungsrahmen für ehrenamtliches Engagement von jungen Menschen. Die Besonderheit zeichnet sich durch das Grundverständnis von Beteiligung und Mitsprache aus. Die Kinder- und Jugendarbeit im Jugendverband motiviert zur Selbstentfaltung, fördert die Selbstbestimmung und regt zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitverantwortung an. Junge Menschen bringen sich ein, entwickeln ihre Vorstellungen und setzen sie in Angeboten für Kinder und Jugendliche um. Klare Motivlagen sind dabei eine wirkungsvolle Mitbestimmung, der Freiraum zur Gestaltung und insbesondere die Anerkennung der persönlichen Kompetenzen. Das Erlebnis in der Gemeinschaft ist dabei ebenso entscheidend, wie der Spaß im Ehrenamt. [2]

Ehrenamt braucht Anerkennung und Wertschätzung

Neben einer Grundhaltung zum Ehrenamt ist es eine wesentliche Aufgabe, angemessene Anerkennungsformen zu leben und zu gestalten, die sich daran orientieren, was ehrenamtliche Mitarbeiter*innen brauchen und was sie motiviert. Anerkennung für Engagement und Wertschätzung sind im Ehrenamt unerlässlich und müssen entsprechend von allen Mitarbeiter*innen, ob haupt- oder ehrenamtlich, gelebt werden. Grundvoraussetzung ist die gegenseitige Achtsamkeit sowie die Anerkennung für die geleistete Arbeit, wie auch für die jeweilige Person, die dahinter steht.

Bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) werden ausscheidende ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen, die sich im Bundeskontext der aej engagiert haben, auf der Mitgliederversammlung verabschiedet. Das betrifft ehren- und hauptamtliche Delegierte gleichermaßen wie den Bundesvorstand oder Referent*innen aus der aej-Geschäftsstelle. In einem feierlichen Gottesdienst werden die Ehren- und Hauptamtlichen verabschiedet sowie neue Mitarbeiter*innen eingeführt. Neben dem Gottesdienst gehört ein festliches Abendprogramm zur Kultur. Zu Beginn einer jeden Mitgliederversammlung erhalten neu Delegierte die Möglichkeit, an einer »Einführung für Neue« teilzunehmen. Bei diesem Angebot werden die Strukturen der aej vorgestellt und die neuen Delegierten in die Arbeitsgrundlagen der Mitgliederversammlung eingeführt.

Eine andere Anerkennungsform bietet der evangelische Jugendprojektpreis „JUPP“. Die aej verleiht den Förderpreis in einem zweijährigen Rhythmus beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Der Preis würdigt zukunftsweisende Projekte der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit, die neue Zielgruppen ansprechen, neue Räume öffnen und modellhaft für weitere Projekte gelten. Prämiert werden Projekte und die Personen, die dieses Projekt initiiert haben. [3]

Anerkennungsformen wie die Auszeichnung und Ehrung in Form von Ehrennadel, Medaille oder Plakette für langjähriges Engagement haben eine hohe Bedeutung. Die aej verleiht das Goldene Kugelkreuz zur Anerkennung besonderer Verdienste um die Förderung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Das Goldene Kugelkreuz ist die höchste Auszeichnung der Evangelischen Jugend in Deutschland. [4] Im Ehrenamt ist diese Form wichtig. Bedacht werden muss, dass eine Würdigung für Jugendliche nicht erst gegeben werden kann, wenn das Engagement über Jahrzehnte hinausgeht. Zeitgemäße und attraktive Anerkennungsformen sind ebenso wichtig.

Blickt man in die evangelische Kinder- und Jugendarbeit, zeigen sich viele unterschiedliche Anerkennungsformen bei den Mitgliedsverbänden der aej. Neben verschiedenen Gottesdiensten zu besonderen Anlässen werden sehr unterschiedliche gemeinschaftsfördernde Erlebnisse für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen angeboten. Das kann der Besuch eines erlebnispädagogischen Kletterparks sein, eine große Party oder eine Wochenendfreizeit für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen.

Eine weitere wesentliche Anerkennungsform in der Jugendarbeit ist die Förderung von Ehrenamt. Die Ausbildung zum/ zur ehrenamtlichen Jugendleiter*in ist in der Kinder- und Jugendarbeit eine Besonderheit, die mit dem Erwerb der sogenannten Jugendleiter*innen-Card (Juleica) mündet. [5] Durch die Juleica werden einerseits das Engagement und die Qualifikationen dokumentiert. Andererseits erfüllt die Juleica die Funktion einer gesellschaftlichen Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement. Die Juleica Seminare finden in den Jugendverbänden statt. Ebenso die vielen Fortbildungsmöglichkeiten, die sich an den Anforderungen der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch an den Bedürfnissen der Ehrenamtlichen orientieren.

Neben der Qualifizierung ist die professionelle Begleitung von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen wichtig. In der Arbeit können viele Fragen und auch Herausforderungen auftreten, die gemeinsam beraten und reflektiert werden müssen. Zuverlässige Ansprechpersonen, die ein offenes Ohr für die jeweiligen Anliegen haben, stärken das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen.

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Auseinandersetzung mit Digitalisierung im Ehrenamt

Die Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung spielen in der Kinder- und Jugendarbeit eine nicht unwesentliche Rolle. Die Evangelische Jugend setzt sich mit dem Themenfeld intensiv auseinander. Unter dem Namen #FreiraumNetz veranstalten aej und die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung regelmäßig das Jugend- und Netzpolitische Forum.

Das Forum denkt Jugend- und Netzpolitik zusammen und möchte die fachliche Praxis weiterentwickeln und dabei konkrete Vorschläge für eine jugendgerechte Netzpolitik entwickeln. Für ehren- und auch hauptamtliche Mitarbeiter*innen sind solche Veranstaltungsformate für die Arbeit besonders wichtig. Sie bieten Raum sich mit den Themen wie Big Data, Urheberrecht, Hardware sowie mit der Medienpädagogik auseinanderzusetzen. Ehrenamtliche und Hauptberufliche wollen in der Kinder- und Jugendarbeit die Chancen der Digitalisierung nutzen, aber auch dazu beitragen, dass gesellschaftliche Werte und Rahmenbedingungen in der digitalen Gesellschaft mit Kindern und Jugendlichen kritisch diskutiert und im Sinne der Interessensvertretung entsprechend in politischen Debatten eingebracht werden.[6]

Das Ausprobieren und der Einsatz von sogenannten »digital tools« und Methoden binden ehrenamtliche Mitarbeiter*innen immer stärker in ihre Arbeit ein. Dazu zählen insbesondere Tools, die Planungsprozesse unterstützen, wie zur Vorbereitung von Freizeitenprogrammen oder für die konzeptionelle Erarbeitung von Projekten. Digitale Werkzeuge werden darüber hinaus gezielt von vielen Jugendverbänden in der Gremienarbeit eingesetzt wie beispielsweise »ANTRAGSGRÜN« für die Texterarbeitung und Antragsberatung. [7]

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Bedeutung von Ehrenamt bei jungen Menschen

Junge Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit für die unterschiedlichsten Dinge. Das Ehrenamt hat dabei nach wie vor einen hohen Stellenwert. Die Sonderauswertung des Freiwilligensurveys von 2017 verdeutlicht dies: Fast die Hälfte aller jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren (49,2 %) engagiert sich in Deutschland freiwillig. [8]

Die Studie »Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit am Beispiel der Evangelischen Jugend« hat die Frage des Engagements in der Evangelischen Jugend in den Blick genommen. 10 % der Befragten haben geantwortet, dass sie an den Aktivitäten der Evangelischen Jugend partizipieren und sich aus ihrer Sicht über das Maß einer üblichen Aktivität hinaus engagieren. Bei 1,35 Millionen erreichten jungen Menschen in der Evangelischen Jugend sind dies ca. 135.000 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen. [9]

In den vergangenen Jahren wurde viel zum Thema Strukturwandel im Ehrenamt diskutiert. Festzustellen ist, dass die Veränderungen der Lebenslagen junger Menschen die Form ihres Engagements beeinflusst. Die Kinder- und Jugendarbeit greift dies in der stetigen Weiterentwicklung ihrer Konzepte entsprechend auf.

Junge Menschen haben den Wunsch nach Kontakt und Gemeinschaft, nach Selbstbestimmung und Anerkennung. Im Ehrenamt können sie neue Erfahrungen sammeln. Die erworbenen Kompetenzen und Kenntnisse werden in anderen Lebensbereichen eingesetzt.

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Ehrenamt braucht gute Strukturen und Rahmenbedingungen

Ehrenamtliche engagieren sich bei der Leitung von Gruppen, bei Ferienfreizeiten und Zeltlagern, in der Projektarbeit, aber auch in der Aus- und Fortbildungsarbeit sowie in der Gremienarbeit. Sie investieren viel Zeit und Engagement. Damit Ehrenamt gelingen kann, werden gute Strukturen und Rahmenbedingungen benötigt, die gesichert, aber auch weiterentwickelt werden müssen. Für die aej wie auch für die Jugendarbeit bedeutet dies, sich für gute rechtliche und politische Rahmenbedingungen einzusetzen sowie sich für die Förderungen von Ehrenamt stark zu machen. Hindernisse müssen im Ehrenamt abgebaut werden, so dass Freiraum für Engagement möglich ist, denn Ehrenamt ist und bleibt eine der wichtigsten Grundsäulen unserer Demokratie.

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Endnoten

  1. Corsa, Mike/ Freitag, Michael. Lebensträume – Lebensräume: Bericht über die Lage der jungen Generation und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit. 2008 Hannover: edition aej.
  2. vgl. Corsa, Mike/ Freitag, Michael. Lebensträume – Lebensräume: Bericht über die Lage der jungen Generation und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit. 2008 Hannover: edition aej.
  3. https://www.jupp-der-preis.de/jupp/jupp-start/ (Stand 28.02.2018).
  4. Erläuterung: Die Evangelische Jugend trägt als Zeichen das Kreuz auf der Weltkugel – das sogenannte Kugelkreuz. Seit der Gründung der Jugendkammer der Evangelischen Jugend Deutschlands im Jahre 1946 als Vorläufer der heutigen aej wird dieses Zeichen durch die Evangelische Jugend in Deutschland und durch ihre Mitglieder sowie deren Gliederungen ausgegeben.
  5. https://www.juleica.de (Stand 28.02.2018).
  6. freiraumnetz.de (Stand 02.03.2018).
  7. https://jugend.beteiligen.jetzt/werkzeuge/tools (Stand 02.03.2018).
  8. Kausmann, Corinna/ Simonson, Julia/ Hameister, Nicole (2017). Freiwilliges Engagement junger Menschen Sonderauswertung des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys. 2017 Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
  9. Fauser, Karin/ Fischer, Arthur/ Münchmeier, Richard (2006). Jugendliche als Akteur im Verband – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung der Evangelischen Jugend. 2006 Opladen.

Beitrag im Newsletter Nr. 6 vom 22.3.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autorin

Daniela Broda ist Referentin für Kinder- und Jugendpolitik bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) und stellvertretende Vorsitzende im Deutschen Bundesjugendring. Als Projektleiterin war sie für das Projekt »youngPOINTreformation« der Evangelischen Jugend im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 mitverantwortlich. Darüber hinaus hat Frau Broda viele Jahre als Jugendreferentin und Einrichtungsleitung für die Evangelische Kirche in Frankfurt gearbeitet. Als langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Jugend sowie in der Evangelischen Kirche konnte sie vielfältige Erfahrungen in der ehrenamtlichen Arbeit sammeln.

Kontakt: db(at)aej-online.de

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) ist der Zusammenschluss der Evangelischen Jugend in Deutschland. Als Dachorganisation vertritt die aej die Interessen der Evangelischen Jugend auf Bundesebene gegenüber Bundesministerien, gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen, Fachorganisationen und internationalen Partnern. Ihre derzeit 32 Mitglieder sind Bundeszentrale evangelischer Jugendverbände und Jugendwerke, Jugendwerke evangelischer Freikirchen und die Kinder- und Jugendarbeit der Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Acht evangelische oder ökumenische Verbände, Einrichtungen und Fachorganisationen sind als außerordentliche Mitglieder angeschlossen. Die aej vertritt die Interessen von ca. 1,35 Millionen jungen Menschen. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) ist der Zusammenschluss der Evangelischen Jugend in Deutschland. Als Dachorganisation vertritt die aej die Interessen der Evangelischen Jugend auf Bundesebene gegenüber Bundesministerien, gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen, Fachorganisationen und internationalen Partnern. Ihre derzeit 32 Mitglieder sind Bundeszentrale evangelischer Jugendverbände und Jugendwerke, Jugendwerke evangelischer Freikirchen und die Kinder- und Jugendarbeit der Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Acht evangelische oder ökumenische Verbände, Einrichtungen und Fachorganisationen sind als außerordentliche Mitglieder angeschlossen. Die aej vertritt die Interessen von ca. 1,35 Millionen jungen Menschen.

Weitere Informationen: https://www.evangelische-jugend.de

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