openTransfer #Patenschaften – Zwischenbilanz 2017 und Pläne für 2018

Louise Buscham/ Sebastian Gillwald

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Einleitung

Viele Menschen in Deutschland engagieren sich in Patenschaften oder Mentoring- und Tandembeziehungen für Geflüchtete. 1:1-Beziehungen bieten bei der Integration besondere Chancen, da die persönliche Begegnung im Zentrum steht. Patinnen und Paten helfen bei der Orientierung in einem neuen Land, schaffen Zugänge zu Integrationsmaßnahmen oder Arbeitsplätzen und setzen ein wichtiges zivilgesellschaftliches Zeichen für Toleranz und Miteinander. Zudem erweitern sie ihren Horizont durch den direkten Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern und Lebensumständen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Im Rahmen seines Engagements für geflüchtete Menschen initiierte und unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) seit 2016 mit dem Programm »Menschen stärken Menschen« Patenschaftsprogramme in ganz Deutschland. An mittlerweile 600 Standorten wird die Arbeit von Engagierten ermöglicht oder wirksam unterstützt. Rund 100 Standorte entfallen dabei auf die ostdeutschen Bundesländer. Insgesamt konnten bis Ende 2017 über 42.000 Patenschaften gestiftet werden. Die Zahlen illustrieren den großen Erfolg des Programms, deuten aber auch darauf hin, dass es im Osten der Republik weiterhin weniger Angebote als in anderen Bundesländern gibt.

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Wie kann bürgerschaftliches Engagement im Bereich Patenschaften in Ostdeutschland wirkungsvoll unterstützt werden? Gibt es in Ostdeutschland besondere Herausforderungen? Kann ein systematischer Wissens- und Erfahrungsaustausch Engagierte und ihre Organisationen unterstützen und letztlich dazu führen, mehr Patenschafts- und Mentoring-Beziehungen zu stiften? Mit diesen Fragen hat sich die Stiftung Bürgermut in dem Programm openTransfer #Patenschaften intensiv beschäftigt, als es Anfang 2017 zur Trägergruppe im Programm »Menschen stärken Menschen« gestoßen ist.

Zunächst haben wir die ostdeutsche Flüchtlingshelfer- und Patenschafts-Landschaft vermessen, um anschließend durch niedrigschwellige Angebote ihre Vernetzung zu erleichtern und einen verbesserten Austausch zu ermöglichen. Auf zwei Barcamps in Schwerin und Leipzig haben wir 200 Engagierte persönlich kennengelernt. Gegenseitiger Austausch und Wissenstransfer standen im Mittelpunkt dieser offenen Veranstaltungen. Sieben Organisationen haben wir in einem mehrmonatigen Skalierungsstipendium bei der Verstetigung ihrer Projekte und der Ausarbeitung einer Transferstrategie unterstützt.

Gegenwind und Engagementbarrieren gerade im ländlichen Raum

Im persönlichen Gespräch mit vielen Engagierten wurden besondere Herausforderungen deutlich: Gerade kleine Initiativen, die für Geflüchtete im ländlichen Raum arbeiten, haben mit vielen Hürden zu kämpfen. Zum einen hervorgerufen durch die spezifische Infrastruktur und Einschränkungen in der Mobilität, zum anderen durch mangelnde Ressourcen wie Geld und Freiwillige oder fehlende Unterstützung durch Politik und Verwaltung. Viele Projekte, gerade im ländlichen Raum, berichteten uns von Gegenwind in ihrer Arbeit und Engagementbarrieren bei potenziellen Ehrenamtlichen. Aus Angst, vor Ort ausgeschlossen oder gar bedroht zu werden, entscheiden sich mitunter potenzielle Freiwillige gegen ein Engagement als Patin oder Pate oder engagieren sich verdeckt in so genannten geheimen Patenschaften. Für die vermittelnden Organisationen machen diese Umstände es zum Teil schwierig, neue Freiwillige für ein Engagement zu gewinnen.

In zwei Fokusgruppen mit Vertreterinnen und Vertretern großer Verbände und fördernder Stiftungen erfuhren wir, dass fördernde Organisationen Probleme bei der Identifizierung von wirksamen und transferierbaren Projekten in Ostdeutschland haben: Die vielen guten Patenschaftsprojekte sind den in Ostdeutschland aktiven Förderstiftungen häufig schlichtweg nicht bekannt. Auf der anderen Seite suchen Organisationen zum Teil händeringend nach finanzieller Unterstützung. Im Laufe des Jahres hörten wir gleich von mehreren Organisationen, die ihre Arbeit aufgrund fehlender finanzieller Mittel einstellen mussten.

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Noch mehr Unterstützung für Engagierte in den ostdeutschen Bundesländern

Kräfte bündeln, Kooperationen anstiften, einzelne Initiativen zu Netzwerken verknüpfen, gemeinsames Lernen ermöglichen: Dies waren unsere Ziele im Jahr 2017, die auch für die Arbeit im laufenden Jahr den Schwerpunkt bilden sollen. Wir erweitern das Programm openTransfer #Patenschaften und bieten mit neuen Formaten noch mehr Initiativen und Projekten Vernetzungs- und Qualifikationsmöglichkeiten. Vor allem die gegenseitige Unterstützung wird im Rahmen eines verstärkten Peer-Learning eine große Rolle spielen.

Die ersten zwei Programmpunkte im Jahr 2018:

Ein Webinar zum Thema »Kooperationen mit Unternehmen« mit Anja Herde von UPJ am 13. Februar 2018 (das Webinar wird im Anschluss auf der openTransfer-Webseite zur Verfügung gestellt).

Ein Workshop zum Thema »Netzwerkmanagement und Finanzierung« am 26. Februar 2018 in Halle (Saale).

Im Laufe des Jahres wird es weitere Webinare und Workshops (in Erfurt, Leipzig und Rostock) sowie eine »Expedition« nach Berlin und ein Barcamp geben. Alle Angebote des Programms sind kostenfrei. Weitere Informationen zu den geplanten Aktivitäten und die Möglichkeit sich anzumelden gibt es unter http://opentransfer.de/projekte/patenschaften/.

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E-Book #Patenschaften: Praxisberichte und Tipps für Engagierte

Die Ergebnisse und das Erfahrungswissen aus dem ersten Programmjahr werden derzeit in einem E-Book zusammengefasst. Die Publikation soll Initiativen – vor allem jene, die Patenschaften und Mentoring für Geflüchtete vermitteln – inspirieren und sie ganz praktisch bei der Verstetigung, dem Wachstum und der Verbreitung ihrer Ideen und Projekte unterstützen.

Das E-Book beantwortet Fragen, die für viele Patenschaftsprojekte relevant sind: »Abschied in Patenschaften gestalten, aber wie?«, »Wie kann ich Unternehmen für mein Projekt gewinnen?« oder »Wie führe ich mein Projekt erfolgreich im ländlichen Raum durch?«, aber auch »Wie gehe ich mit Anfeindungen um?« und »Wie schaffe ich Akzeptanz für mein Patenschaftsprojekt vor Ort?«

Neben diesen Tipps von Praktikerinnen und Praktikern stellt das E-Book sieben Projekte vor, die mit unterschiedlichen Konzepten Geflüchtete und Locals zusammenbringen – und die transferierbar sind, das heißt, auch an anderen Orten umgesetzt werden können. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich zu melden.

Das E-Book erscheint Anfang Februar und kann auf http://www.opentransfer.de kostenlos gelesen und heruntergeladen werden.

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Beitrag im Newsletter Nr. 2 vom 25.1.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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AutorInnen

Louise Buscham ist bei der Stiftung Bürgermut als Projektkoordinatorin im Programm openTransfer #Patenschaften beschäftigt. Sie hat die Veranstaltungen im Programm mitkonzipiert und umgesetzt.

Kontakt: louise.buscham(at)buergermut.de 

Sebastian Gillwald ist Projekt- und Transfermanager bei der Stiftung Bürgermut. Er hat im letzten Jahr unter anderem die Stipendiatinnen und Stipendiaten im Programm openTransfer #Patenschaften begleitet und mit ihnen zusammen ein Transferkonzept entwickelt.

Kontakt: sebastian.gillwald(at)buergermut.de 

Weitere Informationen: http://opentransfer.de/  
Facebook: https://www.facebook.com/openTransfer Twitter: https://twitter.com/openTransfer

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