Förderung der Anerkennung des informellen Kompetenzerwerbs durch freiwilliges Engagement in Ausbildung und Beruf

Freiwilliges Engagement ist ein Ort des Lernens und der Bildung, ein Ort der Persönlichkeitsentwicklung und des Erwerbs von Kompetenzen. Diese Lern- und Bildungsprozesse dokumentiert der »Österreichische Nachweis über freiwillige Tätigkeiten«, um sie bewusst und damit auch besser nutzbar zu machen - z.B. für die persönliche Weiterentwicklung, für Orientierungsprozesse im Engagement, für Bewerbungen am Arbeitsmarkt.

Mit dem Gesetz zur Förderung des freiwilligen Engagements (FWG) 2012 wurde der »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten« auch gesetzlich verankert. Demnach können Freiwilligenorganisationen nur dann nach § 2 FWG gefördert werden, »wenn sie den Freiwilligen zur Nutzbarmachung der durch das freiwillige Engagement erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen auf deren Verlangen binnen sechs Monaten nach Beendigung ihrer Tätigkeit einen Tätigkeitsnachweis über Dauer und Art der Tätigkeit sowie die dabei erworbenen Kompetenzen ausstellen (Nachweis über Freiwilligentätigkeiten/Freiwilligenpass)«.

Eine Erstauflage des »Nachweises über freiwillige Tätigkeiten« erfolgte 2005 als eine Maßnahme des »Österreichischen Freiwilligenrates« zur Aufwertung für freiwilliges Engagement und wurde seither in einer Auflage von rund 70.000 Exemplaren abgegeben.

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Europaweite Aufwertung des non-formalen und informellen Lernens

Im letzten Jahrzehnt wurden in der Bildungspolitik und Bildungsforschung durch den Europäischen Qualifikationsrahmen für die Bewertung und Vergleichbarkeit von Lernergebnissen europaweit das non-formale und informelle Lernen entscheidend aufgewertet. In Österreich hat mit der Österreichischen Strategie zum lebensbegleitenden Lernen LLL:2020 im Rahmen der Einführung des Nationalen Qualifikationsrahmens seit 2011 eine Orientierung auf die Ergebnisse von Lernprozessen eingesetzt.

Die konsequente Lernergebnisorientierung eröffnet alle jenen Menschen, die wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten außerhalb von Schule und Hochschule erworben haben, größere Chancen in Bildung und Beruf. Damit hat die Kompetenzbilanzierung, wie sie auch im »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten« angewendet wird, enorm an Bedeutung gewonnen. Sie baut auf dem Konzept von »Kompetenz+Beratung« auf. Dieses wurde im Rahmen der Initiative »Bildungsberatung Österreich« des Bildungsministeriums vom Ring Österreichischer Bildungswerke und dem Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung unter Einbindung weiterer Fachexperten und -expertinnen entwickelt - siehe dazu auch den Beitrag von Wolfgang Kellner, Ring Österreichischer Bildungswerke, im Newsletter Nr. 7/2016 zu »Kompetenzbilanzierung im freiwilligen Engagement«.

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Orientierung und Aktivierung durch den »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten«

Der Nachweis geht von den bewährten Methoden der ganzheitlichen Kompetenzerfassung von Wissen, Können und Handeln aus. Er analysiert also die Sachkompetenz (fachlich-methodische Kompetenz), die Sozialkompetenz (sozial-kommunikative Kompetenz) und die Personale Kompetenz (Selbstkompetenz).

Die Nachweiserstellung erfolgt im Dialog zwischen Freiwilligen und Vereinsrepräsentanten und -repräsentantinnen. In der Anleitung zur Nachweiserstellung finden sich Arbeitsblätter als Hilfestellung für die Bilanzierung der wichtigsten Tätigkeiten und der damit verbundenen Lernergebnisse sowie eine Anleitung, wie diese als Kompetenzen beschreibbar sind. Der »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten« trägt durch die Bewusstmachung informell erworbener Kompetenzen in besonderer Weise zu mehr Orientierung und Aktivierung in der Bildungsplanung junger Menschen und in der persönlichen Weiterentwicklung ebenso wie zur Anerkennung im gesamten Berufsleben bei.

Berücksichtigen wir den sehr hohen Beteiligungsgrad in Österreich – 46 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren sind freiwillig engagiert (28 Prozent formell in Vereinen oder Organisationen, 31 Prozent informell in der Nachbarschaftshilfe), dann ist freiwilliges Engagement auch ein zentraler Bereich der Erwachsenenbildung und der außerschulischen Jugendbildung.

Lehrgang zur Kompetenzerfassung

Für Verantwortliche in den Organisationen und Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren werden seit 2017 in Zusammenarbeit mit den Freiwilligenzentren, unter anderen das Unabhängige Landesfreiwilligenzentrum ULF in Linz oder die Wiener Freiwilligenbörse, über den Ring Österreichischer Bildungswerke Lehrgänge für die Begleitung der Freiwilligen bei der Kompetenzerfassung angeboten.

Die starke und ständig wachsende Nachfrage nach diesen Schulungen zeigt, dass der »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten« in seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung nun weithin Anerkennung findet und von den Freiwilligen verstärkt nachgefragt wird. Er spielt aber auch eine ebenso wichtige Rolle in der Aufwertung des informellen Lernens im Rahmen des Nationalen Qualifikationsrahmens. Der »Nachweis über freiwillige Tätigkeiten« kann auf der Freiwilligenplattform im Internet [1] heruntergeladen und ausgefüllt werden. Dort finden sich auch Termine für Schulungen sowie weiterführende Literatur.

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Beitrag in den Europa-Nachrichten Nr. 7 vom 2.8.2018

Für den Inhalt sind die Autor*innen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autor*in

Dr.in Erika Winkler ist Mitarbeiterin der Abteilung für Grundsatzfragen der Seniorinnen- und Senioren-, Bevölkerungs- und Freiwilligenpolitik im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Schwerpunkt Internationale Alterns- und Freiwilligenpolitik, 1997 – 2012 Stellvertretende Abteilungs(Referats)leiterin, seit 2003 Geschäftsführerin des Österreichischen Freiwilligenrates, 2010 – 2017 Vorsitzende der UNECE Arbeitsgruppe zum Altern.

Kontakt: Erika.Winkler(at)sozialministerium.at

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