Chancen und Erwartungen - Zivilgesellschaft und das Europäische Jahr des kulturellen Erbes

Das Jahr 2018 steckt noch in den Kinderschuhen und dennoch ist bereits klar: Es wird in den kommenden Monaten sehr europäisch. Aufgrund seiner symbolischen und historischen Bedeutung für Europa und das europäische Kulturerbe, wurde 2018 zum Europäischen Jahr des kulturellen Erbes erkoren. Seit 1983 widmet die Europäische Union regelmäßig ein Kalenderjahr einem bestimmten Thema, das namensgebend für das betreffende Europäische Jahr ist. Dieses Jahr dreht sich alles ganz und gar um die Kultur und unser gemeinsames kulturelles Erbe.

Das europäische Kulturerbe ist ein vielfältiges Mosaik kultureller und kreativer Werke, die uns Generationen von Europäerinnen und Europäern hinterlassen haben und die auch wir für künftige Generationen erhalten wollen. Dazu zählen Naturschutzgebiete, Kulturstätten und archäologische Ausgrabungsstätten, Museums- und Bibliotheksbestände, Denkmäler und Kunstwerke, historische Städte, literarische, musikalische und audiovisuelle Werke, aber auch Wissen, Gebräuche, Traditionen, Feste, Handwerkstechniken und Vieles mehr.

Dass das Kulturerbe gerade 2018 in den Mittelpunkt gerückt wird, hat etliche Gründe. Zum einen werden wir in diesem Jahr einer Reihe bedeutender Ereignisse unserer gemeinsamen europäischen Geschichte gedenken - wie etwa dem 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkrieges oder dem 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Krieges. Das Europäische Jahr des kulturellen Erbes bietet somit die Möglichkeit, mithilfe eines umfassenderen und gemeinsamen Verständnisses der Vergangenheit ein besseres Verständnis der Gegenwart zu erlangen. 

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Zum anderen soll das Kulturerbejahr dazu dienen, aufzuzeigen, dass der europäische Einigungsprozess nicht nur ein Garant für Frieden in Europa und eine wichtige Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung ist, sondern zugleich für interkulturelles Verständnis und gemeinsame europäische Werte steht. Es ist unsere gemeinsame Kultur, die uns als Europäerinnen und Europäer ausmacht. 

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Nachdem die Zweifel an der Europäischen Union aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise gewachsen sind, Fremdenfeindlichkeit über die vergangenen Jahre zugenommen hat und Nationalismus wieder salonfähig geworden ist, ist das Kulturerbejahr eine große Chance, um Europa den Menschen wieder näherzubringen und das uns Verbindende stärker zu betonen. Die Kultur ist dafür genau das richtige Mittel. Denn über die Kultur und das Kulturerbe können wirklich alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden.

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Damit das Jahr aber auch von Erfolg gekrönt wird, bedarf es einer gemeinsamen europäischen Kraftanstrengung. 2018 darf sich nicht darin erschöpfen, ein bloßes Nebeneinander verschiedener nationaler, primär kulturelle Nabelschau betreibender Initiativen zu sein. Es darf auch nicht nur darum gehen, ausschließlich Hochkultur oder Sehenswürdigkeiten zu promoten. 

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Das Jahr des kulturellen Erbes muss von einem Geist des europäischen Miteinanders geprägt sein und dieser Geist muss bei allen Menschen ankommen können, egal wo und wie sie leben, egal wie alt sie sind. 

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Es wird daher von Bedeutung sein, dass die nationalen Regierungen ihrer Rolle als Multiplikatoren des Kulturerbejahres gerecht werden und möglichst viele Akteure auf allen Ebenen in die Umsetzung des Themenjahres einbinden. 

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Die aktive Mitwirkung an dem Jahr ist für alle öffentlichen und privaten Träger, Bewahrer und Vermittler des kulturellen Erbes - beispielsweise Museen, Gedenkstätten, Archive, und Bibliotheken - , für Fachgesellschaften sowie Förderkreise, aber auch Organisationen, die sich die Förderung der Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement auf die Fahne geschrieben haben, möglich.

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Erst durch den Einbezug und das Engagement zivilgesellschaftlicher Organisationen in die Umsetzung des Jahres kann das eigentliche Ziel - Europa den Bürgerinnen und Bürgern über die Kultur näher zu bringen - erreicht werden. Das Kulturerbejahr kann somit als ein Jahr für und von der Zivilgesellschaft verstanden werden.

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Auf Seiten zivilgesellschaftlicher Akteure stellt das Themenjahr darüber hinaus eine Chance dar, neue Netzwerke zu bilden, stärker mit der Politik zusammenzuarbeiten und sich in die Debatte zum Umgang mit unserem Kulturerbe und einer zukünftigen Kulturpolitik in Deutschland und Europa einzubringen. 

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Normalerweise haben die Europäischen Themenjahre nämlich nicht nur den Zweck, die Bürgerinnen und Bürger innerhalb eines gewissen Zeitraums für bestimmte Themen zu sensibilisieren, Diskussionen anzustoßen und zum Umdenken anzuhalten. Die Themenjahre sind auch dafür da, dass die EU-Institutionen und die nationalen Regierungen starke politische Signale setzen und die Zusicherung geben, dass das betreffende Thema - also die Kultur - auch in Zukunft Teil der politischen Tagesordnung bleibt. 

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Die Politik sollte deshalb die notwendigen politischen Weichenstellungen in die Wege leiten. Dazu zählen der Ausbau kultureller Bildung, die Verbesserung des Zugangs zu Kultur, die Erhaltung des Kulturerbes, die Digitalisierung unseres Filmerbes und die Behebung der chronischen Unterfinanzierung von Kultur. 

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Beitrag in den Europa-Nachrichten Nr. 1 vom 6.2.2018

Für den Inhalt sind die AutorInnen des jeweiligen Beitrags verantwortlich.

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Autorin

Petra Kammerevert, MdEP ist seit Februar 2017 Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung, Medien und Sport im Europäischen Parlament.

Weitere Informationen: http://www.kammerevert.eu 

Kontakt: petra.kammerevert(at)europarl.europa.eu 

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